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Fußball | Bundesliga

Teamcheck TSG Hoffenheim: Die letzte Chance für das "Projekt Hoeneß"

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Nach einer durchwachsenen Saison mit Verletzungspech und Abstiegssorgen sehnt sich die TSG Hoffenheim nach einer erfolgreicheren Spielzeit. Die Mannschaft ist von Anfang an gefordert – ansonsten droht das "Projekt Hoeneß" zu scheitern.

So lief die vergangene Saison

Auf einen Auswärtssieg gegen den 1.FC Köln am ersten Spieltag folgte eine fulminante 4:1-Gala gegen Bayern München. Der Saisonstart der TSG Hoffenheim hätte besser nicht laufen können. Die mutige Entscheidung der Verantwortlichen, mit Sebastian Hoeneß einen Trainer ohne Erstliga-Erfahrung zu verpflichten, schien sich zu Saisonbeginn auszuzahlen.

Doch danach blieb die TSG sieben Spiele in Folge sieglos und die Anfangseuphorie verpuffte. Obwohl Hoeneß, wie seine Vorgänger, die Mannschaft in einer 3-5-2-Grundformation aufstellte, stimmten die Automatismen nicht und die Gegner konnten sich schnell auf die neue Spielidee der TSG einstellen. Auch den Ausfall von Stürmer Andrej Kramaric, der am 4. Spieltag bereits sechs Tore erzielt hatte und aufgrund einer Corona-Erkrankung fünf Wochen ausfiel, konnten die Hoffenheimer nicht kompensieren.

Vor allem in den Auswärtsspielen präsentierte sich die TSG im Defensivverbund zu fehlerhaft und gewann über die gesamte Saison hinweg nur drei Auswärtsspiele. Und auch im Pokal waren die Leistungen nicht überzeugend - nach einem schmeichelhaften Weiterkommen in Runde eins im Elfmeterschießen gegen den Drittligisten Chemnitzer FC schied man in Runde zwei gegen Zweitligist Greuther Fürth aus.

Etliche Verletzungen und Corona-Erkrankungen sorgten zudem dafür, dass Sebastian Hoeneß seine Startelf fast wöchentlich verändern musste. Die Bilanz zum Jahreswechsel: 30 Gegentore in 15 Bundesligaspielen, Tabellenplatz 14.

Das Europaleague-Aus gegen Molde FK Ende Februar sorgte endgültig dafür, dass die Stimmung in Hoffenheim kippte. Doch die Verantwortlichen stärkten dem Neffen von Uli Hoeneß und Sohn von Dieter Hoeneß den Rücken und sprachen ihr Vertrauen aus – dennoch wurden die Ergebnisse nicht besser. Im Gegenteil: Bis zum Schluss drohte die Mannschaft in den Abstiegsstrudel zu rutschen, konnte sich jedoch rechtzeitig steigern und wenige Spieltage vor Ende der Saison den Klassenerhalt besiegeln. Tabellenplatz elf beschönigte eine völlig verkorkste Saison.

Wer kommt, wer geht?

Abgänge:

Wie in der vorherigen Saison fiel die Transferbilanz der TSG eher unspektakulär aus. Ryan Sessegnon verließ den Verein gen London und kehrte, nachdem er ein Jahr ausgeliehen war, wieder zurück zu Tottenham Hotspur. Auch Chris Richards war in der vergangenen Spielzeit für ein Jahr ausgeliehen und ging zu seinem Verein FC Bayern München zurück. Zumindest vorerst, denn die TSG würde das Abwehrtalent gerne erneut ausleihen oder fest verpflichten.

Justin Hoogma wurde an den Liga-Aufsteiger Greuther Fürth für ein Jahr ausgeliehen und sein Vertrag gleichzeitig bis 2023 verlängert. Zudem wurde Ilay Elmkies für ein Jahr nach Österreich zu Admira Wacker ausgeliehen.

Sebastian Hoeneß hält den 30-Mann-Kader für zu groß und will bis zur Tranfser-Deadline noch einige Spieler loswerden. Gut möglich, dass es in den kommenden Wochen noch zu Veränderungen kommen wird. Auch Trainer Sebastian Hoeneß äußerte sich in SWR Sport am Sonntag zu dem großen Kader: "Es ist von großer Bedeutung, dass der Kader kleiner wird".

Zugänge:

Auf ein Neues - Sebastian Rudy unterzeichnete in Hoffenheim einen neuen Zweijahresvertrag. Der 31-Jährige ist anscheinend nur in Hoffenheim so richtig glücklich. Bereits von 2010 bis 2017 hatte Rudy für die TSG gespielt und sich nach einem Jahr bei Bayern München und einer erfolglosen Saison auf Schalke zuletzt zweimal von den Königsblauen an Hoffenheim ausleihen lassen.

Ein weiterer Neuzugang mit Bayern-Vergangenheit ist Angelo Stiller. Der "Sechser" hatte in den vergangenen zwei Jahren mehr als 50 Einsätze für die zweite Mannschaft des Rekordmeisters und wurde von den Kraichgauern fest verpflichtet.

Zudem holten die Hoffenheimer Hubert Mbuyi-Muamba (18) aus Frankreich: Der junge Innenverteidiger kommt von Paris St.Germain und soll zunächst in der U23 der TSG reifen. Für links hinten verpflichteten die Kraichgauer U21-Europameister David Raum von Greuther Fürth. Der 23-Jährige war zuletzt auch für die deutsche Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen im Einsatz.

Jacob Bruun Larsen kehrte nach einem halben Jahr beim RSC Anderlecht zurück. Der 22-Jährige war in der Rückrunde an Anderlecht ausgeliehen und wagt einen neuen Anlauf in Hoffenheim. Bei Nahuel Noll, Gabriel Haider und Top-Talent Tom Bischof ist noch unklar, ob sie auch über die Saisonvorbereitung hinaus in den Kader der Profis berufen werden.

Der Trainer

"Die Ausrichtung, mit welchem Trainer wir in die neue Saison gehen, ist völlig klar und in der Klubführung einstimmig entschieden: mit Sebastian Hoeneß". Mit diesem klaren Bekenntnis stärkte Alexander Rosen, Direktor Profifußball der TSG, Sebastian Hoeneß, bereits Anfang Mai den Rücken.

Auch wenn Hoeneß bei den Verantwortlichen ein hohes Ansehen genießt, nach der letzten Saison steht der Übungsleiter ziemlich unter Druck. Zwar bewies sich Hoeneß als Krisenmanager, sportlichen Spuren konnte er in Hoffenheim jedoch bislang nicht hinterlassen.

Erwartungen an die neue Saison

Durch die Nicht-Teilnahme an der Europa League ist der Saisonstart in der Liga und im Pokal besonders wichtig. Der Kader hat sich kaum verändert und ist breit und ausgewogen aufgestellt. Trainer Sebastian Hoeneß stellte klar, dass seine Mannschaft nächstes Jahr definitiv weiter nach oben wolle.

Andrej Kramaric ist so etwas wie die Lebensversicherung im Angriff der Kraichgauer. Seine Leistungen könnten zum X-Faktor in der Saison werden, vorausgesetzt der Stürmer bleibt in Hoffenheim.

Sollte der Saisonstart gelingen und die TSG in der kommenden Saison vom Verletzungspech verschont bleiben, könnte viel drin sein. Dennoch dürfte der Fokus wie in den vergangenen Jahren auf der fußballerischen Entwicklung der Mannschaft liegen. Insgesamt stehen die Zeichen gut, dass das "Projekt Hoeneß" in Hoffenheim doch noch gelingen kann.

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