Jean Zimmer streckt den rechten Arm in die Luft und ballt seine Faust (Foto: IMAGO,  Claus Bergmann)

Fußball | 2. Bundesliga

FCK-Kapitän Jean Zimmer: "Glücklich, dass ich meinen Darm noch habe und damit Leistungssport treiben kann!"

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Sebastian Zobel
Bild von Sebastian Zobel, Redakteur im SWR Studio Kaiserslautern (Foto: SWR)

Kapitän Jean Zimmer gehört beim 1. FC Kaiserslautern zur Stammelf und ist absoluter Führungsspieler. Dabei hätte eine chronische Darmkrankheit beinahe seine Karriere beendet, wie er im SWR-Sport-Podcast "Nur der FCK" berichtet.

Bei Jean Zimmer läuft es, beruflich und privat. Mit dem FCK hat er als Kapitän und Stammspieler einen guten Zweitligastart mit elf Punkten aus sechs Spielen hingelegt. Privat erwarten er und seine Frau Sarah bald ihr zweites Kind. Dass sie ihm zuhause den Rücken freihält, rechnet der gebürtige Bad-Dürkheimer ihr hoch an. Sarah hat auch einen entscheidenden Anteil daran, dass Zimmer auf dem Platz wieder angreifen kann.

Dem FCK-Kapitän bereitet sein Darm seit einiger Zeit große Probleme. "Es ist eine chronische Darmerkrankung, das werde ich in meinem Leben nicht mehr los" erklärt Zimmer im SWR Sport Podcast "Nur der FCK". Er müsse lernen, damit umzugehen. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Ernährung: "Ich ernähre mich lektinfrei. Grob gesagt sind Lektine Gifte, die hauptsächlich in Gemüse vorkommen. Da gilt es dann zum Beispiel zu gucken, dass man Tomaten oder Paprika schält, weil in der Schale viele Lektine sind."

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Jean Zimmers chronische Darmkrankheit und ihre Folgen

Zusätzlich müssen seine Mahlzeiten statt in einem normalen Topf in einem Schnellkochtopf zubereitet werden. Mit Freunden oder Mitspielern Essen zu gehen, ist für Zimmer quasi unmöglich. Und genau hier kommt wieder Frau Sarah ins Spiel. Als ausgebildete Ernährungsberaterin hilft sie Jean dabei, sich optimal zu ernähren. Da seine Form der Ernährung allerdings so speziell ist, hat Zimmer zusätzlich einen weiteren Ernährungsberater eingestellt. Außerdem muss er täglich Tabletten nehmen und bekommt hin und wieder eine Spritze.

Jean Zimmer: Operation wegen chronischer Darmkrankheit

Vor einiger Zeit musste sich Zimmer wegen seiner Darmerkrankung sogar operieren lassen. Jeder, der ihn nach seinem Krankenhausaufenthalt gesehen habe, habe erkannt, dass er "mit Kortison vollgestopft war bis oben hin und ein Gesicht hatte wie ein Kugelfisch". Das sei jedoch unvermeidbar gewesen. Ohne das Kortison hätte er seine Krankheit mit Sicherheit nicht in den Griff bekommen, so Zimmer: "Der Doc im Krankenhaus hat zu mir gesagt, vor 10 oder 20 Jahren hätten wir den Darm mit Sicherheit direkt rausgeholt. Von daher bin ich glücklich, dass ich meinen Darm noch habe und damit auch noch Leistungssport treiben kann. Das stand zwischendurch auch noch auf einem anderen Zettel."

Jean Zimmer hat sich trotz Krankheit voll für den FCK reingehauen

An Fußball sei nach dem Krankenhaus erstmal nicht zu denken gewesen. Doch mittlerweile geht es Jean Zimmer gut und er hat gelernt, mit seiner Krankheit zu leben: "Ich bin froh, dass ich den Darm soweit im Griff habe, dass ich nicht ständig auf Toilette rennen muss. Ich weiß aber auch, dass es jederzeit wieder ausbrechen könnte." Im Rückblick spricht Zimmer von einer sehr schweren Zeit und betont, dass er seinen Körper in seiner Karriere zu oft hinten angestellt habe.  

Jean Zimmer steht Kopf an Kopf mit Leon Bell Bell vom FC Magdeburg (Foto: IMAGO, Jan Huebner)
Auf dem Platz kochen die Emotionen bei Jean Zimmer gerne mal hoch, so wie hier im Duell mit Leon Bell Bell vom FC Magdeburg. Jan Huebner

Wer Zimmers Leidensgeschichte hört, wirft nochmal einen ganz anderen Blick auf die vergangene Saison und seinen zwischenzeitlichen Leistungsabfall. Umso bemerkenswerter erscheint es da, dass sich der Kapitän am Ende der Saison in den beiden Relegationsspielen gegen Dresden nochmal voll reinwarf und seit Beginn dieser Saison auch wieder unangefochtener Stammspieler ist.

Starker Saisonstart des 1. FC Kaiserslautern mit Kapitän Jean Zimmer

Als Kapitän und Leader hat er entscheidenden Anteil daran, dass der FCK als Aufsteiger mehr als beachtlich in die 2. Liga gestartet ist. Zuletzt lieferten die Roten Teufel gemeinsam mit dem FCK Magdeburg beim 4:4 auf dem Betzenberg ein regelrechtes Spektakel ab. "Wir haben nach Rückstand mal wieder Charakter bewiesen, wissen aber auch, dass das nicht jedes Wochenende gut gehen kann," so Zimmer. "Mal wieder" spielt darauf an, dass der FCK schon im Auswärtsspiel davor in Fürth die erste Halbzeit verschlafen hatte und in Rückstand geraten war.

Fußball | Podcast Nur der FCK - der SWR Sport Podcast

Wir reden darüber, was die Roten Teufel bewegt. Mit dabei sind Spieler, auch der Trainer, Leute aus dem Verein, ehemalige Rote Teufel und natürlich Betze-Fans. Euer 1. FC Kaiserslautern ganz nah, ganz persönlich, ganz überraschend - mit Stefan Kersthold und Sebastian Zobel. Inside FCK, jede Woche neu.  mehr...

Im Endeffekt habe sich die Mannschaft bereits vor den beiden Spielen vorgenommen das umzusetzen, was sie dann in der zweiten Halbzeit auch getan habe: "Wir haben in beiden zweiten Halbzeiten gezeigt, dass wir wenige Fehler machen, wenn wir so konzentriert sind". Nun gilt es also, die Leistung in Zukunft von Anfang an abzurufen.

Fitness und Fans tragen die Roten Teufel

Dass die Männer in Rot in den beiden Spielen überhaupt nochmal so stark zurückkommen konnten, macht Zimmer unter anderem an der Fitness fest: "Wir sind aktuell wirklich fit und können dann nochmal zulegen. Das zeichnet uns in diesem Jahr aus, dass wir von der ersten bis zu 97. Minute alles reinhauen was wir haben und eben nicht bei 1:3 denken, es ist vielleicht nicht unser Tag. Das wird hier aktuell vom Trainerteam und den Fans honoriert."

Speziell die Fans seien in dieser Saison wieder ein dickes Pfund: "Man muss ein Riesenkompliment an die Fans aussprechen, weil die uns, egal wie es steht, pushen. Ich glaube, dass es - vor allem im Rückblick auf die vergangenen Jahre - sehr selten mal so war wie jetzt mit dem Zusammenspiel. Wir als Mannschaft können sagen, dass von den Rängen aktuell viel zurückgegeben wird."

Jean Zimmer, der Temperaments-Bolzen

Dazu trägt auch Zimmer mit seiner impulsiven Art bei. Kaum ein FCK-Spieler geht so energisch in die Zweikämpfe, keiner versteht es so gut, durch gezielte Aktionen das Publikum auf dem Betze auf seine Seite zu bringen. Auch wenn das manchmal bedeutet, dass er, wie im Spiel gegen Magdeburg, eine vermeidbare Gelbe Karte kassiert. Doch Zimmer weiß eben, worauf es beim FCK ankommt. Er trägt das FCK-Gen seit der Jugend in sich. Schon in seiner ersten Zeit in Kaiserslautern wurde er von den Fans für sein Temperament geliebt. Unvergessen zum Beispiel sein heißes Duell mit Philipp Lahm im DFB-Pokal-Halbfinale 2014 gegen Bayern München. Das Spiel ging zwar mit 1:5 verloren, doch damals brachte Zimmer den Münchner Nationalspieler und späteren Weltmeister an den Rand der Verzweiflung.

Der junge Jean Zimmer - Keine Angst vor Lahm, Müller und dem großen FC BayernWer ein Lautern-Trikot hat, braucht kein Bayern-Trikot. Rückkehrer Jean Zimmer trug schon 2014 das FCK-Gen in sich 😈⚽Posted by SWR Sport on Wednesday, January 13, 2021

Jean Zimmer: "Auf dem Platz bin ich ein anderer Mensch."

Jean Zimmer weiß genau, dass seine Spielweise sich über Leidenschaft und Willen definiert, heute wie damals gegen Philipp Lahm: "Es ist nicht so, dass ich früher auf dem Betze gefeiert wurde für vier Übersteiger und dreimal Zidane-Trick." Angesprochen auf sein Temperament und die unnötigen Gelben Karten sagte er: "Es ist schon immer so, dass ich mir auf dem Platz nichts gefallen lasse. Auf dem Platz bin ich ein anderer Mensch." Das Duell und die Rivalität mit Philipp Lahm hat er deshalb damals auch auf dem Platz gelassen: "Es ist nicht so, dass ich Kopf an Kopf mit ihm stehe, wenn er mich im Privatleben anspricht. Das passiert selten, außer im Straßenverkehr."

Jean Zimmer im Laufduell mit Philipp Lahm (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Nicolas Armer)
Beim DFB-Pokal Halbfinale 2014 lieferte sich Jean Zimmer ein heißes Duell mit Philipp Lahm vom FC Bayern. picture alliance / dpa | Nicolas Armer

Jean Zimmer glaubt an Klassenerhalt des FCK

Merke: Im Straßenverkehr und auf dem Fußballplatz sollte man dem FCK-Kapitän als Gegner besser aus dem Weg gehen. Mit dieser Einstellung, glaubt Zimmer, lassen sich mit dem FCK dann auch Erfolge feiern. Für das Team gelte es, weiterhin so eklig auf dem Platz zu sein, wie in den vergangenen Wochen. Wenn man weiter fleißig Punkte sammle, haben man eine gute Chance, die Klasse zu halten: "Den Punkteschnitt, den wir jetzt haben, werden wir sehr wahrscheinlich nicht halten können. Es werden auch mal zwei, drei Spiele hintereinander verloren gehen. Dann gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren, dran zu bleiben und weiter zu arbeiten."

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