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Er hat Weltstars heranwachsen sehen, nun leitet er beim 1. FC Kaiserslautern das Nachwuchsleistungszentrum. Am Sonntag (21:45 Uhr) ist Uwe Scherr, der als Spieler in Kaiserslautern Deutscher Meister wurde, zu Gast bei SWR Sport RP.

Mit dem FCK ist Uwe Scherr Deutscher Meister und Pokalsieger geworden, doch die entscheidenden Referenzen für seinen neuen Job auf dem Betzenberg lesen sich anders: Mesut Özil, Manuel Neuer, Leroy Sané, Benedikt Höwedes und viele mehr. Seit drei Monaten leitet der Mann, der als Chefscout, Co-Trainer und Leiter der Nachwuchsabteilung beim FC Schalke 04 für den Aufstieg zahlreicher Talente mitverantwortlich war, das Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Kaiserslautern. Er bringt einen vielfältigen Erfahrungsschatz ein, der weit über das Ruhrgebiet hinausgeht: Ungarn, Brasilien, Ghana - Uwe Scherr hat an den unterschiedlichsten Orten der Welt junge Fußballer betreut. Nun ist der Weltenbummler zurück in der Pfalz, wo er als Spieler seine Profikarriere begann.

Die Knie bremsten die Karriere

Im Sommer 1989 legten Scherr, der damals beim FC Augsburg in der Bayern-Liga kickte, 14 Bundesligisten ein Angebot vor - der FCK war am schnellsten und Scherr gab den Pfälzern den Zuschlag. Es war die richtige Entscheidung, denn direkt in den ersten beiden Jahren gewann er mit den Roten Teufeln den DFB-Pokal und die Meisterschaft. "Die Erinnerungen daran sind natürlich großartig", sagte er im Sommer bei seiner Vorstellung auf dem Betzenberg. Dass es in der Profi-Karriere, die so bilderbuchartig begonnen hatte, nicht immer steil bergauf ging, hatte auch viel mit Verletzungssorgen zu tun. Ganzen 15 Knie-Operationen musste sich der Mittelfeldmann unterziehen und fürs Comeback immer wieder gegen schwerste Widerstände ankämpfen. Nach Stationen bei Schalke, Köln und Wuppertal hängte er die Schuhe schließlich an den Nagel - blieb jedoch direkt auf dem Fußballplatz.

Scherr holte Sané zurück nach Gelsenkirchen

Der damalige Schalke-Manager Rudi Assauer ermöglichte Scherr den Einstieg als Coach im Jugendbereich, wo er von Begínn an von den Besten lernte. Als Co-Trainer betreute er jahrelang die Schalker U19 von Norbert Elgert, der als erfolgreichster Nachwuchstrainer Deutschlands gilt. Spätere Weltmeister wie Manuel Neuer oder Mesut Özil trainierten während dieser Zeit unter seiner Ägide. 2008 übernahm Scherr dann die Leitung der Nachwuchsabteilung, lotste in dieser Funktion unter anderem Nationalspieler Leroy Sané "Auf Schalke".

Jetzt soll er die Top-Talente nach Kaiserslautern holen. Dass es dazu kam, daran hat auch die Corona-Krise ihren Anteil. Denn Scherr, der aus Amberg in der Oberpfalz kommt, war in den letzten Jahren vor allem im Ausland unterwegs. Nach Stationen in Afrika und Südamerika, wo er half, Fußballschulen aufzubauen und Strukturen für den Nachwuchs zu schaffen, war er zuletzt für das Nachwuchsleistungszentrum des ungarischen Erstligisten Honvéd Budapest verantwortlich. Dann kam die Pandemie, Uwe Scherr reiste zurück zur Familie nach Deutschland - und merkte schnell, dass er gerne wieder in der Heimat arbeiten würde. So verschlug es ihn nach 28 Jahren wieder an den "Betze" - dorthin, wo damals seine Reise im Profigeschäft begann.

Mehr Freiheiten und weniger taktische Zwänge

Seit August ist Scherr nun für die FCK-Profis von morgen verantwortlich und hilft ihnen dabei, sich auf dem Weg nach oben durchzusetzen. Sich durchsetzen - als zweitjüngstes von 14 Geschwistern weiß er, wie das geht. Gegen Konkurrenz und Widerstände anzukämpfen, sollen die Talente lernen - auch auf eigene Faust: "Heute wird von den Eltern versucht, den Kindern viel zu viel abzunehmen", meint Scherr bei seiner Präsentation. Gleichzeitig ist ihm wichtig, dass die jungen Spieler auf dem Platz ihre Freiheiten bekommen und nicht durch taktische Zwänge von außen eingeschränkt werden. Mit Leuten wie Draxler, Sané oder Özil hat Scherr schließlich schon bei so einigen Jugendspielern gesehen, dass sie besondere Freiheiten auf dem Platz auch mit ganz besonderen Leistungen zurückzahlen.

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