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Wolfgang Erfurt ist Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e.V.. Durch die Insolvenz der Kapitalgesellschaft steht auch der Verein vor großen finanziellen Herausforderungen.

Wolfgang Erfurt ist schwierige Fälle gewohnt. Bis 2015 war er Präsident des Polizeipräsidiums Westpfalz und seitdem im Ruhestand. Eigentlich. Doch seit Ende vergangenen Jahres gehört Erfurt zum Vorstand des FCK e.V. und steht diesem sogar als Vorsitzender vor. Als die Roten Teufel im Juni den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellten, begann für Wolfgang Erfurt die eigentliche Arbeit.

"Seit diesem 15. Juni schwebt auch über dem e.V. eine dunkle Wolke mit dem Namen Insolvenz."

Wolfgang Erfurt, Vorstandsvorsitzender 1. FC Kaiserslautern e.V.

FCK-Insolvenz in Eigenverwaltung bedroht auch den Verein

Zunächst hatten viele FCK-Fans noch die Hoffnung, dass die Insolvenz der FCK GmbH & Co KGaA den Verein nicht betreffen werde. Doch diese Hoffnung wurde schnell zerschlagen. "Seit diesem 15. Juni schwebt auch über dem e.V. eine dunkle Wolke mit dem Namen Insolvenz. Das kommt daher, weil bei der Insolvenz aus Geschäftspartnern Gläubiger wurden, die ihre Forderungen jetzt im Insolvenzverfahren einbringen. Eine Reihe dieser Gläubiger sind auch Gläubiger des Vereins", erklärt Wolfgang Erfurt.

Das liegt daran, dass einige der Forderungen an den FCK noch aus der Zeit vor der Ausgliederung stammen. Somit kommt nach Angaben von Erfurt die sogenannte Durchgriffshaftung zum tragen und die Gläubiger - darunter auch der Hauptgläubiger Quattrex, können mit ihren Forderungen an den Verein herantreten.

Zwischen ihnen und dem Vorstand des Vereins habe es aber bereits konstruktive Gespräche gegeben, so Erfurt: "Wir haben jetzt Zahlungspläne mit den Hauptgläubigern gemacht, für den Fall, dass auch die Insolvenz so ausgeht, wie sich diese Leute das vorstellen. Da müssen wir jetzt bis Ende Oktober warten und hoffen, dass das alles planmäßig in dem Insolvenzverfahren abläuft. Wenn das der Fall ist, werden auch unsere Zahlungspläne greifen und damit sind wir diese Durchgriffshaftung los".

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Verein ist auf Mitgliedsbeiträge angewiesen

Finanziell ist der Verein allerdings alles andere als auf Rosen gebettet. Haupteinnahmequelle sind die Beiträge der Mitglieder. Deshalb sehen die Zahlungspläne vor, dass der Verein die aufgelaufenen Schulden in Raten abstottert. Das dürfte einige Jahre dauern.

Verein kann FCK-Aktien zurzeit nicht zu Geld machen

Zwar hält der Verein auch noch 75 Prozent der Aktien der Kapitalgesellschaft. Diese sind laut Erfurt allerdings in der jetzigen Situation kaum etwas wert. Man hoffe darauf, dass einer der Investoren dem Verein einige der Aktien abkaufe, sobald die Insolvenz abgeschlossen sei.

Zeichner sollen Zinsen der Betze-Anleihe 2 stunden

Bis dahin muss der Verein zu allen Mitteln greifen, um irgendwie zu Geld zu kommen oder sich finanziell Luft zu verschaffen. Deshalb bittet Wolfgang Erfurt die Zeichner der Betze-Anleihe 2 ausdrücklich darum, einer Zinsstundung zuzustimmen. Eigentlich muss der Verein den Zeichnern jährlich insgesamt etwa 120.000 Euro an Zinsen auszahlen. Diese Zahlung soll nun bis 2022 ausgesetzt werden - eine breite Zustimmung der Anleihen-Zeichner vorausgesetzt.

"Insgesamt sprechen wir von einer Summe von etwa 1,9 Millionen Euro. Im schlechtesten Fall für den e.V. wäre dieses Geld für die Zeichner verloren oder in der Insolvenzmasse drin - ein weiterer Grund, darum zu kämpfen, dass das nicht passiert. Deshalb bittet der e.V. um eine Zinsstundung für die nächsten zwei Jahre", erklärt Wolfgang Erfurt.

FCK-Vereinsvorstand haftet persönlich "mit Haus und Hof"

Ein großes Problem ist nach Angaben von Wolfgang Erfurt das Thema Haftung. Eigentlich waren die Haupt- und Ehrenamtlichen des FCK dagegen versichert. Doch die Versicherung kündigte den Vertrag im Juli, was für die Vereinsvorstände fatale Folgen haben könnte: "Es ist Fakt und Tatsache, dass die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen ohne Netz und doppelten Boden arbeiten. Wir haften letztendlich mit unserem persönlichen Vermögen, mit Haus und Hof," erzählt Erfurt. Aus diesem Grund treffe der Vorstand keine Entscheidung mehr, ohne sich juristisch beraten zu lassen.

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