Max Schmitten (Foto: SWR)

Bundesliga | 1899 Hoffenheim Traum Fußballprofi - Gastfamilien bei der TSG Hoffenheim

Max Schmitten ist 16 und will Fußball-Profi werden. Der B-Juniorenspieler der TSG Hoffenheim investiert viel. Er lebt 240 Kilometer von seinen Eltern entfernt bei einer Gastfamilie.

Er ist nur Gast, und trotzdem fressen sie ihm aus der Hand. Max Schmitten ist U17-Fußballer bei der TSG Hoffenheim. Seit Sommer 2018 wohnt er in Sinsheim bei einer Gastfamilie – und bei Ziegen, Hasen, Hühnern, Katze und Hund. Mehr Nestwärme geht nicht, doch die Eingewöhnung brauchte Zeit. "Am Anfang war es schwer", gibt der junge Mann zu. "Ich bin in ein ungewohntes Umfeld gekommen. Alles war neu: Schule, Freunde, Verein. Mit der Zeit habe ich mich aber daran gewöhnt." Vor allem, weil seine Gastfamilie ihm sehr geholfen hat.

Die Chemie muss stimmen

Max ist schon der zweite Jungprofi, der bei Familie Stricker wohnt. Die eigene Familie loslassen, eine neue zulassen. Für beide Seiten steht dabei eines über allem. "Das Wichtigste ist, dass die Chemie stimmt", sagt Gastmutter Silke Stricker. "Wenn ich merke, dass sich der Fußballer wohl fühlt, dann fühle ich mich auch freier. Wenn es Spannungen gäbe, wäre es nicht so gut." Max habe sich sehr schnell eingelebt, erzählt sie. "Es ist, als wenn er schon ein Jahr bei uns wäre."

Dauer

Ein Verhaltenskatalog des Vereins hilft der Familie, dem Jungspund gewisse Regeln aufzuzeigen. Schabernack ist beim getakteten Alltag sowieso kaum möglich: Sportschule bis mittags, danach und abends Training, am Wochenende Spiel – permanenter Leistungsdruck. Max' Vorsatz: Schule und Fußball trennen – und dabei alles geben. "Ich möchte das alles für mich und für meine Umgebung so umsetzen, dass ich mich nicht selbst so unter Druck setze", erzählt der 16-Jährige Abwehrspieler, der für sein Alter erstaunlich reif wirkt.

Wie ein Ersatzsohn

Im Talente-Pool auf dem Weg in die Bundesliga. Wie so manche in Hoffenheim vor ihm, die entweder im Internat oder bei Gastfamilien wohnten: Niklas Süle, Nadiem Amiri, Philipp Ochs, Marco Terrazzino, Jeremy Toljan oder Dennis Geiger. Für den Verein ist bei der Auswahl wichtig, dass die Gasteltern selbst Kinder haben - und vor allem Zeit für den Fußballer. "Sie sollen den Fußballer wie eine Art Ersatzsohn sehen", sagt Sina Schiele, pädagogische Mitarbeiterin im Klub.

Für den Aufwand wie Waschen, Kochen und Betreuung bekommen die Gasteltern vom Verein einen monatlichen Beitrag. Der Aufwand bei Max hält sich in Grenzen. Für Moritz Stricker, den Sohn seiner Gastfamilie, ist der Neuzugang der Familie ein echter Volltreffer. "Max ist wie ein Bruder für mich. 'Es macht sehr viel Spaß mit ihm. Er kann gern noch länger bleiben."

Wertvolle Lebenserfahrung

Bald wird entschieden, ob Max' Vertrag bei der TSG verlängert wird und er weiter bei den Strickers wohnen kann. Eins weiß der 16-Jährige aber schon jetzt. "Ich habe jetzt mein Leben quasi ein Jahr lang allein organisiert, auch das Finanzielle", erzählt Max. "Auf jeden Fall werde ich viel Lebenserfahrung mitnehmen."

Max Schmitten ist weit weg von zuhause. 240 Kilometer sind es bis in seine rheinland-pfälzische Heimat Ardenau. Doch er fühlt sich als Gast in fremder Behausung tierisch wohl.

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