Einige der mitgetreisten FCK-Fans haben beim 1. FC Magdeburg mit Pyrotechnik gezündelt. (Foto: imago images, Eibner)

Fußball | 3. Liga

FCK geht mit Magdeburg-Frust in die Derby-Woche

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Nach der schmerzhaften 0:1-Auswärtsniederlage ist der Frust beim 1. FC Kaiserslautern groß. Vor dem Südwest-Derby gegen Waldhof Mannheim fordert FCK-Trainer Marco Antwerpen eine "andere Mentalität".

"Die FCK-Flamme brennt nur auf den Rängen", titelt das Fanportal "Der Betze brennt" am Tag nach der bitteren 0:1-Auswärtsniederlage ihres 1. FC Kaiserslautern beim 1. FC Magdeburg. Damit spielen die Fans nicht nur darauf an, dass sie bereit sind, für den ersehnten ersten Auswärtsdreier - wie in diesem Fall - auch mal über Grenzen des Erlaubten hinaus zu gehen, sondern dass sie vergleichbaren Einsatzwillen bei den Roten Teufeln am Samstagabend weitgehend vermisst haben. Mit der Schlagzeile treffen die Fans wohl auch das aktuelle Lebensgefühl von FCK-Antreiber René Klingenburg, der sich nach dem Spiel bei "Magentasport" heftig in Rage redete: "Charakter, Mentalität, Qualität - jeder Spieler sollte mal in den Spiegel schauen und sich hinterfragen, was er hier heute gespielt hat."

Dass Kaiserslautern nach etwa einer Viertelstunde besser ins Spiel kam und sich gegen die Niederlage stemmte, konnte seine Wut nicht mindern: "Du musst die Zweikämpfe annehmen. Aber das von der ersten Minute und nicht erst, wenn es klingelt. Es kann nicht sein, dass wir immer erst einen kriegen müssen oder einer an der Seitenlinie weggewichst werden muss, damit dann alle wach sind. Das geht einfach nicht." Der entscheidende Treffer fiel bereits in der 7. Minute. Und der FCK hatte in dieser Phase noch Glück, denn Torschütze Luca Schuler, der von 2006 bis 2016 in der FCK-Jugend spielte, traf wenig später nur die Latte. Die Roten Teufel wirkten teilweise hoffnungslos überfordert und beugten sich dem Magedburger Druck. Dabei waren Klingenburg und Co auf die schwungvolle Anfangsphase der Magdeburger vorbereitet: "Der Trainer stellt uns super drauf ein, sagt extra noch: 'in den ersten zehn Minuten brennen die hier ein Feuerwerk ab' und dann? Keine Ahnung, es ist unerklärlich."

Das Tor zum 1:0 im Spiel FCK vs. SVW am 22.10.1983 (Foto: imago images, IMAGO / Ferdi Hartung)
Der Ursprung der Derby-Rivalität: Am 22. Oktober 1983 trafen der 1. FC Kaiserslautern und Waldhof Mannheim im Bundesliga-Duell erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander. Nach einer torlosen ersten Hälfte bezwangen die Lauterer den Aufsteiger auf dem Betzenberg mit 2:0. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Eines der packendsten Duelle zwischen den Erzrivalen fand am 27. September 1986 in Kaiserslautern statt. Der FCK ging nach 45 Minuten mit einer knappen 1:0-Führung durch einen Treffer von Harald Kohr in die Kabine. Kurz nach der Pause konterte der Waldhof mit einem Doppelschlag. Wenig später flog der Torschütze der Lauterer nach einer Tätlichkeit vom Platz. Die Roten Teufel bestritten fast die gesamte zweite Hälfte in Unterzahl, schafften aber noch den Ausgleich und drehten die Partie in der 89. Minute zum 3:2-Sieg. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Der 15. April 1987 und das wohl populärste Duell in der Derby-Geschichte zwischen dem FCK und dem SVW. Ein Aufeinandertreffen geprägt von der Zahl vier: Vier Elfmeter für den Waldhof, wovon Gerald "Gerry" Ehrmann zwei parierte. Fritz Walter erzielte alle vier Treffer für die Mannheimer (das entscheidende Tor zum 4:3-Endstand schoss er in der 89. Minute). Kurz vor Schluss fiel sogar noch der Ausgleichstreffer zum 4:4, der aber wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. picture alliance / dpa | Marcus Thelen Bild in Detailansicht öffnen
Die bislang letzte Bundesliga-Begegnung zwischen Mannheim und Kaiserslautern fand am 24. Februar 1990 im damaligen "Stadion am Alsenweg" statt. Damit ist es die einzige Ausgabe des Nachbarschaftsduells, die tatsächlich im Stadtteil Waldhof ausgetragen wurde. Mannheim demontierte den Erzrivalen in der Partie mit 4:0, nie gewann die Mannschaft im Derby deutlicher. Nach dem Spiel sagte der damalige Waldhof-Coach Günter Sebert (s. Foto) über den Gegner: "Wir haben heute den ersten Absteiger gesehen." Am Saisonende stiegen allerdings die Waldhöfer ab und nicht der FCK. Die Roten Teufel holten in der Folgesaison sogar die Deutsche Meisterschaft. IMAGO / Ferdi Hartung Bild in Detailansicht öffnen
Am 26. Mai 1997 feierte Atilla Birlik sein Zweitliga-Debüt für den Waldhof. Das dauerte jedoch nur wenige Minuten. Nachdem der Stürmer FCK-Torhüter Gerry Ehrmann einen Wischer verpasst hatte, flog er vom Platz. Bis heute wird Birlik von den Mannheimer Anhängern dafür gefeiert. Viel mehr zu feiern gab es für den Waldhof an diesem 32. Spieltag allerdings auch nicht. Der FCK siegte im Derby so deutlich wie nie: Unter Trainer Otto Rehhagel (s. Foto) gewannen die Roten Teufel daheim mit 5:0. Am Saisonende stieg die Mannschaft als Zweitliga-Meister auf, der Waldhof musste in die 3. Liga. picture alliance / dpa | Werner Baum Bild in Detailansicht öffnen
Verkehrschaos, Prügeleien und Rauchschwaden im Stadion: Am 28. November 2001 standen sich der damalige Zweitligist aus Mannheim und der Bundesligist aus Kaiserslautern in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegenüber. In einer packenden Partie durfte der Waldhof lange an die Sensation im eigenen Stadion glauben. Doch in der Nachspielzeit traf FCK-Stürmer Olaf Marschall für die Gäste zum entscheidenden 3:2. picture-alliance / dpa | Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Nach 22 Jahren spielten der FCK und Aufsteiger Waldhof Mannheim am 01. September 2019 erstmals wieder in der gleichen Liga. Ein lang ersehntes Derby im Südwesten - zwar nur in der 3. Liga, ordentlich Zündstoff gab es trotzdem. Nachdem die Partie auf dem Betzenberg verspätet angepfiffen und wegen Pyrotechnik kurzzeitig unterbrochen wurde, nutzten die Mannheimer ihre erste Chance zur frühen Führung. Der FCK traf eine gute halbe Stunde später zum 1:1-Endstand. Auch die seither folgenden zwei Drittliga-Partien endeten 1:1. picture alliance / Fotostand | Fotostand / Schmitt Bild in Detailansicht öffnen
Das ist mal ein Einstand. Der 1. FC Kaiserslautern siegt beim Debüt von Trainer Marco Antwerpen mit 2:0 in Mannheim. Das bislang letzte Derby. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen

FCK-Trainer Antwerpen fordert "eine andere Mentalität"

Für Erklärungen und vor allem Lösungen ist FCK-Trainer Marco Antwerpen zuständig. Auch er ärgerte sich im ARD-Interview über die verschlafene Anfangsphase: "Wir haben sehr lange gebraucht, um überhaupt anwesend zu sein. Da muss jeder Spieler für sich die Einstellung und die mentalen Voraussetzungen schaffen, um hier bestehen zu können." Der 49-Jährige forderte "mehr Siegeswille" und eine "andere Mentalität". "Denn so können wir in der 3. Liga nicht bestehen."

FCK sucht Schulterschluss mit den Fans

Fünf Punkte und nur ein Sieg aus sieben Spielen, Platz 15, Abstiegsfrust statt Aufstiegslust - das alles wurmt Marco Antwerpen. Das wurmt René Klingenburg. Und das wurmt auch die FCK-Fans. Doch der gemeinsame Frust kann Fans und Mannschaft vor dem Südwest-Derby gegen Waldhof Mannheim (Samstag, 11.9., ab 14 Uhr live im SWR Fernsehen und im Livestream auf SWR Sport) auch zusammenschweißen. Ein Derby-Sieg könnte den Roten Teufeln womöglich den nötigen Push geben, um nach dem Stolper-Start in die Saison endlich in Tritt zu kommen. Eine Niederlage würde Frust und Selbstzweifel wohl noch verstärken.

FCK-Spieler laufen nach der Niederlage beim 1. FC Magdeburg mit gesenkten Köpfen über den Platz. (Foto: imago images, Christian Schroedter)
Hänge Köpfe beim FCK: Der FCK hat beim 1. FC Magdeburg: Jean Zimmer und Co konnten beim 1. FC Magdeburg nicht überzeugen. Christian Schroedter

Doch für eine erfolgreiche Derby-Mission braucht der FCK die Unterstützung seiner Fans. Das weiß René Klingenburg. Darum hat der 27-Jährige seine Mitspieler mit harschen Worten und klaren Gesten in die Kurve kommandiert, um sich bei den etwa 600 Fans zu bedanken, die die etwa 460 Kilometer bis Sachsen-Anhalt für ihren FCK auf sich genommen haben. "Das sind wir den Fans auch schuldig." Und mit Blick auf das kommende Wochenende hat er wohl auch das aktuelle Lebensgefühl der FCK-Fans getroffen: "Derby-Sieg, Arschlecken!"

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