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Martin Amedick kennt Aufstiege aus dem Effeff. Gleich viermal ist ihm dieses Kunststück gelungen. Die Aufstiegsparty vor zehn Jahren mit dem FCK war für den heute 37-Jährigen etwas ganz Besonders.

"'Eine Abwehr aus Granit, so wie einst Real Madrid. So zogen wir in die Bundesliga ein und wir werden wieder Deutscher Meister sein.' Das mit den FCK-Fans nach dem Aufstiegs-Erfolg zu singen, war für mich etwas sehr Besonderes", schwärmt der ehemalige Kapitän Martin Amedick noch heute. Er sitzt in seinem Haus in Ostwestfalen und warnt schon mal gleich: "Sei nicht sauer, wenn meine Hunde Calou oder Jouna gleich bellen und stören oder mein Sohn Josse (norddeutsch für Josef) gleich mal vorbeikommt."

Und dann gibt es noch das Problem der Verbindung selbst, es gibt nämlich kein Glasfaser-Internet auf dem Land in Delbrück bei Paderborn. Martin Amedick ist wieder heimgekehrt nach 13 Profi-Jahren als Kicker. Das Haus seiner Schwiegereltern hat er umgebaut. Amedick ist in den letzten Zügen des Studiums. Er hirnt gerade über seiner Bachelor-Arbeit zum Thema Psychologie. "Das Haus umbauen hat mir geholfen, abzuschalten. Da konnte ich die Mauern einreißen und 'zerstören'. Für die Feinarbeiten habe ich die Experten rangelassen", sagt der 37-jährige Amedick.

Amedick liebt das Land-Idyll

Die Corona-Zeiten verlebt der ehemalige Innenverteidiger eher zurückgezogen mit seiner Ehefrau Anika und seinem Sohn. Martin Amedick lebt gern auf dem Land. Das hat er beim 1. FC Kaiserslautern auch schon so gemacht. Damals wohnte er mit Anika in Otterberg. Mit seinem VW-Käfer fuhr er zum Training auf den Betzenberg. Seine beiden Hunde sind von einem Züchter aus Siegelbach bei Lautern.

Amedick ist als Fußball-Profi mit mehreren Mannschaften aufgestiegen. Mit Braunschweig, Frankfurt, Paderborn und mit dem 1. FC Kaiserslautern. Die Zweitliga-Meisterschaft mit dem FCK vor zehn Jahren hat aber bei ihm die meisten Spuren hinterlassen. Martin Amedick und Srdjan Lakic führten die Roten Teufel gemeinsam als Kapitäne zum Aufstieg.

Amedick zwischen Euphorie und Erschöpfung

Marco Kurz hatte die neue Mannschaft gut zusammengestellt. Viele verschiedene Charaktere, Typen, die gepasst haben. Schon ab der Winterpause spürten die Spieler, dass es möglich wäre, der vier Jahre dauernden Dürre in der 2. Bundesliga zu entkommen. Wenn die Erfolge da sind, ist die Stimmung gut. Da gibt es eine Dynamik, die läuft einfach. Ein Patentrezept für Erfolg gibt es nicht, aber man kann an den Stellschrauben drehen, dass es in die richtige Richtung geht.

Martin Amedick spürt auch während dieser Saison erste Erschöpfungszustände, die einen Wendepunkt in seinem Leben sind. Trotzdem: Die Truppe zieht ihr Ding durch. Bleibt oben an der Spitze der 2. Liga und kann am drittletzten Spieltag mit Hilfe des FSV Frankfurt den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen. Die Spontan-Party ist riesig. Das Team feiert in der Bar 21 im 21. Stock des Kaiserslauterer Rathauses.

Comeback als Sportpsychologe?

Dieser Erfahrungen wegen möchte Martin Amedick später Sportpsychologe werden. Er kann aus einer 13-jährigen Profi-Erfahrung berichten, über Siege, den Druck im Hochleistungssport oder persönliche Niederlagen. Der ehemalige Lautern-Profi engagiert sich noch für die Robert-Enke-Stiftung, dazu hat er bereits einigen jungen Spielern in Nachwuchsleistungszentren von seinen Erlebnissen erzählt. Für Martin Amedick hat sich ein Kreis geschlossen. Er ist aus Ostwestfalen vor vielen Jahren in die große Sportwelt aufgebrochen, und er ist in Ostwestfalen wieder heimisch geworden. Er wirkt sehr geerdet, denn er hat wirklich viel erlebt.

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