Laut "Bild" schiebt sich der Hoffeheimer Havard Nordtveit regelmäßig Snus unter die Oberlippe (Foto: Imago, Werner OTTO)

Bundesliga | Gesundheit Snus - der gefährliche Kick für Kicker

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Snus wird von vielen Leistungssportlern konsumiert. Auch von Profifußballern in der Bundesliga. Dabei ist der Tabak durchaus gefährlich.

Snus. Das ist rauchfreier Tabak aus Schweden, den man sich in einem Tütchen unter die Oberlippe klemmt. Das Nikotin gelangt über die Mundschleimhaut in den Körper, es macht wach und angstfrei, die Reaktionsgeschwindigkeit wird erhöht. Ideal also auch für Fußballer als Mittel zur Leistungssteigerung. Und obwohl Snus die Gesundheit schädigt, wird es toleriert. In Schweden wird Snus "Eishockey-Droge" genannt. Bei den Kufencracks in Skandinavien gehört es mittlerweile dazu wie das Paar Schlittschuhe.

In Skandinavien ist der Kautabak "Snus" weit verbreitet. Darum denkt Rynninge-IK-Trainer Stellan Carlsson nichts dabei, Snus während des Spiels zu nehmen (Foto: Imago, PER KARLSSON)
In Skandinavien ist der Kautabak "Snus" weit verbreitet. Darum denkt Rynninge-IK-Trainer Stellan Carlsson nichts dabei, Snus während des Spiels zu nehmen Imago PER KARLSSON

Tabak unter der Oberlippe

Auch in der Fußball-Bundesliga scheinen immer mehr Kicker zu diesem Aufputschmittel zu greifen. Nach einem Bericht der "Bild" schiebt sich Havard Nordtveit, norwegischer Abwehrspieler bei 1899 Hoffenheim, regelmäßig Snus unter die Oberlippe. In Hoffenheim sieht man das gelassen. Pressesprecher Holger Kliem zum SWR: "In Norwegen ist es ein Stück Kultur, Snus zu konsumieren." Langläufer, Skispringer, Fußballer - fast alle Leistungssportler putschen sich in diesem Land damit auf.

Aber nicht nur in Skandinavien wird kräftig "gesnust". Auch in der Fußball-Bundesliga scheint diese Mode-Droge en vogue zu sein. Diesen Eindruck erweckte kürzlich ein Profi des SC Freiburg, der anonym bleiben wollte. Dem NDR gegenüber schätzte er, dass etwa jeder vierte Profifußballer Snus konsumiere, auch beim SC Freiburg. "In meiner Mannschaft nehmen viele Snus", wird er zitiert.

Nicht auf der Dopingliste

Snus steigert die Aufmerksamkeit und Belastbarkeit, fördert die Leistungsfähigkeit. Als Doping gilt es allerdings nicht. Zwar steht der Tabak auf der Beobachtungsliste der Welt-Antidoping-Agentur WADA, aber seine Zuführung ist nicht verboten. Trotzdem kann man Snus in der EU nur in Schweden kaufen; in Deutschland und den anderen EU-Ländern ist der Verkauf seit 1992 verboten. Weil der Konsum also erlaubt ist, verbieten die Fußballvereine ihren Spielern den "Genuss" auch nicht.

Beim SC Freiburg hat die medizinische Abteilung die Spieler ausführlich über das Thema Snus informiert. In einer Presse-Mitteilung teilt der Verein mit, dass man "großen Wert auf Information und Aufklärung unserer Spieler" lege. Die Spieler seien auch aufgeklärt worden, "welche Nachteile es mit sich bringen kann, Snus zu nutzen."

Krebserregende Stoffe

Mediziner warnen nämlich davor, dass die gesundheitlichen Folgen des Snus-Konsums ähnlich sind wie beim Rauchen. "Ein Säckchen gefüllt mit Lutschtabak ist so stark wie drei Zigaretten. Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und gelangt direkt ins zentrale Nervensystem", sagte Dr. Detlev Brandecker, Mannschaftsarzt von Handball-Bundesligist THW Kiel dem NDR. "Das Zahnfleisch kann irreversibel zurückgehen, die Zähne können geschädigt werden, und es gibt Studien, die belegen, dass eben auch in Snus bis zu 28 krebserregende Stoffe sind."    

Die Gesundheitsgefahren sind also bekannt. Ob ein Spieler Snus konsumiert oder nicht, liegt in seiner eigenen Verantwortung. So argumentiert man jedenfalls beim VfB Stuttgart. Dem Verein ist nicht bekannt, ob einer der VfB-Spieler Snus konsumiert. "Natürlich sind die Spieler vertraglich verpflichtet, einen gesunden Lebenswandel zu führen und sich fit zu halten", sagt ein Sprecher des VfB Stuttgart dem SWR. "Natürlich müssen sie sich an die Anti-Doping Richtlinien halten."

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