Oliver Baumann (Foto: Imago, imago)

Fußball | Bundesliga Warum Oliver Baumanns Jubiläum daneben ging

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Am Sonntag machte Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann sein 300. Bundesligaspiel. Das runde Jubiläum zum Saisonstart war allerdings verpatzt. Die TSG verlor bei Eintracht Frankfurt 0:1.

Gerade einmal 36 Sekunden hatte Oliver Baumann Stellung bezogen, zum 300. Mal an seinem Arbeitsplatz im Bundesliga-Tor, da war er schon bezwungen. Eckball Frankfurt, Flanke Kostic, Direktabnahme Hinteregger, 0:1. Unfassbar. Nach 36 Sekunden, blitzschnelles Gegentor statt Blumen zum Fest. Ob er sich an eine ähnlich frühe "kalte Dusche" in einem Spiel erinnern könne, wurde Oliver Baumann nach Spielende von SWR Sport gefragt: "Echt, 36 Sekunden? Nein, ich kann mich nicht erinnern", antwortete Oliver Baumann verblüfft. Der unglückliche Saison-Auftakt von Frankfurt, der nach eben diesen 36 Sekunden bereits entschieden war, hatte dem 29-Jährigen Hoffenheim-Keeper die gute Laune zum schönen Jubiläum verhagelt: "Da waren wir nicht richtig wach, das war kein guter Start".

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Baumann: "Auf die 300 Spiele bin ich stolz"

Frankfurt war sein 300. Spiel im Oberhaus, "da bin ich echt stolz drauf", sagt der frühere Freiburger, "auch wenn das Ergebnis scheiße war". Bei der Eintracht stand er zum 169. Mal im Bundesligator der Hoffenheimer, 131 Bundesliga-Partien hatte er für seinen Heimatverein, den SC Freiburg, absolviert, bei dem er über die Fußballschule den Sprung nach ganz oben schaffte. "Ich stand nicht jede Woche da und und habe Strichliste geführt, jetzt war es eben soweit", sieht Oliver Baumann sein rundes Jubiläum eher gelassen. Im Mai 2010 hatte er im Tor der Freiburger sein Bundesliga-Debüt gegeben, danach war der einstige U21-Nationaltorhüter in der Liga durchgängig die Nummer eins.

Baumanns außergewöhnliche Konstanz

Seit seinem Wechsel 2014 in den Kraichgau fehlte Baumann in der Bundesliga nur zweimal. Eine außerordentliche Konstanz, die der gebürtige Breisacher immer wieder mit herausragenden Leistungen untermauerte. Immer wieder wurde Oliver Baumann auch mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Pech für ihn, dass seit Jahren mit Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen gleich zwei Weltklasse-Keeper unangefochten an der nationalen Spitze stehen.

Gab es besondere Spiele unter den 300? "Da gab es viele, positiv wie negativ, zu Hoffenheimer und zu Freiburger Zeiten", erinnert sich der sympathische Keeper. Abstiegskampf, Spiele um den Einzug in die Europa League und die Champions League, Oliver Baumann kennt alle emotionalen Szenarien. Dankbar ist er vor allem seiner Frau Charlotte, wenn er auf die neun Jahre als Bundesliga-Keeper zurückblickt, "die immer herhalten muss, wenn ich auch mal nicht gut gelaunt nach Hause komme".

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Das neu formierte Hoffenheim zeigte gute Ansätze

Wie möglicherweise am Sonntagabend nach dem verpatzten Saisonstart in der Hessen-Metropole. Das Ergebnis stimmte zwar nicht und war ärgerlich, trotz der 0:1-Niederlage aber sah Oliver Baumann prima Ansätze des neuformierten Teams: "Nach dem schnellen Rückstand haben wir das Spiel unter Kontrolle gehabt, mit viel Ballbesitz, wir waren dominant". Was letztlich aber fehlte, war die Durchschlagskraft vor dem Frankfurter Tor: "Wir spielen mit sehr viel Risiko, kommen oft nach vorne", so Baumann, "aber wir sind nicht richtig durchgekommen, da müssen wir definitiv noch dran arbeiten". In der Tat spielten die Hoffenheimer nach vorne sehr gefällig mit feinen Ballstafetten.

Stürmer noch ohne effektiven Abschluß

Die neuen Stürmer Robert Skov und Ihlas Bebou, die nach den Verletzungen von Kramaric und Belfodil (Bank) gleich in der Startelf standen, sind hochtalentiert, schnell und technisch versiert. Ihnen fehlte aber noch der effektive Abschluss. "Wir müssen den neuen Jungs auch Zeit lassen. Grundlegend aber war es ein gutes Spiel von uns", sah sich Oliver Baumann durchaus bestätigt, dass die TSG trotz der namhaften Abgänge auch in der neuen Saison ein prima Team besitzt. Die Neuzugänge, so Baumann, seien "alle sehr gute Charaktere, sie haben eine hohe Qualität, sie werden uns noch weiterhelfen". Zu den frisch verpflichteten neuen Hoffnungsträgern zählt auch Diadie Samassekou, der erst letzte Woche aus Salzburg kam, und in Frankfurt bereits seinen Einstand als Einwechselspieler gab. Der Nationalspieler aus Mali überzeugte mit Übersicht und guten Pässen.

Oliver Kahn ist der Rekordhalter unter den Keepern

Unter den aktuellen Keepern der Bundesliga hat übrigens nur Münchens Manuel Neuer mehr Bundesligaspiele zu Buche stehen (373). Der Rekordhalter ist übrigens ein anderer badischer Oliver: Oli Kahn stand für den Karlsruher SC und den FC Bayern München 557 Mal im Tor. Fehlen Oliver Baumann zur Einstellung der Bestmarke noch 257 Bundesligaspiele. Nach Adam Riese könnte der Hoffenheimer also in knapp acht Jahren an "Titan" Kahn vorbeiziehen. Dann wäre Oliver Baumann 37. Warum eigentlich nicht?

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