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Länderspielpause in der Bundesliga. Sieben Spieltage sind absolviert, Zeit für eine Zwischenbilanz bei SWR Sport. Bei der TSG Hoffenheim läuft es in der Europa League mit drei Siegen bislang bestens. In der Bundesliga aber holten die Kraichgauer aus den letzten fünf Partien nur noch einen Punkt.

Die Lage

Diese Szene steht stellvertretend für die verfahrene Situation: Die vierte Minute der Nachspielzeit in Wolfsburg, Munas Dabbur verschießt einen Handelfmeter. Statt Ausgleich zum 2:2 bleibt es bei der 1:2-Niederlage für die Hoffenheimer. Die Ergebniskrise der TSG in der Bundesliga dauert weiter an, nur einen einzigen Punkt holte das Team aus den vergangenen fünf Spielen und dümpelt mit mageren sieben Zählern aus sieben Spielen auf Platz 13 der Tabelle.

Es ist ein Gefühl der Ernüchterung eingekehrt im Kraichgau nach dem perfekten Saisonstart und der zwischenzeitlichen Tabellenführung. Der versemmelte Dabbur-Elfer zeigt, dass neben der Stabilität auch das Spielglück verloren gegangen ist. Es kann aktuell nur aufwärts gehen.

Das läuft gut

Ausgerechnet gegen das Top-Team der Liga zeigte Hoffenheim seinen mit Abstand besten Auftritt. Geradezu historisch gut war das deutliche 4:1 am zweiten Spieltag gegen Bayern München. Hinten dicht gestaffelt, vorne schnell, agil und effizient - so schoss die TSG den Dauermeister nach 32 ungeschlagenen Pflichtspielen aus der Sinsheimer Arena. Hoffenheim zeigte in beeindruckender Manier, welches enorme Potenzial im Team steckt.

Nach dem Bayern-Hype aber kam punktemäßig nicht mehr viel, nur noch ein Zähler aus fünf Bundesligaspielen und der Absturz ins hintere Tabellendrittel. Trotz ansprechender Leistungen wie etwa bei der unglücklichen 0:1-Heimniederlage gegen Dortmund war offensichtlich, dass die Ausfälle des bis dahin überragenden Abwehr-Strategen Ermin Bicakcic (Kreuzbandriss) und von Top-Torjäger Andrej Kramaric (Corona positiv) tiefe Löcher ins Personaltableau gerissen haben. Der fürs Gesamtgefüge enorm wichtige Kapitän Benjamin Hübner fehlt wegen Verletzung schon seit Saisonbeginn.

Nach wie vor sehr stabil zeigen sich die Hoffenheimer im Gegensatz zur Bundesliga in der Europa League. In den drei Spielen gegen Belgrad, Gent und Liberec gab es drei deutliche Siege mit elf Treffern. Wohlgemerkt gegen teils überforderte Gegner.

Das muss besser werden

Aktuell ist an einigen Stellschrauben zu drehen. Hoffenheim zeigt sich in der Offensive im Allgemeinen und beim Toreschießen im Speziellen in der Bundesliga viel zu abhängig von Andrej Kramaric. In den ersten drei Spielen gingen allein sechs Treffer auf das Konto des Kroaten. Danach musste Kramaric in Corona-Quarantäne, und die TSG kam im Angriff außer Tritt. Trotz namhafter Vertreter wie Dabbur, Belfodil oder Bebou.

Die Defensive sollte sich auch ohne die verletzten Charakterköpfe Bicakcic und Hübner endlich wieder über 90 Minuten stabilisieren. Viel zu häufig gerät Hoffenheim, wie zuletzt in der ersten Hälfte in Wolfsburg, in Phasen, in denen das Team keinen Zugriff auf das Spiel bekommt und entscheidende Gegentore kassiert.

Ein wiedergenesener Kramaric könnte vorne entscheidend weiterhelfen, ein Benjamin Hübner hinten. Bicakcic dagegen wird noch Monate fehlen.

Die Neuen

Mit Mijat Gacinovic von Eintracht Frankfurt und der Tottenham-Leihgabe Ryan Sessegnon holte die TSG Hoffenheim in der vergangenen Transfer-Periode lediglich zwei echte Neue. Sebastian Rudy war nur für wenige Wochen zurück auf Schalke, um dann kurz vor Toresschluss ein weiteres Jahr von den Königsblauen ausgeliehen zu werden.

Mehr als ordentliche Ansätze sind dabei aber (noch) nicht zu vermelden. Top-Talent Sessegnon besticht durch Schnelligkeit und Eleganz, konnte sich aber auf der linken Seite trotz diverser Einsätze als Back-Up zu Robert Skov noch keinen Stammplatz erkämpfen. Ähnliches gilt für Offensivspieler Gacinovic, der häufig als Joker zum Einsatz kam. Der Serbe ist ein guter Fußballer, flott unterwegs, aber noch ohne die nötige Durchschlagskraft.

Routinier Rudy pendelt zwischen defensivem Mittelfeld und für den in Corona-Quarantäne befindlichen Kaderabek der rechten Außenbahn. In Hoffenheim weiß man, was man an dem feinen und vielseitigen Techniker und Teamplayer hat. Aber auch Sebastian Rudy hat noch viel Luft nach oben.

Zwischenfazit: Noch sind die Neuen keine Verstärkungen.

Der Trainer

Sebastian Hoeneß ist neu in Hoffenheim. Der Bundesliga-Debütant kam vom Drittliga-Team des FC Bayern vor der Saison für Alfred Schreuder. Der 38-Jährige füllte nach dem erfolgreichen Start und dem Rekordsieg gegen seinen früheren Klub aus München auf Anhieb die Schlagzeilen. Jetzt aber weht der Herbstwind kühl durch den Kraichgau, die wochenlange Negativ-Serie in der Bundesliga nagt auch am Nervenkostüm des Trainer.

Jetzt ist Hoeneß gefordert, die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen, vor allem die oft phlegmatischen Anfangsphasen abzustellen: "Es ist keine Frage der Kraft, sondern der Mentalität", sagt der TSG-Coach zur Doppel-Belastung Bundesliga und Europacup, "wir brauchen mehr mentale Härte". Das Kriseln in der Bundesliga ist eine echte Bewährungsprobe für den neuen Coach im Stahlbad-Bundesliga.

Nächste Woche kommt der prima gestartete VfB Stuttgart zum Baden-Württemberg-Duell nach Hoffenheim. Auch das, wie die Bayern, ein ehemaliger Verein von Sebastian Hoeneß. Die Zeit ist reif für einen Re-Start im Kraichgau.

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