Jubel der besonderen Art: Kenny Prince Redondo freut sich über das Tor zum 3:2 gegen Darmstadt 98 (Endstand 3:3) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | 2. Bundesliga

Kenny Prince Redondo: Plötzlich der effektivste FCK-Profi

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Johann Schicklinski

Kenny Prince Redondo spielt beim 1. FC Kaiserslautern bislang eine starke Saison. Dabei flog der 28-Jährige bei den Roten Teufeln lange unter dem Radar.

Es war die 87. Minute im Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Darmstadt 98. Die Roten Teufel hatten kurz vorher aus einem 0:2-Rückstand ein 2:2 gemacht und wurden von ihren fast 40.000 enthusiastischen Fans nach vorne gepeitscht. Ein erneuter Konter, Terrence Boyd schickte Marlon Ritter steil - und dessen scharfe Flanke verwandelte Kenny Prince Redondo per Flugkopfball zum 3:2 für die Pfälzer. Ein Bilderbuchtor! Der Kaiserslauterer Betzenberg brodelte.

Kenny Prince Redondo wird nach seinem zweiten Treffer gegen Darmstadt 98 von seinen Teamkollegen gefeiert (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Kenny Prince Redondo wird nach seinem zweiten Treffer gegen Darmstadt 98 von seinen Teamkollegen gefeiert Picture Alliance

Dass die Gäste aus Hessen wenig später noch zum 3:3 ausglichen, tat der guten Stimmung im Fritz-Walter-Stadion keinen Abbruch. Der FCK hatte gegen ein Topteam der Liga erneut gezeigt, als Aufsteiger absolut konkurrenzfähig zu sein. Die Roten Teufel können mithalten, egal, gegen wen es geht. Und vor allem einer zeigt, dass er das neue, höhere Niveau schnell adaptiert hat: Doppel-Torschütze Redondo.

Starke Bilanz von Kenny Prince Redondo

Der 28-Jährige hatte die Aufholjagd seiner Mannschaft mit dem 1:2 in der 74. Minute eingeläutet, ebenfalls sehenswert per Kopf.

Kenny Prince Redondo (li.) versenkt gegen Darmstadt 98 einen Kopfball im langen Eck zum 1:2 Anschlusstreffer. Lilienkeeper Marcel Schuhen ist machtlos. (Foto: IMAGO, Thomas Frey)
Kenny Prince Redondo (li.) versenkt gegen Darmstadt 98 einen Kopfball im langen Eck zum 1:2 Anschlusstreffer. Lilienkeeper Marcel Schuhen ist machtlos. Thomas Frey

Es läuft für Redondo in dieser Saison. Nicht die vermeintlich großen Namen wie Boyd oder Mike Wunderlich liegen beim FCK in der Scorer-Wertung vorne, sondern der Deutsch-Spanier. Vier Tore und zwei Vorlagen nach acht Spielen, damit liegt er in der 2. Liga auf Rang fünf.

Wechselhafte Karriere

Eine Leistungssteigerung, die so nicht zu erwarten war. Als Redondo im Oktober 2020 von der SpVgg Greuther Fürth zum FCK wechselte, war das für ihn erst einmal ein Abstieg. Er war in der 2. Liga vorerst gescheitert und zurück in der 3. Liga, die er als großes Talent im Sommer 2015, damals spielte der Angreifer bei der SpVgg Unterhaching, in Richtung Union Berlin verlassen hatte. Der gebürtige Münchner wollte sich damals über die Köpenicker für mehr empfehlen, hatte große Ziele für seine Karriere.

Die Realität war allerdings eine andere, den ganz großen Durchbruch bei den Eisernen schaffte Redondo nicht. Bis zur Winterpause der Saison 2018/2019 kam er in 68 Pflichtspielen auf sechs Treffer. Deshalb schloss er sich damals Zweitliga-Konkurrent Fürth an, doch bei den Franken konnte er sein Potenzial nie abrufen. 31 Pflichtspiele mit einem Tor und zwei Assists, für einen Offensivspieler eine schlechte Bilanz.

Der Ausweg hieß dann Kaiserslautern. Erst spät in der Saison gekommen zeigte Redondo in seiner ersten Spielzeit, dass er in der 3. Liga zu den absoluten Topspielern gehören kann. 31 Einsätze mit fünf Treffern und fünf Vorlagen zeugen aber auch davon, dass er seine stärksten Leistungen nicht regelmäßig abgerufen hatte, sondern nur punktuell. In seinem zweiten Jahr beim FCK, der Aufstiegssaison, wurden seine Darbietungen eher durchwachsener. 35 Spiele, nur zwei Tore, dazu fünf Assists. Im Mittelpunkt standen andere Spieler.

FCK verlängert Vertrag von Redondo

Trotzdem verlängerte der FCK Ende Mai den Vertrag von Redondo. Ein Vertrauensbeweis von Seiten des Klubs, in den Sozialen Medien begleitet mit den blumigen Worten: "Im Märchen kommt der Prinz auf dem Pferd angaloppiert, bei uns kommt er mit viel Tempo über die Außenbahn. Und das künftig auch in der Zweiten Liga. Kenny Prince Redondo bleibt ein Roter Teufel!"

Ein Faktor dafür war wohl seine Polyvalenz. Redondo kann als offensiver Flügelspieler auf beiden Seiten agieren, seine Lieblingsposition ist die linke Außenbahn, oder auch eine Alternative im Sturmzentrum sein. Aufgrund seiner Schnelligkeit und seines starken linken Fußes ist er aber prädestiniert für die Rolle als Flügelflitzer.

Nach der Rückkehr in die 2. Liga schien die Frage trotz der Ausweitung des Kontrakts allerdings zu lauten, ob es für Redondo in der Pfalz-Metropole zu mehr als einem Platz als Kaderspieler reichen würde. Daniel Hanslik, Jean Zimmer oder Philipp Hercher können ebenfalls die offensive Außenbahn beackern, dazu kommt bald auch noch Neuzugang Aaron Opoku. Im FCK-Sturm ist Platzhirsch Terrence Boyd gesetzt, Hanslik immer eine Alternative, dazu kam mit Lex Tyger Lobinger ein Herausforderer, der sich in der Vorbereitung in der Vordergrund gespielt hatte.

Effektivität als große Stärke

Doch Redondo mischt weiter munter mit - und zeigt, was er kann. Unumstrittener Stammspieler ist er nicht, er stand in den bisherigen acht Ligaspielen nur zweimal in der Startelf von FCK-Trainer Dirk Schuster und insgesamt nur 339 Minuten auf dem Platz. Doch er ist effektiv, trifft alle 85 Minuten Spielzeit. Eine starke Quote die beweist: Redondo funktioniert, auch als Joker.

Redondo: "Von der Bank kommen und alles reinwerfen"

Er ist aktuell zufrieden mit seiner Rolle. "Man sieht, dass wir als Mannschaft zusammenhalten. Und dass die Spieler, die von der Bank kommen, alles reinwerfen", sagte er im Gespräch mit SWR Sport. "Schön, dass wir so gut gestartet sind."

Jetzt muss der nächste Schritt folgen

Ein Start, an dem er großen Anteil hatte. Der nächste Schritt für ihn muss sein, dauerhaft in der Anfangsformation zu stehen, Stammspieler zu werden, sich unentbehrlich zu machen. Um vielleicht doch noch seinen Traum von mehr, sprich der Bundesliga, zu erleben, auch im höheren Fußballalter.

Und wer weiß, wenn Redondo weiter so auftrumpft, wenn seine Kollegen weiter solch eine Kampfkraft und Resilienz aufweisen, wenn die regelmäßig fast 40.000 Zuschauer auf dem Betzenberg weiter für Euphorie sorgen - warum dann nicht irgendwann mit dem FCK?

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Johann Schicklinski

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