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Thomas Wehrle aus der SWR-Sportredaktion kommentiert die Morddrohungen und Schmähgesängen gegen den Hoffenheimer Mäzen.

Manchmal bin ich stolz auf meine Mitmenschen, manchmal wundere ich mich, manchmal bin ich ratlos, manchmal schäme ich mich und manchmal kommen all diese Gefühlslagen zusammen. So ging es mir am Samstag, vergangene Woche nach dem Gladbach-Spiel.

Zunächst war ich beeindruckt, dass 46.000 Fans im Stuttgarter Stadion eindringlich und ungestört schweigen konnten, um ein Zeichen gegen Rassismus im Land zu setzen. Zweieinhalb Stunden später wunderte ich mich vor dem Fernseher, dass in Gladbach einzelne Pfiffe und Störgeräusche die Schweigeminute begleiteten. Und rund eine Stunde später war ich fassungslos, dass sogenannte Fans nach den Morden von Hanau ein Transparent mit Dietmar Hopp im Fadenkreuz in der Gladbacher Fankurve hoch hielten.

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Die Täter gehören ermittelt und bestraft

Morddrohungen im Stadion sind gemeingefährlich und durch nichts zu entschuldigen. Egal gegen wen und egal von wem. Die Täter gehören ermittelt und bestraft. Von den Clubs und vom Staat. Aber der geballte Hass sogenannter Fans und sogenannter Fußballromantiker gegen Dietmar Hopp hinterlässt mich besonders ratlos. Was hat dieser Mann diesen sogenannten Fans getan? Dietmar Hopp hat in Hoffenheim Fußball gespielt, danach ein Milliarden-Vermögen gemacht und Teile dieses Geldes in seinen Verein investiert. Zusätzlich unterstützt der Mann mit seiner Stiftung und seinen Aktivitäten andere Sportvereine im Rhein-Neckar-Raum. Außerdem fördert er auch Kultur, Forschung, Wissenschaft und engagiert sich für den Klimaschutz. Mindestens 600 Millionen Euro hat die Hopp-Stiftung der Gesellschaft zurückgegeben.

Außerdem hat Hoffenheim dieses Jahr einen Transferüberschuss von fast 100 Millionen Euro erzielt und erfüllt damit eines der Hauptziele von Dietmar Hopp: Hoffenheim soll unabhängig von seinem Geld werden. Der Mann arbeitet nachhaltig im Gegensatz zu manch schwindligem Investor im Milliardengeschäft Fußball.

Dietmar Hopp hat Respekt verdient

Dietmar Hopp wird im April 80. Er hat keine Morddrohungen verdient sondern Respekt und Anerkennung für sein Lebenswerk. Hunderttausende Fans  haben gestern ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt gesetzt. Einige wenige malen Morddrohungen und schreien Hassparolen. Die Fans in Münster haben gezeigt, wie solche Chaoten dingfest gemacht werden können. Das hätte ich mir von den Gladbachern am Samstag auch gewünscht. Dann wäre ich mal wieder stolz auf meine Mitmenschen gewesen.

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