Hoffenheims Ishak Belfodil jubelt über seinen Treffer zum 3:3-Ausgleich (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Fußball | Bundesliga Nagelsmanns Schachzug verhilft Hoffenheim zum Coup

In weniger als 15 Minuten einen Drei-Tore-Rückstand beim Tabellenführer aufgeholt. Die TSG 1899 Hoffenheim darf sich nach dem mitreißenden 3:3 bei Borussia Dortmund als moralischer Sieger fühlen.

Falls irgendjemand Zweifel hegte, dass der scheidende Trainer Julian Nagelsmann bei der TSG 1899 Hoffenheim seine Mannschaft noch voll im Griff hat: Mit der Aufholjagd zum 3:3 bei Borussia Dortmund hat sich der 31-Jährige mal wieder aus einem Dilemma gecoacht. "Das ist ein schöner Nebeneffekt, dass man sieht, dass da nichts zwischen uns steht. Von meiner Seite aus kann ich sagen, dass kein Blatt zwischen uns passt", erklärte Torhüter Oliver Baumann, nachdem die Kraichgauer auch im achten Auswärtsspiel in Folge in der Bundesliga ungeschlagen blieben und im Kampf um die Europacup-Plätze Auftrieb erhalten haben.

Natürlich sei es "etwas ungewöhnlich", dass Nagelsmann bereits vergangenen Sommer seinen Abgang nach dieser Saison zu RB Leipzig bekanntgegeben habe, so Baumann. Nur ein Sieg aus zuletzt neun Spielen und das ärgerliche 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf hatte an den Hoffenheimern genagt.

Ein Beweis für Nagelsmanns Klasse

Was ein Trainer in einer kniffligen Spielsituation noch bewirken kann, stellte Nagelsmann in Dortmund unter Beweis: Nach schwacher Vorstellung seines Teams stellte der Hoffenheimer Fußball-Lehrer zur Pause um und bewies mit den Einwechslungen von Doppeltorschütze Ishak Belfodil und Dennis Geiger ein glückliches Händchen.

Über seinen Schachzug verlor Nagelsmann nicht viele Worte, war sich der Tragweite aber durchaus bewusst. "Das kann in der Mannschaft etwas freisetzen. Aber es geht im Sport immer auch darum, das nächste Woche wieder zu bestätigen", sagte er.

Grillitsch: "Nie den Glauben verlieren"

Berauscht vom starken Finish seiner Mannschaft gab Mittelfeldspieler Florian Grillitsch die Devise für die kommenden Wochen aus: "Daran sieht man, dass man nie aufhören sollte zu glauben. Ich hoffe, dass wir jetzt gegen Hannover nachlegen. Die drei Punkte wären wichtig."

Nagelsmanns Bekenntnis zu Hoffenheim

Zumal nach dem Heimspiel gegen den Abstiegskandidaten dann am 25. Februar das brisante Auswärtsspiel in Leipzig ansteht. Auf die Frage, ob er denn seinen künftige Klub lieber in der Königsklasse sehe, sagte Nagelsmann dem TV-Sender Sky: "Ich bin Angestellter von Hoffenheim und wünsche mir deshalb, dass Hoffenheim in die Champions League kommt. Aktuell ist das aber kein Thema." Jetzt wolle man erst einmal Anschluss an den Europapokal halten - "das ist derzeit die Europa League".

Der 0:2-Rückstand zur Halbzeit hatte Nagelsmann zu einer klaren Ansprache veranlasst. "Es war ziemlich ruhig in der Kabine, aber es sind schon ein paar klare Worte gefallen", verriet Baumann. Bis dato hatte sich die Dominanz des Spitzenreiters nicht nur durch die Tore von Jadon Sancho (32. Minute) und Mario Götze (43.) ausgedrückt. Nagelsmann war klar, dass ohne Veränderungen ein Debakel drohte. So brachte er in Belfodil und Geiger, der ebenfalls für viel Schwung sorgte und den späten Ausgleich vorbereitete, zwei frische Offensivkräfte und blies zur Attacke.

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"Plötzlich den Schalter umgelegt"

"Plötzlich haben wir den Schalter umgelegt und uns echt ein paar gute Möglichkeiten erspielt. Da lief es - komisch", befand Baumann.

Selbst der neuerliche Nackenschlag durch das 0:3 von Raphael Guerreiro (67.) mitten in der eigenen Drangphase warf die Kraichgauer nicht um. "Da hatten wir nichts mehr zu verlieren", sagte Pavel Kaderabek. Mit dem zweiten Bundesliga-Doppelpack des Algeriers Belfodil (75./87.) und Kaderabeks Treffer (83.) belohnte sich die Elf für ihren Mut mit einem Punkt. "Die Wechsel haben uns gutgetan", sagte Nagelsmann stolz, viel wichtiger aber war ihm: "Wir hatten heute den Lerneffekt, dass Mentalität alles schlagen kann."

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