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Für Sebastian Hoeneß wird die Situation in Hoffenheim immer schwieriger. Der verpasste erstmalige Einzug ins Europa-League-Achtelfinale wirft den Club weit zurück. Zumal die Situation in der Liga wenig vielversprechend ist.

Nach einer unruhigen Nacht mit wenig Schlaf fühlte sich das peinliche Aus nicht besser an. "Wir haben eine historische Chance vertan", kommentierte der sichtlich mitgenommene Trainer Sebastian Hoeneß das beschämende Scheitern der TSG Hoffenheim in der Zwischenrunde der Europa League: "Die Enttäuschung sitzt tief."

Nun erwartet der 38-Jährige eine Reaktion von seinem Team. Am Sonntag (13.30 Uhr) muss Hoffenheim bei Union Berlin schon wieder ran. "Man muss sich zugestehen, dass man enttäuscht ist", sagte Hoeneß am Tag nach der Pleite gegen Molde FK (0:2) im Sechzehntelfinale: "Aber wir sind auch Sportsmänner. Es geht darum aufzustehen. Das ist eine Charakterfrage. Das ist unser Job und unsere Pflicht. Das gehört dazu. Sich wegzuducken, Mitleid zu erwarten, das sind wir nicht."

Hoeneß: "Verkorkste Saison"

"Natürlich müssen wir von einer verkorksten Saison sprechen", räumte Hoeneß am Tag nach dem verpassten Achtelfinal-Einzug ein. Mit neuen Zielen für den Tabellenelften der Fußball-Bundesliga tut sich der Coach schwer. Die mangelnde Aussicht auf eine erneute Teilnahme am internationalen Geschäft könnte jedenfalls weitreichende Folgen für den ambitionierten Club von Mäzen Dietmar Hopp haben.

Eines Bundesligisten nicht würdig

Denn was die erschreckend schwache TSG beim 0:2 (0:1) im Rückspiel gegen Molde FK zu bieten hatte, war eines Fußball-Bundesligisten nicht würdig. Bei allem Respekt vor dem viermaligen norwegischen Meister hätten die Kraichgauer, die beim 3:3 (3:1) im Hinspiel trotz erdrückender Überlegenheit den Sieg verschenkt hatten, gegen diesen Gegner problemlos eine Runde weiterkommen müssen. Doch stattdessen haben die Hoffenheimer fast schon fahrlässig den erstmaligen Einzug des Klubs in ein Europacup-Achtelfinale verspielt - vom Imageschaden für die Bundesliga ganz zu schweigen.

Hoeneß sieht keine Blamage - Kramaric kommt erst nach einer Stunde

Eine Blamage wollte Hoeneß dennoch nicht erkannt haben. "Ich würde das nicht so bezeichnen", sagte der Coach: "Es wird der Mannschaft nicht gerecht, den Auftritt als blamabel zu bewerten." Dass sahen allerdings einige Beobachter anders. Ohne Kreativität und Tempo in der Offensive machten es die fahrigen Hoffenheimer den fußballerisch limitierten Wikingern nicht allzu schwer, ihr Tor erfolgreich zu verteidigen. Auch der Ausfall von zehn Profis taugt nicht als Entschuldigung, denn der TSG-Kader ist auf die Mehrfach-Belastung ausgelegt. So konnte sich Hoeneß immer noch den Luxus leisten, Vize-Weltmeister Andrej Kramaric erst nach einer knappen Stunde in die Partie zu bringen.

"Wir wollen die Europa League zu unserem Wettbewerb machen"

Hoeneß gestand zwar ein, dass das Aus gegen die Norweger nicht dem eigenen "Anspruch" genügt und "wir uns das ankreiden lassen müssen". Gleichzeitig gab der Trainer aber eine schwache Figur ab, als er die personellen Probleme, fehlende Frische und den starken Molde-Torwart Andreas Linde als Gründe für das Scheitern anführte. Von den markigen Worten der vergangenen Wochen ("Wir wollen die Europa League zu unserem Wettbewerb machen") war beim eher kleinlauten Trainer nach dem Abpfiff nichts mehr zu hören.

"Wir sind keine Opfer"

"Wir müssen schauen, dass wir uns schnell aufrichten. Wir sind keine Opfer!", betonte Hoeneß. Dies sei seine Botschaft an die Mannschaft. Unter welcher Prämisse der Club die verbleibenden zwölf Liga-Spiele angeht, wollte er noch nicht erklären. "Es macht gar keinen Sinn, vor dem Union-Spiel irgendwelche Ziele auszurufen", sagte Hoeneß.

"Das kurzfristige Ziel muss sein, das umzuwandeln in Kampfgeist, das ist Herausforderung genug. Alles weitere geschieht danach, ganz klar." Damit umzugehen, sei auch "eine Charakterfrage". Seine persönliche Situation, so der Bundesliga-Novize, sei aktuell nicht relevant. "Ich spüre jedenfalls schon wieder ein bisschen den Kämpfer in mir", sagte er nach einer kurzen Nacht.

Hoeneß kann sich bei allen Misserfolgen seit Monaten auch auf die vielen Ausfälle berufen, die zahlreichen schweren Verletzungen seien schon "sehr, sehr kurios". "Ich möchte der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Es war das vierte Spiel innerhalb kürzester Zeit ohne große Rotationsmöglichkeiten." Doch bei der jüngsten Blamage standen zahlreiche gestandene Profis auf dem Platz, und der Neffe von Uli Hoeneß verfügt über einen 31-köpfigen Kader.

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