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Fans von Dortmund dürfen die nächsten drei Jahre nicht zu Auswärtsspielen nach Hoffenheim. Der Grund: Jahrelange Anfeindungen gegen Dietmar Hopp. Es ist aber keine Strafe, findet SWR-Sportredakteur Martin Thiel.

Der Ausschluss führt in ein Dilemma – denn Teile der BVB-Fans werden ihn feiern. Sie haben diese Strafe provoziert – bewusst gegen Bewährungsauflagen des DFB verstoßen. Auf Dortmund-Plakaten heißt es verhöhnend "Wir scheißen auf die nächsten drei Jahre" und gesungen wird: "Nie wieder Hoffenheim".

Drei Auswärtsfahrten weniger? Was soll's, wer will schon nach Hoffenheim. Kurz: Die Strafe verfehlt schlicht ihre Wirkung.

Einzeltäter bleiben unerkannt

Dass ihr Verein zur Kasse gebeten wird und Hoffenheim entschädigen muss, stört diese Fans nicht. Es ist ja nicht ihr Geld. Und damit sind wir beim Kern des Problems. Im Schutz der Masse bleibt der Einzeltäter zu oft unerkannt. Kommt häufig davon.

Nun sind es in Dortmund längst keine Einzeltäter mehr. Es ist der Hass Hunderter, vielleicht Tausender, der über Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp seit Jahren ausgeschüttet wird. Von Anfeindungen als Sohn einer Hure bis zum geschmacklosen Höhepunkt: Hopps Gesicht im Fadenkreuz und das auf einem riesengroßen Banner in der Fankurve.

Ausschluss sollte auch für Heimspiele gelten

Hopp wehrte sich und erwirkte Stadionverbote. Der DFB drohte mit Ausschluss und vollzieht das nun. Bewirken wird das wohl nichts. Im Gegenteil, ich werde das Gefühl nicht los, dass die BVB-Anhänger die Aufmerksamkeit genießen. Sie freuen sich, dass sie hetzen, hassen und beleidigen dürfen. Ohne, dass die Strafen Wirkung zeigen.

Ein Stadion Ausschluss ist eine gute Idee, aber dann bitte vor allem bei Heimspielen der Dortmunder, gern auch lebenslang. Dass es richtig, richtig weh tut. Das hätte eine abschreckende Wirkung. Denn am Ende muss klar sein, dass Hass und Hetze auch in einem Fußball-Stadion nichts verloren haben. Der Ausschluss jetzt ist für mich keine Strafe – er verstärkt nur das Dilemma.

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