Nach dem Abgang von Niko Kocav trainert Hansi Flick den FC Bayern München (Foto: Imago, imago images/Thomas Frey)

Fußball | Bundesliga Wird der Bammentaler Hansi Flick zur Dauerlösung des FC Bayern?

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Am Sonntagabend trennte sich der FC Bayern von Trainer Niko Kovac. Jetzt soll der frühere Hoffenheimer Hansi Flick die Münchner zumindest übergangsweise wieder auf Kurs bringen.

Es wird eine spannende Woche für den Mann aus Bammental im Rhein-Neckar-Kreis. Hansi Flick trägt seit diesem Montag die fußballerische Verantwortung beim FC Bayern München. Zumindest vorübergehend, bis ein Nachfolger für Niko Kovac gefunden ist. Der 54-Jährige also nur ein Cheftrainer auf Zeit beim Rekordmeister? Oder könnte möglicherweise am Ende mehr daraus werden? Ein längerfristiges Engagement? Im Champions-League-Heimspiel am Mittwoch gegen Piräus und am Samstag im Top-Spiel der Bundesliga gegen Borussia Dortmund kann sich Flick als verantwortlicher Coach bewähren, kann Spuren in eigener Sache hinterlassen.

Dauer

Hansi Flick war bereits Spieler beim FC Bayern

Vielleicht ist der smarte Kurpfälzer, ein stets ruhiger und freundlicher Mensch, gerade in der jetzigen Situation genau der richtige Mann für eine völlig verunsicherte Bayern-Mannschaft: Zugänglich und geduldig, eine Art Freund der Spieler. Und außerdem: Hansi Flick und der FC Bayern, das ist eine ganz besondere Geschichte. Uli Hoeneß hatte den damals 20-Jährigen Jugendnationalspieler und Oberliga-Kicker des SV Sandhausen 1985 nach München geholt. Fünf Jahre stand Flick beim FC Bayern unter Vertrag, machte 100 Bundesligaspiele und wurde unter Udo Lattek und Jupp Heynckes vier Mal Deutscher Meister. Ein stiller und fleißiger Dauerläufer, der den Stars den Rücken freihielt.

Zahlreiche Verletzungen verhinderten eine noch erfolgreichere Spieler-Karriere. 1993, nach drei Jahren in Köln, wurde der gebürtige Heidelberger Sportinvalide. Die Verbindungen und Freundschaften nach München, vor allem zu Bayern-Macher Uli Hoeneß, rissen aber auch nach Ende der Spielerlaufbahn nie ab. Lothar Matthäus beispielsweise ist bis heute Kumpel von Hansi Flick. "Das war damals die schönste Zeit als Spieler", so Flick, "wir waren ein verschworener Haufen, ein richtiges Team".

Acht Jahre Assistent von Bundestrainer Löw

Im Herzen aber blieb er immer Kurpfälzer. An seinem Hauptwohnsitz in Bammental betrieb er jahrelang als zweites berufliches Standbein ein Sportgeschäft. Beim Landesligisten FC Bammental sammelte er seine ersten Trainer-Erfahrungen, ehe Dietmar Hopp den jungen Coach 2000 zum aufstrebenden Nachbarclub TSG Hoffenheim holte. Mit dem damaligen Oberligisten stieg Hansi Flick in die Regionalliga auf und sorgte auch im DFB-Pokal mit dem 3:2-Triumph im Dezember 2003 gegen den Bundesligisten Bayer Leverkusen für eine echte Sensation. Schon damals im Kraichgau arbeitete Flick sehr modern, arbeitete mit Gummibändern an der körperlichen Stabilisation, betrieb Video-Analyse und bastelte an den Methoden der Leistungsdiagnostik.

Dauerhaft prominentes Profil als Trainer bekam Hansi Flick ab dem 23. August 2006, als er zum Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw berufen wurde. Die Krönung des gemeinsamen Wirkens: Weltmeister 2014. Flick hatte sich über Jahre als loyaler und fachkundiger Partner Löws auch international etabliert und in der Szene einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Als Sportdirektor des DFB sorgte er für neue Strukturen. Später als Geschäftsführer der TSG Hoffenheimer wurde Hansi Flick nicht glücklich, beendete die Episode nach wenigen Monaten.

2019 das Comeback beim FC Bayern

Im Sommer dieses Jahres dann der Wiedereinstieg in der Bundesliga und die Rückkehr nach 29 Jahren an die Isar: Der FC Bayern holte Flick zurück nach München, als Partner der Trainer-Brüder Niko und Robert Kovac. Flick musste nicht lange überlegen, als das Angebot ins Haus flatterte: "Bayern München ist ein Klub, der mir am Herzen liegt", sagte Flick nach seinem Comeback an der Säbener Straße, "eine Top-Adresse".

Jetzt also trägt zunächst Hansi Flick die alleinige Verantwortung, den taumelnden Fußball-Giganten wieder in die Spur zu bringen. "Die Arbeit mit den Spielern, mit jungen Menschen, das macht mir am meisten Spaß", hat Hansi Flick vor der Saison gesagt. Der Mann aus Bammental ist kein Mann für die großen Scheinwerfer. Er wird die große Aufgabe, wie von ihm gewohnt, ohne große markige Worte angehen. Kommunikativ, kompetent und konzentriert, mit der ihm eigenen Ruhe und Gelassenheit.

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