Julian Nagelsmann und Team (Foto: Imago, imago/Jan Huebner)

Bundesliga | 1899 Hoffenheim Nagelsmann bittet zum letzten Tanz im Kraichgau

Cheftrainer Julian Nagelsmann hat mit dem öffentlichen Training am Montag seine letzte Saison in Hoffenheim begonnen. Vor dem 30-Jährigen liegt seine bis jetzt vielleicht schwierigste Aufgabe.

"Es geht um meine innere Ruhe und die, die ich mit der Mannschaft habe", begründete er nach den ersten Übungseinheiten noch einmal die ungewöhnliche frühe Ankündigung seines Wechsels nach Saisonende zu RB Leipzig. Bei den ersten Übungseinheiten konnte der Coach auf dem Clubgelände in Zuzenhausen 23 Profis begrüßen.

Dauer

Vier Neuzugänge beim Training

Vier neue Spieler stehen bereits fest, mit denen 1899 erstmals in der Champions League antreten wird. Leonard Bittencourt (vom 1. FC Köln), Ishak Belfodil (Standard Lüttich), Joshua Brenet (PSV Eindhoven) und Rückkehrer Vincenzo Grifo (Borussia Mönchengladbach) sollen Abgänge wie Serge Gnabry (Bayern München), Mark Uth (FC Schalke 04) oder Eugen Polanski (unbekannt) kompensieren. "Wenn wir so in die Saison gehen würden, wäre ich zufrieden", sagte Nagelsmann zu noch möglichen weiteren Einkäufen.

Hoffenheim wird vom 8. bis 14. Juli das erste Trainingslager in Garmisch-Partenkirchen aufschlagen. Erster Gegner ist im Saisoneröffnungsspiel der Bundesliga am 24. August der deutsche Meister Bayern München. Sechs Tage zuvor muss 1899 zur ersten DFB-Pokalpartie beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern antreten.

Dauer

"Hier braucht niemand ein Alibi"

Nagelsmanns Wechsel im Sommer 2019 zum Liga-Konkurrenten RB Leipzig, der in der vergangenen Woche publik geworden war, stellt den Trainer, aber auch den ganzen Verein vor eine schwierige Situation. Mehrheitseigner Dietmar Hopp erwartet allerdings keine negativen Auswirkungen durch den bereits feststehenden Abschied. "Hier braucht niemand ein Alibi", sagte der 78-Jährige: "Wir reden von Profifußball auf höchstem Niveau. Wer glaubt, Julian könnte auch nur eine Sekunde seine Ziele aus den Augen verlieren, der kennt ihn schlecht."

Einen sofortigen Abschied aus Hoffenheim hatte Nagelsmann bereits ausgeschlossen. Es gab und gibt "zu keinem Zeitpunkt einen Gedanken an einen Wechsel noch in diesem Sommer", sagte er. "Selbst wenn die TSG einen anderen Trainer gewollt hätte", ergänzte der 30-Jährige in der ihm typischen Art, "wäre ich jetzt nicht gewechselt, sondern hätte mir eine Dauerkarte für die Rhein-Neckar-Arena gekauft und mir jedes Spiel unserer Jungs angesehen." Nagelsmann kann die TSG in einem Jahr dank einer Ausstiegsklausel verlassen. Die Ablöse soll bei fünf Millionen Euro liegen.

Dauer

Gratwanderung Champions League

Doch bis zu seinem Engagement in Leipzig, wo er einen Vierjahresvertrag angeblich ohne Ausstiegsklausel bis 2023 unterschrieben hat, wartet auf Nagelsmann in Hoffenheim noch eine spannende Aufgabe. Erstmals in der Vereinshistorie hat sich die TSG für die Champions League qualifiziert. Bei der Personalplanung für die lukrative Königsklasse sprach Nagelsmann bereits von einer "Gratwanderung".

Zwar gehe er nicht von einem frühen Scheitern aus, sagte er im Klubmagazin Spielfeld - falls doch, würden zu viele Spieler aber zu einem großen Problem werden. "Wenn man in der Vorrunde ausscheidet, hat man in der Rückserie nur noch ein Spiel pro Woche, aber fast 30 Spieler im Kader", sagte Nagelsmann: "Darunter leidet auch die Trainingsqualität. Und wenn man wie ich auf einen festen Stamm setzt, ist die Zahl unzufriedener Spieler natürlich noch höher."

STAND