Julian Nagelsmann, scheidender Trainer bei der TSG Hoffenheim (Foto: Imago, Kessler Sportfotografie)

Fußball | Bundesliga Scheidender Trainer Nagelsmann beklagt "Spiegelbild der Saison"

Die auf bittere Art und Weise verpasste Europa-League-Qualifikation war für Julian Nagelsmann ein Spiegelbild seiner letzten Saison bei der TSG Hoffenheim. Der Klub steht nach dem Abschied seines Erfolgscoachs vor einem Neuanfang.

Nach dem Scheitern seiner finalen Mission als Trainer der TSG Hoffenheim wurde für Julian Nagelsmann aus der erhofften Ehren- eine Trostrunde. Statt gemeinsam mit seinen Spielern doch noch den Einzug in die Europa League bejubeln zu dürfen, musste der scheidende Coach auf dem Platz erstmal seine niedergeschlagenen Schützlinge aufrichten. Nach dem 2:4 (2:0) beim FSV Mainz 05 und dem Abgang ihres Erfolgscoachs zu RB Leipzig stehen die Kraichgauer in mehrfacher Hinsicht vor einer ungewissen Zukunft.

"Haben uns die Butter vom Brot nehmen lassen"

"Es war ein Spiegelbild der gesamten Saison", klagte Nagelsmann nach dem Kollaps in Halbzeit zwei: "Wir haben uns die Butter vom Brot nehmen lassen, obwohl wir auswärts 2:0 führen."

Die Stimmung ist gedrückt

Die Stimmung des 31-Jährigen vor der mannschaftsinternen Abschlussfeier am Abend war spürbar gedrückt, auch beim Abschied vor der großen mitgereisten Fan-Kolonie in der Mainzer Arena hielt er sich zumeist in der zweiten Reihe. "Die emotionalen Momente entstehen eben weniger, wenn man verliert", bekannte Nagelsmann.

Eingeleitet durch die Gelb-Rote Karte für Youngster Christoph Baumgartner (Nagelsmann: "Total dämlich, aber eine schöne Entwicklungschance für ihn") in der 42. Spielminute, war die TSG nach den Treffern von Ishak Belfodil (12.) und Andrej Kramaric (34.) in Halbzeit zwei auseinander gefallen. Daniel Brosinski (66., Foulelfmeter), Jean-Paul Boetius (83./90.) und Jean-Philippe Mateta (90.+3) drehten das Spiel und verhinderten damit Hoffenheims Happy End im Europacup.

"Haben sehr viel verspielt"

"Wir haben in den letzten vier Wochen sehr viel verspielt", haderte Nagelsmann mit Tabellenplatz neun in der Endabrechnung. Seine Gesamtbilanz nach dreieinhalb Jahren als TSG-Coach wollte er sich davon allerdings nicht kaputt machen lassen. "Ich glaube, trotzdem ist die Amtszeit von mir nicht die schlechteste gewesen", meinte Nagelsmann.

Das Vermächtnis, aus einem Abstiegskandidaten einen Champions-League-Teilnehmer geformt zu haben, ist in der Tat gewaltig. Auch die Hoffenheimer Spieler lobten Nagelsmann nach dessen unglücklicher Abschiedsvorstellung noch einmal in den höchsten Tönen. "Julian ist ein außergewöhnlicher Trainer, der nicht nur mich, sondern die ganze TSG auf ein anderes Niveau gehoben hat", schwärmte etwa Nationalspieler Nico Schulz: "Julian hat mir den Fußball noch einmal anders beigebracht." Dem sichtlich geknickten Torwart Oliver Baumann tat es "einfach leid für Julian. Er hätte es definitiv verdient gehabt".

Nagelsmanns Nachfolger Alfred Schreuder steht nun vor einer kniffligen Aufgabe. Ohne Europacup-Teilnahme könnten den ohnehin schwerwiegenden Abgängen der Leistungsträger Kerem Demirbay (Bayer Leverkusen) und Nico Schulz (laut Medienberichten Borussia Dortmund) weitere folgen. Optimismus verbreitete ausgerechnet dabei der scheidende Nagelsmann. "Für einen Neuanfang ist es die bessere Situation. Jetzt ist der Hunger wieder da", sagte er: "Ohne Europa hat der Alfred die Chance, etwas Großartiges aufzubauen."

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