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Dem ersten Sieg des 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2021 droht ein Nachspiel. Knapp 300 Anhänger feierten die Mannschaft bei der Ankunft in Kaiserslautern - einige zündeten Pyro und missachteten Corona-Regeln. Mittendrin: FCK-Kapitän Jean Zimmer. Und so ergab sich auf vielen Ebenen ein unwürdiges Bild, findet SWR-Sportredakteur Holger Kühner.

Der 1. FC Kaiserslautern hat ein Fußballspiel gewonnen - nach langer Zeit mal wieder. Zum ersten Mal überhaupt in diesem Jahr, im Abstiegskampf und dann noch beim Erzrivalen Waldhof Mannheim. Dass da die Emotionen nicht nur hoch-, sondern auch überkochen, ist nachvollziehbar. Da schoss der Pfropfen mit Überdruck aus dem Kessel. Das Abstiegsgespenst ist damit noch nicht vertrieben, aber dass Spieler und Fans mal Dampf ablassen - akzeptiert. Dass Fans vor lauter Freude die Zufahrtsstraße zum Fritz-Walter-Stadion blockieren - ein vergleichsweise harmloser Aspekt.

Die Polizei überprüft den Straftatbestand "Körperverletzung durch Zünden von Pyrotechnik"

Das war’s dann aber auch schon. Die Polizei überprüft, ob der Straftatbestand "Körperverletzung durch Zünden von Pyrotechnik" vorliegt. An Silvester war Feuerwerk in vielen Innenstädten verboten, Politik und Polizei appellierten an die Vernunft der Menschen, große Versammlungen zu verhindern. Nach dem Sieg im Südwestduell war Silvester in Lautern, ein Feuerwerk, als würde nach dem Sieg in einem Fußballspiel eine neue Zeitrechnung beginnen. Damit nicht genug. Die Ordnungsbehörden müssen ermitteln, weil Regelungen der Corona-Bekämpfungsordnung nicht eingehalten wurden, einzelne Anhänger keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen und die Abstandsregeln nicht einhielten. Die Polizei wird Amts- und Vollzugshilfe leisten. Soweit klingt das sogar noch fast harmlos.

FCK veröffentlicht Video - unkommentiert

Fragwürdig und blamabel wird es, wenn man sieht, dass der 1. FC Kaiserslautern selbst auf Twitter ein Video postet, gefilmt aus dem Mannschaftsbus und das völlig unkommentiert. Auch dieses Video kennt die Polizei und wird es auswerten.

Kaiserslautern

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Beim FCK herrscht gerade ein Machtkampf um Führungspositionen. Ich frage mich, wo dieses Führungspersonal am Samstagabend war. Schon im Interview nach dem Spiel bei Waldhof Mannheim hatte sich der neue Kapitän Jean Zimmer darauf gefreut, dass bei der Ankunft in Kaiserslautern "ein, zwei Leute warten". Spätestens da hätte man den jungen Mann darauf hinweisen können, dass wir noch mitten in der Corona-Krise stecken. Das kriegt wohl manch ein Spieler nicht mit, denn ausgestattet mit dem Privileg, trotz Lockdown seinem Beruf nachgehen zu können, leben Fußballspieler in einer Blase.

Wo ist das Führungspersonal des FCK?

Schlimm genug, dass sich Zimmer bei der Ankunft aus dem offenen Bus herauslehnte und mit unmaskierten Anhängern einen Fangesang anstimmte. Ansteckungsgefahr: 100 Prozent. Schlimm genug, dass ein Sportler frauenfeindliche Schmähgesänge singen kann, ohne dass es eine Reaktion des Vereins gibt. Dabei höre ich immer wieder, das würde im Fußball doch dazugehören. Ist das so? Falls es im Gebrüll unterging, hier ein Textausschnitt: "Wir lieben dicke Titten und gehen dreimal täglich in den Puff." Wenn das zu den Emotionen gehört, wenn ein Fußballspieler dafür den Vorbrüller geben darf, dann bin ich gerne die Spaßbremse.

Der FCK und sein neuer Trainer Marco Antwerpen sollten sich fragen, ob Zimmer den Anforderungen gewachsen ist, die das Kapitänsamt mit sich bringt. Da wurde nicht nur der Mindest-Abstand missachtet, sondern es fehlte vor allem an Mindest-Anstand.

Mannheim

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