Julian Nagelsmann im Stadion seines künftigen Arbeitsgebers RB Leipzig (Foto: Imago, Picture Point LE)

Fußball | Bundesliga Julian Nagelsmann und sein spezieller Blick auf Leipzig

Julian Nagelsmann verlässt die TSG Hoffenheim nach der Saison und wechselt zu RB Leipzig. Am Montag konnte der junge Trainer seine neue Heimat für einen Tag näher kennenlernen.

Es war am Montag vor dem Spiel, als Julian Nagelsmann den Blick schweifen ließ. Der junge Bundesligatrainer stand in seinem hochgelegenen Hotelzimmer vor dem Fenster und die pulsierende Großstadt lag ihm zu Füßen: "Ich konnte über ganz Leipzig blicken", verriet Nagelsmann in der Pressekonferenz nach dem 1:1 seiner Hoffenheimer bei RB einen Anflug von Sentimentalität. Denn es war ein Blick in die eigene Zukunft - und die heißt eben Leipzig.

"Ganz normal und menschlich"

Es ist die Stadt "in der ich in drei, vier Monaten leben werde", so Nagelsmann: "Das geht einem dann alles durch den Kopf, bei der Anfahrt, wenn man die Stadt sieht und auch einen langen Tag hier verbringt. Das ist doch aber ganz normal und menschlich", bat der Noch-Hoffenheimer um Verständnis, dass zumindest in diesen Augenblicken Leipzig seine Gedankenwelt füllte.

Vorfreude auf Leipzig

Die Stadt Leipzig, in der er bereits "eine sehr schöne Wohnung gefunden" hat. Für sich und seine Familie mit Gattin Verena und Söhnchen Max. Julian Nagelsmann konnte und wollte auch eine gewisse Vorfreude auf seine künftige Wahlheimat nicht mehr verbergen: "Leipzig ist eine sehr schöne Stadt. Ich kenne sie schon relativ lang, weil ich auch schon öfters auf Einladung von Ralf Rangnick hier gewesen bin."

Zwei Fußball-Alphatiere Seite an Seite

Nagelsmann wird in der nächsten Saison "hoffentlich sehr erfolgreich" Cheftrainer in Leipzig. Als Nachfolger von Ralf Rangnick, der dann bei RB wieder als Sportdirektor arbeiten und Nagelsmanns direkter Vorgesetzter sein wird. Zwei Fußball-Alphatiere also Seite an Seite. Dass die beiden dennoch mit Erfolg zusammenarbeiten werden, daran lässt der Schwabe Rangnick keine Zweifel, alles andere sei "eine Beleidigung unserer beider Intelligenz". Es gehe bei der Wahl von Mitarbeitern nicht darum, den zu finden, "der sich am harmonischsten einfügt", sondern denjenigen, der der "bestmögliche" ist, so Rangnick auf der RB-Homepage. Und das ist und war nach Marktlage zweifellos Nagelsmann.

Bevor der mit 31 Jahren noch immer jüngste Bundesligacoach ab Sommer mit einem Vierjahresvertrag sein Zukunftsprojekt RB Leipzig angeht, will er aber noch mit Erfolg seine "Herzenssache" Hoffenheim zum Abschluß bringen. Schon vor dem Spiel am Montag hatte Julian Nagelsmann kundgetan, dass er sich zwar freut, "wenn ich nächste Saison mit Leipzig in der Champions League spielen kann". Allerdings besitze er nach wie vor in Hoffenheim "einen Vertrag und einen klaren Auftrag: Die Mannschaft möglichst erfolgreich durch die Saison zu führen". Und dieser Auftrag, den er "mit voller Leidenschaft erfüllt", heißt für ihn erneut: Internationales Geschäft. Mindestens Europa League. Nach dem Unentschieden vom Montag wird das nicht einfach, Hoffenheim hängt nach zu vielen Unentschieden auf Platz acht im "Niemandsland der Tabelle" fest, muß am Samstag beim nächsten direkten Konkurrenten Eintracht Frankfurt antreten.

Ab sofort und bis zum 30. Juni wird Nagelsmann wieder ausschließlich am Fenster seines Hauses im kleinen Wiesenbach stehen und auf die grünen Hügel des Kraichgaus blicken. Bis dahin zählt nur Hoffenheim. Erst danach liegt ihm wieder die Großstadt Leipzig zu Füßen. Optisch und - je nach Erfolg - auch fußballerisch.

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