Mit seiner Defensiv-Taktik hat TSG-Hoffenheim-Trainer Alfred Schreuder seinen alten Freund Peter Bosz ausgetrickst und Bayer Leverkusen einen Punkt abgetrotzt (Foto: Imago, imago images / Jan Huebner)

Fußball | Bundesliga Hoffenheim freut sich über Schreuders Taktik-Kniff

Miese Statistiken, Unmut beim hoch überlegenen Gegner, kein Tor - den einen Punkt aber nahm die TSG 1899 Hoffenheim dankend an. Denn Alfred Schreuders Taktik war ein voller Erfolg.

19 mal probiert, 19 mal ist nix passiert - zum Glück für die TSG 1899 Hoffenheim. Bayer Leverkusen schlug im Bundesliga-Duell der beiden niederländischen Trainer Ecke um Ecke in den Hoffenheimer Strafraum. Doch am Ende lachten sich die Kraichgauer ins Fäustchen. Das Team des neuen Trainers Alfred Schreuder sah nach dem 0:0 am Samstag in der Fußball-Bundesliga bei Bayer Leverkusen keinen Grund, sich für den Teilerfolg rechtfertigen zu müssen. "Wir brauchen kein Spektakel", meinte Kapitän Kevin Vogt kühl. "Wir wussten, dass Leverkusen eine hohe Qualität hat. Besonders, was das Pressing angeht. Wir sind heute deshalb von unserem dominanten Spiel abgewichen. Das war geplant."

Schreuder hat seinen Kumpel entschlüsselt

Wohl wie kein Zweiter in der Liga weiß Schreuder eben, wie Bosz tickt. Die beiden Trainer sind nur 30 Kilometer voneinander entfernt aufgewachsenen. Sie spielten einst zwei Jahre bei Feyenoord Rotterdam und eine Saison bei NAC Breda zusammen. In Breda bildeten sie sogar eine Fahrgemeinschaft. Später war Bosz Technischer Direktor bei Feyenoord mit dem Spieler Schreuder. "Wir hatten einen einfachen Plan. Aber die Jungs haben ihn super umgesetzt", sagte Schreuder.

Die Leverkusener mit den ehemaligen Hoffenheimern Kerem Demirbay, Kevin Volland und Nadiem Amiri ärgerten sich mächtig über den vergebenen Sieg. 19 Ecken spielte das Team von Chefcoach Bosz heraus, die TSG keine einzige. "Es war das für mich beste Spiel der Saison", meinte Bosz etwas trotzig. Auch die anderen Zahlen sprachen eine klare Sprache: Der Champions-League-Teilnehmer hatte fast 70 Prozent Ballbesitz, konnte auf 553 angekommene Pässe verweisen (Hoffenheim nur 133), auf 19 Flanken aus dem Spiel (Hoffenheim nur drei) - und vor allem auf ein sagenhaftes Eckenverhältnis von 19:0.

Demirbay biss sich an Hoffenheim die Zähne aus

"Entweder waren sie extrem schlecht reingeschlagen oder wir haben keinen Abnehmer gefunden. Das habe ich in der Art noch nicht erlebt", sagte Demirbay, der bis zu seiner Auswechslung in der 63. Minute alle Ecken geschlagen hatte, dem TV-Sender Sky. "Nach dem Interview gehe ich in die Kabine. Mit dem ein oder anderen habe ich noch ein paar Takte zu sprechen." Schreuder meinte ironisch: "19 Standards zu verteidigen, reicht für diese Woche. Im Training müssen wir keine mehr üben."

Rudi Völler war auf die TSG gar nicht gut zu sprechen. "Früher haben die hier auch mitgespielt. Das war fast Angst vor uns", kritisierte der Sportchef. Der oft emotionale Ex-Weltmeister hätte sich sicherlich noch mehr über die Hoffenheimer aufgeregt, wenn Ishak Belfodil aus zwei klaren Chancen wenigstens ein Tor gemacht hätte. Doch einmal passte der Algerier auf den nicht durchgelaufenen Ihlas Bebou (29. Minute), und einmal scheiterte er an Torwart Lukas Hradecky (47.).

Grillitsch trauert den vergeben Chancen hinterher

So empfand Mittelfeldspieler Florian Grillitsch "ein bisschen Wehmut, denn wir hatten schon ein, zwei Chancen, wo wir Tore hätten machen können". Leverkusen habe das Spiel dominiert, mehr Ballbesitz gehabt. "Aber, wenn wir das 1:0 machen, dann gewinnen wir auch", behauptete er.

Für Belfodil kam später Jürgen Locadia zu seinem Bundesliga-Debüt. Der 25 Jahre alte Niederländer war erst vergangene Woche vom englischen Club Brighton & Hove Albion ausgeliehen worden, er konnte sich aber auch nicht mehr entscheidend in Szene setzen.

Jürgen Locadia konnte in Leverkusen noch nicht andeuten, dass er die erhoffte Verstärkung für die TSG Hoffenheim ist (Foto: Imago, imago images / Jan Huebner)
Jürgen Locadia konnte in Leverkusen noch nicht andeuten, dass er die erhoffte Verstärkung für die TSG Hoffenheim ist Imago imago images / Jan Huebner
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