Hoffenheim Fans im Stadion mit Schals (Foto: Imago, imago/Jan Huebner)

Bundesliga | TSG Hoffenheim TSG Hoffenheim: Fast ohne Fans zum Montagsspiel nach Leipzig

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Am Montag muss Hoffenheim bei RB Leipzig ran. Für betroffene Fans der Auswärtsteams sind diese Spiele ein riesiger Kraftakt und oft nicht mit dem eigenen Alltag zu vereinen.

Mit drei Punkten in Leipzig könnten die Hoffenheimer nach ihrem Spiel wieder nach oben schauen. Mit einem übermäßigen Torjubel der eigenen Fans, sollte das Team von Julian Nagelsmann allerdings eher nicht rechnen. Viele können und wollen es sich nicht leisten, knapp 900 Kilometer Fahrtweg "nur" für ein Bundesligaspiel auf sich zu nehmen.

Für Hoffenheim wird es seit Einführung das erste Montagsspiel sein. Die Entscheidung, dass diese in der Bundesliga ab der Saison 2021/22 wieder abgeschafft werden, steht schon seit November 2018 fest. Im Vergleich zu vergangenen Auswärtsspielen der TSG werden es in Leipzig trotzdem deutlich weniger Anhänger werden, da viele Fans schlicht und ergreifend unter der Woche arbeiten müssen und somit mindestens einen, wenn nicht aber zwei Urlaubstage einreichen müssten, um die Kraichgauer bei RB zu unterstützen.

Wenn Urlaub mit Schmerzen eingereicht wird

“Es gibt auf jeden Fall einige Fans, die diesen Weg auf sich nehmen und versuchen, ihre 34er-Saison durchzuziehen. Die nehmen sich dafür dann zwei Tage Urlaub”, sagt Carsten Lindwurm, der als leitender Fan-Beauftragter der Hoffenheimer die Position als Vermittlungsperson zwischen Verein und Anhänger Fans besetzt. “Allerdings wird diese Freizeit eher mit einem weinenden Auge eingereicht. Als normaler Arbeitnehmer hat man nicht so viele Urlaubstage.” Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann, der zudem auf seinen künftigen Arbeitgeber treffen wird, versteht zwar die Probleme der Fans, kann aber die angekündigten Proteste nicht nachvollziehen.

Dauer

Rund 300 blau-weiße Anhänger werden in Leipzig im Stadion sein, teilte Nagelsmann zudem bei der Pressekonferenz mit. Viele Fans sind es also definitiv nicht. Dementsprechend nachvollziehbar, dass es selbst für Mitglieder aus Fanclubs oder der aktiven Fan-Szene sicherlich keine Option ist, Urlaubstage für die ungeliebten Montagsspiele zu verprassen. Beispielsweise haben die Hoffenheimer Ultras Crescendo Hohenlohe sich eindeutig auf ihrer Homepage positioniert.

Liebe TSG-Fans, wir möchten euch mitteilen, dass es in Leipzig keinen organisierten Support durch uns geben wird. Als Gruppe haben wir uns dafür entschieden, dieser fan-unfreundlichen Anstoßzeit keine Bühne zu geben. Montags nach Leipzig ist eine Untat des DFB und wird von uns nicht mitgetragen. Dies ist kein Boykottaufruf unsererseits. Wir überlassen es jedem selbst, unser Team in Leipzig zu unterstützen. Gegen Montagsspiele!”

Crescendo Hohenlohe

Wenn aus Protesten Straftaten werden

Schon beim vergangenen Montagsspiel zwischen Nürnberg und Dortmund (0:0), hatten die Fans im fränkischen Max-Morlock-Stadion ihren Unmut über die Spiele am Werktag gezeigt. Es wurden dunkle Tennisbälle auf den Rasen geworfen, weitere Fans hatten sogar versucht, in das Sendestudio von Eurosport zu gelangen. Sobald aus legal also illegal wird, sind diese Methoden äußert fragwürdig und nicht hinnehmbar – erst recht, wenn dabei Dritte in Gefahr gebracht werden. "Alles was im demokratischen Rahmen bleibt, ist für mich okay. Eine Deutsche Fußball Liga muss so etwas aushalten können, da es immerhin das Recht der Fans ist, sich dementsprechend zu äußern und ihrem Protest und ihrer Stimme einen gewissen Nachdruck zu verleihen", sagt Lindwurm.

Nürnberger Fans protestierten beim vergangen Montagsspiel gegen den BVB, indem sie schwarze Tennisbälle auf das Spielfeld warfen. Jadon Sancho (BVB ) und Jan Neitzel-Petersen (Linienrichter) versuchten sich davor zu schützen (Foto: Imago, imago/Zink)
Nürnberger Fans protestierten beim vergangen Montagsspiel gegen den DFB, indem sie schwarze Tennisbälle auf das Spielfeld warfen. Jadon Sancho (BVB ) und Jan Neitzel-Petersen (Linienrichter) versuchten sich davor zu schützen Imago imago/Zink

Sind Fan-Einwände künftig unabdingbar?

Trotz der baldigen Auflösung der Montagsspiele, findet Fan-Vertreter Carsten Lindwurm aber, dass die Proteste der vergangenen Tagen enorm wichtig sind, um bei den Funktionären langfristig und effektiv Gehör zu finden. “Dieser Nachdruck zeigt, dass Themen wie diese nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Den verantwortlichen Personen zeigt das ebenfalls, dass sie keine Dinge tun können, von denen Fans vollends überzeugt sind, dass sie für sie selbst nicht gut sind. Natürlich muss das aber alles im rechtlichen Rahmen bleiben.”

Im Vergleich zu den größeren Vereinen, wie Bayern München, dem BVB oder Schalke haben die Hoffenheimer im Verhältnis deutlich weniger Fans. Deswegen erscheint es dadurch nur allzu logisch, dass bei Auswärtsspielen weniger anreisen – speziell, wenn das Spiel auf einen Montag fällt und dafür durch die halbe Bundesrepublik gefahren werden müsste. Reisebusse stellt Hoffenheim seinen Fans aber zur Verfügung, die damit außerdem etwas sparen könnten. “Ein Bus fährt immer! Egal, ob mit 20 oder 50 Personen. Der fährt auch jetzt nach Leipzig und die Ticketpreise halten sich in der Waage, dass nicht alles beim Fan hängen bleibt,” meint Lindwurm. “Und wenn beim Verein dann ein kleines Minus hängenbleibt, dann nehmen wir das gerne in Kauf”.

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