Alfred Schreuder, Trainer 1899 Hoffenheim.  (Foto: Imago, imago)

Fußball | Bundesliga Alfred Schreuder und die neue Leichtigkeit des Seins

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Nach dem schwachen Saisonstart sorgte die TSG Hoffenheim mit dem Sieg beim FC Bayern für einen Paukenschlag. Das macht auch das Arbeiten des neuen Trainers Alfred Schreuder leichter.

Erstaunlich, was so ein Sieg alles bewirken kann, vor allem wenn er beim haushohen Favoriten, beim Deutschen Meister Bayern München gelingt. Seit dem sensationellen 2:1 am 5. Oktober geht bei der TSG Hoffenheim alles etwas beschwingter und leichter von der Hand. "Das haben wir als Erfolgserlebnis gerne mitgenommen", freute sich Alfred Schreuder bei der Pressekonferenz am Freitag auch zwei Wochen nach dem Bayern-Spiel noch immer über den Coup, "das war wichtig, dass wir endlich belohnt wurden".

"Es gibt Schwierigeres im Leben als Kritik"

Der bis dahin schwache Saisonstart mit fünf Punkten aus den ersten sechs Spielen - plötzlich kein Thema mehr. Die vor dem Bayern-Spiel in diversen Medien Medienlandschaft aufgekommenen Fragezeichen um den neuen Trainer Alfred Schreuder - wie weggeblasen. Ein ruhiges Arbeiten während der Länderspielpause war gewährleistet. Der Bayern-Sieg hat in der öffentlichen Wahrnehmung rund um Hoffenheim vieles verändert. Wobei der TSG-Trainer auch schon vor dem Bayern-Triumph immer wie die Gelassenheit selbst gewirkt hatte und von seinem fußballerischen Neuaufbau nach dem Weggang von Julian Nagelsmann und zahlreicher Leistungsträger überzeugt war, allen unangenehmen Fragestellungen zum Trotze: "Es gibt Schwierigeres im Leben als Kritik", so der Nagelsmann-Nachfolger am Donnerstag in einem Interview mit dem Kicker.

Alfred Schreuder und sein persönlicher Schicksalsschlag

Der sehr ruhig und ausgeglichen wirkende Niederländer weiß aus leidvoller Erfahrung, wovon er spricht. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag sieht er den Profifußball aus einer anderen Perspektive. 2006 verstarb Alfred Schreuders Tocher Anouk im Alter von sechs Jahren an den Folgen eines Gehirntumors. "Es ist 13 Jahre her, es geht nicht weg", beschreibt der Hoffenheimer Trainer offen über die Verarbeitung des Verlustes, "aber man lernt damit zu leben. Wenn man dann über sich die Frage liest, ob man als Trainer wackelt, dann kann man darüber lächeln". Es falle ihm auch deshalb leicht, Spielern zu sagen, warum sie nicht spielen: "Wenn du eine Tochter verloren hast, was gibt es Schwierigeres"?

Mit dem Bayern-Schwung jetzt gegen Schalke

Jetzt geht Alfred Schreuder die nächste Bundesliga-Aufgabe mit der Leichtigkeit des Seins ,dem Bayern-Sieg im Rücken, voller Zuversicht an. Und die heißt FC Schalke 04 (Sonntag, 18.00 Uhr). Unter dem neuen Coach David Wagner, einem früheren Hoffenheimer Jugendtrainer, kamen die "Königsblauen" prima in die Saison. Platz sechs, punktgleich mit Bayern München, dokumentieren den gelungenen Saisonauftakt nach sieben Spielen. Schreuder jedenfalls ist gespannt auf die Partie. Er erwartet "ein offenes Spiel, weil beide Mannschaften gerne nach vorne spielen". Erstmals mit im Kader, nach dreimonatiger Verletzungspause, ist erstmals auch Torjäger Andrej Kramaric.

Der Hoffenheimer Trainer verweist übrigens gerne darauf, dass seine Mannschaft "auch schon vor dem Bayern-Spiel die Art und Weise, wie wir in dieser Saison spielen, aufgenommen hat". Gefehlt, so der 46-Jährige hätten bis München nur die entsprechenden Ergebnisse. Spricht`s, spinnt ein feines Lächeln um den Dreitagebart und verabschiedet sich ganz gelassen in Richtung Trainingszentrum. Schalke wartet.

Was so ein Sieg beim FC Bayern atmosphärisch alles bewirken kann.

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