Ermin Bicakcic (Foto: Imago, imago images / DeFodi)

Bundesliga | TSG Hoffenheim Hoffenheims Fan-Liebling "Eisen-Ermin" – hart aber herzlich

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Ermin Bicakcic ist knallhart - aber nur zu seinen Gegnern. Denn bei den Fans der TSG Hoffenheim ist der Verteidiger extrem beliebt - erst recht bei denen in Bosnien.

Ganz ehrlich, "Eisen-Ermin" ist ein wirklich toller Spitzname. Er packt den damit titulierten in eine praktische Schublade. Beschriftet mit: Verteidiger, knallhart. Beschriftung lesen, kurz reinschauen, Schublade wieder zu, fertig. Doch Ermin Bicakcic bestätigt die Kategorisierung: "Ich bin durchaus ein Typ, der hart spielt, aber fair. Ich habe den Leader-Instinkt in mir, so bin ich vom Naturell."

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Diese Schublade bietet eigentlich zu wenig Platz für Ermin Bicakcic aus Zvornik. Einer Stadt im äußersten Osten von Bosnien, an der Grenze zu Serbien. 29 Jahre alt ist der robuste Verteidiger, er verdient sein Geld mit Fußball, aber dieses Geschäft ist nicht alles für ihn. Er ist einer, der seine Meinung sagt, offen, ehrlich, geraderaus. "Aufgrund meiner Vorgeschichte hatte ich schon immer den Antrieb, mich durchzukämpfen. Das kannst du nicht lernen. Das ist in mir drin. Da hatte ich die beste Schule."

Bicakcic floh vor dem Bosnien-Krieg

Im Alter von zwei Jahren floh er mit seiner Mutter und seiner Schwester vor dem Bosnien-Krieg. Den Vater mussten sie damals an der Front zurücklassen. Über Österreich ging es in die Nähe von Heilbronn, nach Möckmühl. Die erschreckenden Eindrücke des Krieges und der Flucht haben sich eingeprägt und ihn auch für die Gegenwart sensibilisiert.

"Wenn man sieht, wie Menschen teilweise ablehnend auf Flüchtlinge reagieren. Da schaltet man den Fernseher aus, weil die Wut so groß wird."

Ermin Bicakcic

Bicakcic ist der Fan-Liebling

Mit seinen klaren Äußerungen, mit seiner Bodenständigkeit und zuletzt auch wegen seiner Art Fußball zu spielen, ist er zu einem der größten Lieblinge der Hoffenheimer Fans geworden. Die hatten schon Mal eine Plakataktion gestartet, um den Club zur Vertragsverlängerung zu drängen. Und das obwohl sein Vertrag bis 2020 läuft. Die Fan-Liebe hier ist allerdings nichts im Vergleich zu der in Bosnien. Dort ist Ermin Bicakcic ein Volksheld, seit er sich mit der Nationalmannschaft im Oktober 2013 zum ersten Mal für eine Fußball WM qualifizierte. Es gibt viel zu bereden mit "Eisen-Ermin", nicht nur über seinen Spitznamen.

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