Ein Leader auf dem Platz: René Klingenburg vom 1.FC Kaiserslautern. (Foto: IMAGO, Imago/ Jan Huebner)

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FCK-Haudegen Klingenburg: "Du darfst einfach keine Stinkstiefel haben!"

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Die Bezeichnung "aggressive leader" passt bei René Klingenburg wie die Faust aufs Auge. Im SWR Sport Podcast verrät uns "Klinge", dass er sich eine Zukunft beim 1. FC Kaiserslautern sehr gut vorstellen kann.

Natürlich geht es direkt zu Beginn des Podcasts um die aktuelle Tabelle der 3. Liga. Der Blick dorthin war schon lange nicht mehr so angenehm wie nach dem souveränen 4:0-Erfolg gegen den SV Meppen: Aufstiegsplatz zwei hinter Tabellenführer Magdeburg. Doch René Klingenburg relativiert: "Das ist eine schöne Momentaufnahme, und es war ein hartes Stück Arbeit. Aber wir wissen auch, da liegt noch einiges vor uns."

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Stimmt, denn noch sind in einer langen Saison von 38 erst 21 Spieltage vorbei, dazu ist Eintracht Braunschweig als punktgleicher Tabellendritter noch mit einer Partie im Rückstand.

Der Schlüssel zum Erfolg - die stabile Abwehr?

Dennoch kann sich die Bilanz der Roten Teufel sehen lassen. Vor allem die in der Defensive. Erst 13 Gegentore, zwölf Mal kassierte das Team keinen Gegentreffer. "Wenn hinten die Null steht, dann ist das der Schlüssel zum Erfolg", kennt "Klinge" eines der Erfolgsrezepte im Fußball. Wenn es dann auch noch in der Offensive wie zuletzt gegen Meppen funktioniert, dann kann in dieser Saison noch einiges passieren.

Doch bevor die Roten Teufel gegen Meppen so erfolgreich aus der Winterpause starteten, gab es für René Klingenburg auch einen gesundheitlichen Rückschlag. Er und seine gesamte Familie samt Frau und beider Kinder lagen flach. Klingenburg hat seine Erkrankung "länger als erwartet" außer Gefecht gesetzt.

René Klingenburg - Extraschichten für den Erfolg

So stand er gegen Meppen auch erstmal nur für 20 Minuten auf dem Platz. Von der Bank zu kommen - und das auch noch bei winterlichen Temperaturen - war für Klingenburg ungewohnt unangenehm: "Es war natürlich extrem kalt auf der Bank. Wenn du dann reinkommst, hast du erstmal Kniefrost, da kannst du dich noch so gut warm machen!"

Um für das kommende Spiel gegen Viktoria Berlin wieder voll im Saft zu stehen, hat "Klinge" auch an den freien Tagen Extraschichten eingelegt: "Ob es für 90 Minuten reicht, muss der Trainer entscheiden. Ich habe ihm gesagt, wenn er mich braucht, bin ich da."

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Klingenburg, der Allrounder beim FCK

Und auf welcher Position Klingenburg auf dem Feld gebraucht wird, variiert immer mal wieder. Er selbst sagt, dass er sich auf der Zehn oder im Sturm am wohlsten fühlt. Doch letztlich spielt er überall da, wo ihn sein Trainer braucht: "Ich bin in die Rolle als Allrounder so ein bisschen reingewachsen. Wenn ich meiner Mannschaft damit helfen kann, mache ich das gerne."

"Wenn du mal nicht spielst, musst du trotzdem deine Mannschaftskollegen unterstützen."

Der Teamgeist beim FCK ist groß

Auffällig ist aktuell die viel zitierte gute Stimmung bei den Roten Teufeln. Man sieht dem Team auf und neben dem Platz an, dass es Spaß an der Arbeit hat. Dass alle an einem Strang ziehen, auch die, die nicht zur ersten Elf gehören, ist für "Klinge" der entscheidende Faktor: "Du darfst einfach keine Stinkstiefel haben. Wenn du mal nicht spielst, musst du trotzdem deine Mannschaftskollegen unterstützen. Wenn du zum Beispiel aus einer Verletzung kommst, eigentlich Stammspieler warst und es läuft gerade im Team, musst du dich damit abfinden, dass der eine oder andere vielleicht Vorrang hat. Aber wenn du gebraucht wirst, bist du da. Das ist eben ein Mannschaftssport und kein Einzelsport."

Wandervogel Klingenburg will beim FCK heimisch werden

Wenn man sich die Laufbahn von René Klingenburg anschaut, ist auffällig, dass er selten länger als ein Jahr bei einem Verein bleibt. Er selbst erklärt das unter anderem mit den jeweils besonderen Umständen. Die Station bei Preußen Münster hat "Klinge" nach eigener Aussage als Sprungbrett gesehen. Es folgte der Wechsel zu Dynamo Dresden in die 2. Liga. Dort habe er einen Vertrag über drei Jahre gehabt, der allerdings nach dem Abstieg der Dresdner in die 3. Liga nicht mehr gültig war. Dynamo entschied sich für einen kompletten Umbruch und Neuanfang: "Das muss man als Fußballer dann auch akzeptieren."

Klingenburg und Antwerpen beim FCK - das passt

Es folgte der erneute Wechsel zu Viktoria Köln, bevor der Ruf aus Kaiserslautern von Trainer Marco Antwerpen kam, mit dem er bereits in Köln zusammen gearbeitet hatte. Jetzt will Klingenburg alles daran setzen, dass das Engagement in Kaiserslautern länger als ein Jahr dauert. "Ich und meine Familie fühlen uns sehr, sehr wohl hier."

Erfolgreichste Zeit auf Schalke

Seine erfolgreichste Zeit erlebte René Klingenburg in der Jugend von Schalke 04. Mit den Knappen wurde der gebürtige Oberhausener 2012 Deutscher A-Jugend-Meister, gemeinsam mit Spielern wie Sead Kolasinac oder Max Meyer. Doch anders als bei vielen seiner damaligen Mannschaftskollegen, ging es für Klingenburg die Karriereleiter erstmal nicht steil hinauf. Trotz Profivertrag auf Schalke ließ der Durchbruch auf sich warten. Heute blickt Klingenburg sehr selbstkritisch auf diese Zeit zurück.

Deutscher A- Jugend Meister 2012 mit dem FC Schalke 04: Der Kaiserslauterer René Klingenburg. (Foto: IMAGO, Imago/ Wienold)
Deutscher A- Jugend Meister 2012 mit dem FC Schalke 04: Der Kaiserslauterer René Klingenburg. Imago/ Wienold

Selbstkritische "Skandalnudel" Klingenburg

"Ich war nur auf dem Papier Profi, hatte den Fokus aus den Augen verloren. Der Ehrgeiz war auf einmal weg, danach ging es steil bergab, auch mit Suspendierungen. Ich war eine kleine Skandalnudel und hab mir ins eigene Knie geschossen. Ich habe weder auf meine Eltern noch auf meinen Berater gehört. Da habe ich sehr viele naive Sachen gemacht und mich wie ein kleiner Rotzbengel benommen."

Erst down, dann Down Under - Auszeit in Australien

Diese Phase dauerte länger an. Nach seiner ersten Zeit bei Viktoria Köln nahm sich Klingenburg eine Auszeit. Er ging für drei Monate nach Australien, um den Kopf frei zu bekommen: "Ich habe irgendwann erkannt, dass es so nicht weitergehen darf und habe die Notbremse gezogen." In Sydney kommt er zur Ruhe, denkt viel über sein Leben nach und kehrt gestärkt nach Deutschland zurück.

"Ich werde einen Teufel tun und auf irgendwelche Leute hören, die sagen, das ist ein Typ, dem ich nicht gerne zuhöre. Die, die mich hassen, hassen mich sowieso. Ich bin authentisch und versuche, nichts zu spielen."

Auch wenn er fortan viel disziplinierter an seinen Job als Fußballprofi herangeht - sich selbst ist er treu geblieben, und er scheut sich auch heute nicht davor anzuecken: "Da wird mir keiner reinreden, und da habe ich mir auch nie reinreden lassen. Ich bin wie ich bin. Ich werde einen Teufel tun und auf irgendwelche Leute hören, die sagen, das ist ein Typ, dem ich nicht gerne zuhöre. Die, die mich hassen, hassen mich sowieso. Ich bin authentisch und versuche, nichts zu spielen. Es sollte sich niemand verbiegen lassen."

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