Guido Hoffmann, von 1990 bis 1992 für den FCK, später (199899) für den SV Waldhof Mannheim am Ball  (Foto: Imago, Imago/ Ferdi Hartung, Imago/ Sportfoto Rudel)

FCK | Podcast

Wie Ex-FCK-Spieler Guido Hoffmann nicht in Pfullendorf sondern bei Waldhof Mannheim landete

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Guido Hoffmann hat in seiner Fußballer-Karriere etwas getan, was sich nicht viele trauen: Er kickte sowohl für den FCK, als auch für den Erzrivalen Waldhof Mannheim. Der Wechsel zum Waldhof kam auf kuriose Weise zu Stande.

Als ehemaliger Spieler beider Vereine hat natürlich auch Guido Hoffmann das torlose Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Waldhof Mannheim verfolgt. "In der ersten Halbzeit war ja überhaupt nicht an Fußball zu denken", kritisiert Hoffmann das hitzige Geschehen auf dem Platz im SWR Sport Podcast "Nur der FCK".

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Die beiden Teams zeigten für Hoffmanns Geschmack im ersten Durchgang zu viele Emotionen und zu wenig Fußball. In der zweiten Halbzeit habe sich der FCK dann mit einer couragierten Leistung mit neun Mann den Punkt verdient.

Viel Kritik am Derby-Schiri

Viel Kritik gab es nach dem Derby von Fans, Trainer Marco Antwerpen und Sport-Geschäftsführer Thomas Hengen für Schiedsrichter Heft, der zu schnell die Kontrolle über das Geschehen auf dem Platz verlor. Vor allem in der ersten Halbzeit kam aufgrund der vielen Unterbrechungen so gut wie kein Spiel zu Stande. Neben sechs gelben Karten zückte der Schiri auch vier Mal rot - darunter die sehr umstrittene für Lauterns Redondo, dessen Foul im Nachhinein betrachtet sicher höchstens gelbwürdig war.

Da ließ die Kritik von FCK-Coach Antwerpen natürlich nicht lange auf sich warten. Der FCK-Trainer ist dafür bekannt, die Leistungen der Schiedsrichter gerne und häufig zu kritisieren. Guido Hoffmann sieht es zwar auch so, dass der Schiedsrichter in einigen Situationen anders hätte entscheiden können.

"Der Schiedsrichter trifft keine absichtlichen Fehlentscheidungen."

Allerdings betont er, dass die Schuld nicht nur beim Schiedsrichter zu suchen ist: "Nach dem Spiel sieht man sich natürlich immer ein bisschen benachteiligt - gerade, wenn man denkt, dass gegen einen gepfiffen wurde. Wichtig ist aber auch, dass wir ohne Schiedsrichter nicht spielen können. Der gehört auch dazu und trifft bestimmt keine absichtlichen Fehlentscheidungen. Ich glaube, man muss da auch den Respekt und die Contenance bewahren."

"Ich war eigentlich auf dem Weg nach Pfullendorf, um dort zu unterschreiben. Während der Fahrt auf der Autobahn wurde ich kontaktiert, ob ich nicht in Mannheim mal rausfahren könnte."

Als ehemaliger FCK-Spieler zu Waldhof Mannheim gewechselt

Die Ruhe zu bewahren, fiel dem einen oder anderen FCK-Fan im Jahr 1998 womöglich auch nicht leicht, als bekannt wurde, dass der Ex-Lauterer Guido Hoffmann zum Erzrivalen Waldhof Mannheim wechselte. Auch in Mannheim schlug ihm nicht nur Freude entgegen: "Als ich zum Waldhof ging, war es am Anfang schon etwas kritischer mir gegenüber, weil ich vom FCK kam. Aber ich bin ja nicht sofort vom FCK gewechselt, sondern hatte dazwischen noch die eine oder andere Station."

Guido Hoffmann, von 1990 bis 1992 für den FCK, später (199899) für den SV Waldhof Mannheim am Ball  (Foto: Imago, Imago/ Ferdi Hartung, Imago/ Sportfoto Rudel)
Guido Hoffmann, von 1990 bis 1992 für den FCK, später (1998/99) für den SV Waldhof Mannheim am Ball. Imago Imago/ Ferdi Hartung, Imago/ Sportfoto Rudel

Mannheim statt Pfullendorf

Wie es damals zu dem Waldhof-Wechsel kam, ist besonders kurios: "Ich war eigentlich auf dem Weg nach Pfullendorf, um dort zu unterschreiben. Während der Fahrt auf der Autobahn wurde ich kontaktiert, ob ich nicht in Mannheim mal rausfahren könnte. Dann hat man sich unterhalten und die Tabellensituation von Mannheim war damals gut. Die Aussicht, dann auch sportlich höherklassig weiterzuspielen, war größer als in Pfullendorf."

Doch mit dem Waldhof konnte Hoffmann keine großen Erfolge feiern. Mannheim war die letzte Station seiner Profikarriere. Im Jahr 2000 hängte er die Fußballschuhe an den Nagel und blickt heute auf eine bewegte Zeit.

Über Gladbach und Homburg nach Kaiserslautern

Seine ersten Erfahrungen als Profi sammelte Hoffmann bei Borussia Mönchengladbach. Von seinem damaligen Trainer Jupp Heynckes schwärmt er noch heute. Von ihm habe er innerhalb seines Jahres bei der Borussia sowohl auf als auch neben dem Platz eine Menge gelernt.

Über den FC Homburg kam Hoffmann 1990 schließlich nach Kaiserslautern auf den Betzenberg. Unter Trainer Kalli Feldkamp gelang Hoffmann und seinen Team-Kameraden 1991 ein wahres Meisterstück und der Underdog sicherte sich mit einem 6:2-Sieg am letzten Spieltag gegen den FC Köln zum dritten Mal in der FCK-Vereinsgeschichte die Deutsche Meisterschaft.

Guido Hoffmann, rechts neben Kapitän Stefan Kuntz (mit der Schale), feiert die Deutsche Meisterschaft 1991    (Foto: Imago, Imago/ Werek)
Guido Hoffmann, rechts neben Kapitän Stefan Kuntz (mit der Schale), feiert die Deutsche Meisterschaft 1991. Imago Imago/ Werek

Sagenhafte 40.000 Fans begleiteten den FCK damals nach Köln. Schon Minuten vor dem Abpfiff sorgten sie für tumultartige Szenen im Stadion, als sie den Innenraum fluteten und den Schlusspfiff nicht abwarten konnten. Als dieser dann kam, brachen alle Dämme und die Fans stürmten auf die Spieler zu, entrissen ihnen zum Teil Trikots oder Schuhe. "Im ersten Moment Freude pur! Aber der zweite Moment war dann: Oh, wie komme ich denn jetzt hier wieder raus", erinnert sich Hoffmann. "Es war grandios. Wenn man das nicht erlebt hat, kann man es nicht verstehen."

Hoffmanns tragischer Fehlschuss in Barcelona

Viele Fans verbinden mit Guido Hoffmann auch heute vor allem noch mit seinen tragischen Fehlschuss auf das leere Tor im Hinspiel des Pokals der Landesmeister beim FC Barcelona. Die Roten Teufel verloren das Spiel mit 0:2. "Ich habe da Torchancen gehabt, die man eigentlich verwerten muss. Das habe ich nicht gemacht. Dementsprechend waren wir nicht so froh und glücklich nach dem Spiel."

Das Bakero-Trauma vom Betzenberg

Im Rückspiel spielten die Betze-Buben dann fulminant auf und drehten die Partie. Doch das Team konnte den 3:0-Vorsprung nicht über die Zeit retten. In der 90. Minute folgte eine der bittersten Szenen in der FCK-Geschichte. Barcelonas Bakero köpfte das 1:3 und der FCK schied aufgrund der Auswärtstor-Regel aus. Auf dem Betze flossen damals viele Tränen.

Guido Hoffmann trifft für den 1.FC Kaiserslautern beim VfB Stuttgart (1991, links Demir Hotic, rechts Stefan Kuntz)  (Foto: Imago, Imago/ Pressefoto Baumann)
Guido Hoffmann trifft für den 1.FC Kaiserslautern beim VfB Stuttgart (1991, links Demir Hotic, rechts Stefan Kuntz). Imago Imago/ Pressefoto Baumann

"Erstmal war es Wahnsinn, wie die Leute mitgegangen sind, obwohl wir ja im Prinzip weniger als keine Chance hatten. Unsere Fans sorgten für eine Atmosphäre, die die Spanier nicht gewohnt waren. Diese Fankultur wie hier in Deutschland gibt es in Spanien nicht. Aber nach dem Gegentor war es wirklich still."

DFB-Pokalsieger mit Bayer Leverkusen

Nach seiner Zeit auf dem Betze folgte zuerst eine Leihe zu Bayer Leverkusen, mit denen er 1993 den DFB-Pokal gewinnen konnte. Nach Stationen beim SV Wehen und dem VfB Leipzig folge ein kurzes Gastspiel in Zypern, bei Omonia Nikosia. "Wir hatten damals noch einen zweiten Deutschen bei Nikosia, Rainer Rauffmann. Der hat in einer Saison 40 Tore geschossen. Einmal haben wir 11:1 gewonnen und er hat 9 Tore gemacht. Das werde ich nie vergessen", erinnert sich Hoffmann.

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Wir reden darüber, was die Roten Teufel bewegt. Mit dabei sind Spieler, auch der Trainer, Leute aus dem Verein, ehemalige Rote Teufel und natürlich Betze-Fans. Euer 1. FC Kaiserslautern ganz nah, ganz persönlich, ganz überraschend - mit Stefan Kersthold und Sebastian Zobel. Inside FCK, jede Woche neu.  mehr...

Guido Hoffmann als Trainer beim FCK

Als Trainer landete Guido Hoffmann später wieder beim FCK, im Nachwuchsleistungszentrum. Für kurze Zeit trainierte er damals auch die U23. Sein größtes Abenteuer erlebte er allerdings nach seiner Zeit im NLZ - als Trainer in China. An der Sportuniversität in Peking trainierte er eine U17-Mannschaft und später auch die erste Mannschaft in der 3. chinesischen Liga. Doch das Engagement endete durch die Corona-Pandemie, die eine Rückreise nach China unmöglich machte.

Kulturschock in China

"Es ist etwas ganz anderes. Das versteht man erst, wenn man es selbst erlebt hat. Die Kulturen sind so unterschiedlich. Mit Mimik oder Ironie kommt man überhaupt nicht weit." Auch Emotionen und Leidenschaft werden in China eher zurückhaltend gelebt: "Bei den Spielen durfte nur einer von der Trainerbank stehen. Wenn ein zweiter stand, kam sofort einer", so Hoffmann.

Guido Hoffmann möchte wieder als Trainer arbeiten

Auch wenn seine Zeit in Kaiserslautern recht kurz war, ist Guido Hoffmann bis heute fest verwurzelt in der Pfalz. Er lebt mit seiner Familie noch immer in der Region und sucht aktuell nach einem Job: "Mein Plan ist es, wieder als Trainer zu arbeiten. Fußball ist das, was ich das ganze Leben gemacht habe. Ich möchte wieder auf dem Platz stehen. Da bin ich auf der Suche und lasse mich gerne überraschen, wo es mich hinzieht."

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