Markus Gisdol (Foto: Imago, imago)

Fußball | Bundesliga Nach 666 Tagen - Markus Gisdol ist wieder da

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Markus Gisdol ist der neue Trainer des 1.FC Köln. Der gebürtige Schwabe tritt die Nachfolge von Achim Beierlorzer an. Damit geht für den Fußballlehrer eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit zu Ende.

Sein letzter Arbeitstag war der 21. Januar 2018. Damals war Markus Gisdol beim Hamburger SV von seinen Aufgaben entbunden worden, wie es im Fußball-Jargon heißt. Jetzt, nach 666 Tagen Arbeitslosigkeit, ist der Mann aus dem schwäbischen Bad Überkingen wieder da, wieder im Geschäft. Der 50-Jährige soll den 1.FC Köln vor dem erneuten Abstieg retten und ins fußballerisch ruhigere Fahrwasser führen, erhielt einen Vertrag bis Juni 2021. So, wie er es beispielsweise vor knapp sechs Jahren bei der TSG Hoffenheim getan hat. Binnen sieben Spieltagen hatte Markus Gisdol den gefühlten Absteiger über das "Wunder von Dortmund" und die Relegation gegen Kaiserslautern doch noch zum Bundesliga-Klassenerhalt trainiert, Hoffenheim danach mit prima Angriffsfußball stabilisiert und interessante Spieler weiterentwickelt.

Gisdol: "Man muss als Trainer nicht überall reinspringen"

Nach seinem Ende beim HSV war Markus Gisdol viele Monate immer dann als möglicher Kandidat aufgetaucht, wenn in der Bundesliga ein Trainer-Rauswurf anstand. "Das ist nicht immer angenehm", so Gisdol in einem Interview im Frühjahr mit dem Bayerischen Rundfunk, "es ist aber auch gut, dass man nicht vergessen ist". Eine Neuanstellung gab es trotzdem nicht: "Man muss nicht überall reinspringen als Trainer, das kann ich mir inzwischen herausnehmen", sagte der Fußballlehrer, aber "man sollte auch nicht zu lange warten, ohne aber nervös zu werden". Die Ligazugehörigkeit des künftigen Klubs war dabei für ihn eher zweitrangig. "Die Konstellation muss passen", sagte Gisdol.

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EIne "zwielichtige Situation" als arbeitsloser Fußballtrainer

Und so war es zuletzt fast schon gefährlich ruhig geworden um den gebürtigen Geislinger, der während seines Wirkens in Hoffenheim als hochtalentierter Konzepttrainer gehandelt wurde. Das Warten auf eine neue Aufgabe, nicht immer ganz einfach: "Das ist eine zwielichtige Situation, in der man sich auch unwohl fühlt", ließ Gisdol tief in die Seele des arbeitslosen Trainers blicken, "einerseits bist du darauf angewiesen dass irgendwann ein Trainerposten frei wird. Anderserseits wünschst du es aber auch keinem Kollegen, dass er entlassen wird". Also stellte sich in den 667 Tagen ohne Job im Hause Gisdol immer wieder dieselbe Frage: "Sein lassen oder zupacken?"

Knapp zwei Jahre ein ganz normaler Familienvater

Jetzt also hat Markus Gisdol zugepackt. Die "schöne Zeit als ganz normaler Familienvater", so Gisdol im letzten Jahr gegenüber SWR Sport, ist zu Ende. Fast zwei Jahre konnte sich Markus Gisdol intensiv um Frau, Tochter und Sohn daheim in Bad Überkingen auf der Schwäbischen Alb kümmern. Eine Zeit, in der die Tochter schon mal den Satz fallen ließ, "dass es Zeit wird, dass du mal wieder aus dem Haus gehst". Also hat sich der Familienvater entsprechend auf dem Laufenden gehalten, hat beispielsweise die WM 2018 exakt für sich analysiert: "Als Trainer musst du immer hellwach sein. Wohin entwickelt sich der Fußball"? Er hat erkannt: Nur eine Idee vom Spiel reicht heute nicht mehr". Beispiel Weltmeister Frankreich: "Das Team hatte tolle Lösungen bei Ballbesitz, aber auch viele Torerfolge aus der schnellen Umschaltbewegung".

Gisdol: "Plötzlich bist du raus..."

Jetzt ist der Alltag der Arbeitslosigkeit für den Profi-Fußballtrainer Markus Gisdol also erstmal abgehakt. Eine Zeit, in der er auch viel gelernt hat: "Plötzlich bist du raus". Umso besser, dass er, Gisdol, während seiner Fulltime-Trainerjobs "nicht immer nur mit hohem Puls durch die Gegend gelaufen ist". Ganz wichtig für ihn: "Sich nicht ständig von den Nebengeräuschen ablenken lassen. Statt dessen sich auf die Arbeit mit Team und Verein konzentrieren". Natürlich wünscht sich auch ein Markus Gisdol für sich und "für jeden Trainer Freiburger Verhältnisse", dass es wie für einen Christian Streich jahrelanges Vertrauen der Vereinsführung gibt. Aber auch das hat er gelernt: "Die Zeit ist auch für Trainer viel schnelllebiger geworden".

Markus Gisdol ist wieder da, ist zurück in der Bundesliga. Nach 666 Tagen.

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