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Die sportliche Situation bei der TSG Hoffenheim ist prekär. Vor dem Spiel bei RB Leipzig (Freitag, 20:30 Uhr) ist der Relegationsplatz nur noch fünf Punkte entfernt. Kann Trainer Sebastian Hoeneß den möglichen Abstiegskampf meistern?

Man merkt es ihm an, der Mann ist in den Kampfmodus gewechselt. Sein Mienenspiel, seine Gestik, seine Äußerungen sind markanter und griffiger geworden. Sebastian Hoeneß kämpft vehement um einen versöhnlichen Saisonabschluss und damit möglicherweise auch um seinen Job.

Klar mache ihm seine Arbeit in Hoffenheim noch immer Spaß, so der Hoffenheimer Trainer im Presse-Talk vor dem Freitagsspiel in Leipzig, aber: "Es gibt auch Momente, wo man mehr kämpft als Spaß hat", so Hoeneß.

Zuletzt gab es viele unschöne Momente. Zu viele? Hoeneß' Zwischenzeugnis in seinem ersten Jahr als Bundesligatrainer fällt nicht gut aus: Raus im DFB-Pokal gegen Zweitligist Fürth, blamiert in der Europa League gegen den norwegischen Außenseiter Molde, Platz 12 in der Bundesliga mit gerade noch fünf Punkten Vorsprung zum Relegationsplatz. Versetzung gefährdet. Das gilt für Hoffenheim UND für Hoeneß.

Bleibt es weiter ruhig im Kraichgau?

Vor dem Freitagsspiel bei den spielstarken Leipzigern mit Hoeneß' Vor-Vorgänger Julian Nagelsmann ist es trotz allem noch immer ruhig im beschaulichen Kraichgau. Zu ruhig? Fakt ist: Sollte Hoffenheim in Leipzig verlieren und die Konkurrenz im Tabellenkeller weiter punkten, dann schlittert die TSG fünf Spieltage vor dem Saisonfinale mitten in den Abstiegskampf. Auch wenn Sebastian Hoeneß dieses bitterböse "A-Wort" in diesen Tagen im Gespräch mit den Journalisten immer wieder geschickt umkurvt.

Schnell könnte sich bei genanntem Szenario aber der Wind drehen und sich die unangenehme T-Frage stellen: Kann dieses instabile Team ohne die langzeitverletzten Führungsspieler Hübner und Bicakcic Abstiegskampf? Vertraut man einem Sebastian Hoeneß auch im eiskalten Tabellenkeller? Oder zieht Hoffenheim, die Bundesliga-Existenzangst im Nacken, womöglich die Reißleine?

Neuer Negativrekord: Nur zwei Torschüsse gegen Leverkusen

Nach drei Niederlagen und den peinlichen Auftritten gegen Mainz und Augsburg gab es zwar am Montag beim 0:0 gegen Leverkusen wenigstens mal wieder einen Punkt auf der Habenseite. Aus der Sinsheimer Arena wurde aber auch ein unrühmlicher Negativ-Rekord vermeldet: Den Kraichgauern gelangen in den trostlosen 90 Minuten ganze zwei Torschüsse. Weniger gab es noch nie in der inzwischen immerhin 13-jährigen Bundesliga-Mitgliedschaft.

Während Sebastian Hoeneß den Punktgewinn und das Zu-Null gegen Bayer (bei zuvor 47 Gegentoren), vor allem aber die verbesserte Körpersprache mit Kampf und Einsatz als Erfolg verbuchte, sahen Fans und neutrale Beobachter das trostlose Geschehen im vorerst letzten Montagsspiel der Bundesliga mit Grausen.

Nichts mehr zu sehen vom einstigen Tempofußball Marke Hoffenheim, vielmehr ängstliches und fehlerhaftes Bemühen ohne Esprit.

Dienen Corona und Verletzungen als Entschuldigung?

Der furiose Saisonauftakt mit dem 4:1 über die Bayern und dem kurzen Gruß von der Tabellenspitze ist nur noch schöne Erinnerung, verdrängt vom zunehmenden Absturz der Leistungskurve. Auch wenn Sebastian Hoeneß immer wieder auf die zahlreichen personellen Ausfälle verweist, in der Woche vor dem Leverkusen-Spiel fehlten erneut bis zu 13 Profis: Für ein Team mit europäischen Ambitionen sind die jüngsten Vorstellungen inakzeptabel.

Und so klammert man sich in Hoffenheim weiterhin an den Glauben, dass man doch eigentlich viel zu große personelle und fußballerische Qualitäten besitzt, um doch noch in den - Unwort - "Abstiegskampf" zu geraten. Auch wenn man sich, so der Trainer, "der Situation bewusst und hellwach" sei.

Sechs Spiele bleiben Hoffenheim und Hoeneß, um die verkorkste Saison wenigstens noch einigermaßen sorglos zu Ende zu bringen. Ob zum Schluss das Abschlusszeugnis für die TSG Hoffenheim mit dem Vermerk "Versetzt in die nächste Bundesliga-Saison" aber auch gleichbedeutend mit einer Job-Garantie für den jungen Trainer sein wird?

Sebastian Hoeneß kämpft. Um die Bundesliga und um seinen Job.

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