Die TSG Hoffenheim feiert das 3:1 gegen den FC Augsburg (Foto: imago images, Imago)

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"Living the Dream" - deshalb darf Hoffenheim von der Königsklasse träumen

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In der Fußball-Bundesliga ist die TSG Hoffenheim die Mannschaft der Stunde. Die Kraichgauer sind seit sieben Spielen ungeschlagen und stehen auf Tabellenplatz drei. Was macht das Team von Trainer Sebastian Hoeneß so stark?

David Raum trägt mit Stolz ein neues Tattoo. Nach seinem Tor zum 3:1 gegen den FC Augsburg zog der Hoffenheimer Nationalspieler das blaue Trikot nach unten und präsentierte allen den kleinen Schriftzug. Unterhalb des Halses hat sich der 23-Jährige auf Englisch einen Satz unter die Haut schreiben lassen, der sein momentanes Lebensgefühl beschreibt: "Living the Dream" ist da zu lesen. Den Traum leben.

Hoffenheims Nationalspieler David Raum und sein neues Tattoo (Foto: imago images, Imago)
Hoffenheims Nationalspieler David Raum und sein neues Tattoo Imago

"Einmal die Champions-Legue-Hymne hören..."

Was für Hoffenheims Shooting-Star mit dem traumhaften Karrieresprung vom Zweitligaspieler zum WM-Kandidaten gilt, das ist auch auf die gesamte TSG Hoffenheim übertragbar: "Einmal die Champions-League-Hymne hören, das ist natürlich der Traum eines jeden Fußballers", sagt David Raum im Gespräch mit SWR Sport, "aber es ist noch viel zu früh zu träumen."

Die Momentaufnahme aber gibt in jedem Fall Anlass zum Träumen im malerischen Kraichgau. Die TSG ist das Team der Stunde und seit sieben Spielen ungeschlagen, holte dabei satte 17 Punkte und katapultierte sich auf Platz drei in der Bundesliga. "Die Tabelle sieht gut aus, das wollen wir beibehalten", freute sich auch Stürmer Ihlas Bebou nach dem Heim-Dreier gegen die Augsburger.

Ihlas Bebou in der Form seines Lebens

Ihlas Bebou ist einer von vielen Faktoren, warum die Hoffenheimer von der Königsklasse des Fußballs träumen dürfen. Der pfeilschnelle Stürmer, zweimaliger Torschütze gegen den FCA, ist aktuell in der Form seines Lebens und mit sieben Saisontreffern der momentane Torschützenkönig der Hoffenheimer. "Man muss gierig sein auf Tore", so der frühere Düsseldorfer über seinen famosen Lauf.

Ausgeglichenheit ist Trumpf beim Torschuss

Abhängig von der Treffsicherheit Bebous ist die TSG aber mitnichten. 16 verschiedene Torschützen in dieser Saison zeigen die offensive Ausgeglichenheit der Mannschaft - das ist Liga-Spitze. Selbst die Torschuss-Krise von Andrej Kramaric (erst zwei Tore) wird locker kompensiert. Hoffenheim kann im Angriff jederzeit hochklassig variieren und ist deshalb nie auszurechnen. Die neu gewonnene Effektivität spricht für sich: 38 Treffer nach 18 Spielen sind eine klasse Ausbeute.

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Torhüter Baumann als Rückhalt des Teams

Dass in der Defensive nach wie vor das eine oder andere Gegentor zu viel fällt, ist sicherlich auch der starken offensiven Ausrichtung des Hoffenheimer Spielsystems geschuldet. Dennoch hat sich der Defensivverbund inzwischen deutlich stabilisiert, Abwehr-Boss Kevin Vogt spielt ebenso eine klasse Saison wie vor allem Torhüter Oliver Baumann. Die zwischenzeitliche Berufung in den Nationalmannschaftskader gab dem früheren Freiburger einen weiteren Leistungsschub. Oliver Baumann, längst das Gesicht Hoffenheims, avancierte zuletzt sogar zum Elfmeter-Killer der Bundesliga.

Die Außenbahnen als Kraftquelle für das Hoffenheimer Spiel

Richtig stark und stabil besetzt ist die TSG Hoffenheim inzwischen auch auf den Außenbahnen, der Kraftquelle des flotten Umschaltspiels. Links setzte Dauerspringer David Raum mit seinen herausragenden Leistungen, neben Vogt zählt er die meisten Ballkontakte, sogar zum steilen Karriere-Sprung ins Nationalteam an. Rechts wurde der frühere Innenverteidiger Kevin Akpoguma von Trainer Sebastian Hoeneß als wuchtiger und torgefährlicher Flügelspieler "entdeckt" und umfunktioniert. Alternativ steht die tschechische "Lokomotive" bereit: der etablierte Pavel Kaderabek, der aktuell für mehrere Wochen ausfällt.

Trainer Sebastian Hoeneß hat sich bei der TSG etabliert

Apropos Trainer: Sebastian Hoeneß, eher ein ruhiger Vertreter seines Fachs, hat sich nach der sehr schwierigen Debüt-Saison in Hoffenheim mit zahlreichen schweren Verletzungen und vielen Corona-Ausfällen nicht entmutigen lassen und setzt inzwischen seinen Stil konsequent um. Hilfreich war dabei sicherlich auch die Rückendeckung von Alexander Rosen, dem Direktor Profifußball der TSG, der den oft kritisierten jungen Trainer in seinem ersten Jahr immer schützte und ihm die nötige Eingewöhnungszeit unter normalen Umständen gewährte.

Verbale Höhenflüge sind nicht die Sache des Trainers mit dem berühmten Familiennamen: "Das alles ist nur eine Momentaufnahme", so Hoeneß zum aktuellen Tabellenbild. Er weiß aber auch um das Potenzial und die Möglichkeiten seines Ensembles, das sich auch durch Rückstände nicht schrecken lässt: 15 Punkte holte die TSG, nachdem sie in dieser Saison zurücklag.

Gelungene Mischung aus Routiniers und Talenten

Der sympathische frühere Münchner zahlt für die Treue der Vereinsführung jedenfalls in dieser Saison kräftig zurück, führte das personell breit aufgestellte und hochbegabte Team zur lange gewünschten Konstanz und damit in die Spitzengruppe. Letztlich hat sich die Ruhe im Kraichgau also rundum ausgezahlt. Trainer Hoeneß ("Wir wollen klar und einfach Fußball spielen") und seine spannende Team-Mischung aus fußballerisch starken Routiniers (Kramaric, Dabbur, Rudy, Vogt, Grillitsch, auch der stark mitspielende Keeper Baumann) und jungen Talenten (Raum, Baumgartner, Posch, Richards, Rutter, Geiger, Stiller) haben sich endlich gefunden und mischen die Bundesliga mit schnellem, zielstrebigem Spiel kräftig auf.

Weiter Vollgas-Fußball in Hoffenheim

Wo soll das noch hinführen? Um es mit dem neuen Tattoo von David Raum zu sagen: "Living the Dream", im Kraichgau darf gerne weiter und zu Recht von der Champions League geträumt werden. Allerdings gepaart mit harter Arbeit: "Warum jetzt weniger machen?", so Nationalverteidiger Raum, "noch eine Schippe drauflegen und weiter Vollgas."

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