Lauterns Spieler bedankt bedanken sich bei den Fans (Foto: IMAGO, Jan Huebner)

1. FC Kaiserslautern | Meinung

Der FCK tut gut daran, auf kleinen Wellen zu surfen

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Holger Kühner

Der FCK ist mit zwei Siegen und einem Unentschieden in die Saison gestartet. Der Aufsteiger bringt das Stadion zum Brodeln und die Gegner zum Nachdenken. Von Euphorie ist beim Team wenig zu hören. Das ist auch gut so, meint SWR Sport-Reporter Holger Kühner.

Die Reaktionen von Spielern und Trainer Dirk Schuster nach dem Sieg gegen St. Pauli haben mich dann doch überrascht. Kenny Prince Redondo trifft in der 86. Minute zum 2:0 - und während das Stadion noch brodelt, sagt der Torschütze kurz nach dem Spiel, das Team "müsse jetzt zusammenhalten". Das hört sich an, als stünde der FCK kurz vor Saisonende im Tabellenkeller. Nach Krise klingt es auch, wenn Dirk Schuster meint, "wir müssen noch vieles besser machen", denn andere Mannschaften seien besser als der FCK, hätten auch mehr individuelle Qualität. Versteckt Schuster dahinter Kritik an seinen Spielern, die von den ersten drei Spielen zwei gewannen und einmal unentschieden spielten? Nein. Das ist eine kluge Haltung.

Der Lohn für den guten Start sind zwar sieben Punkte auf dem Tabellenkonto - das sei aber eine Momentaufnahme, sagte Schuster und bringt es genau damit auf den Punkt. Um die sachliche Analyse von Schuster zu verstehen, muss man sich noch einmal daran erinnern, was Schuster vor dem Spiel sagte. Denn mit St. Pauli kam eine Mannschaft, die in der vergangenen Saison erst im Endspurt den Aufstieg in die Bundesliga verspielt hatte. Das werde eine brutal schwere Aufgabe, analysierte Schuster und nannte dann die Spieler von St. Pauli so detailliert, als sei es seine eigene Mannschaft. Man habe vor diesem Team großen Respekt, aber keine Angst. Da sprach nicht nur der Trainer, sondern auch der Mental-Coach.

Euphoriewellen: Atemberaubend, aber auch gefährlich

So hat Schuster den FCK in die 2. Liga geführt, allerdings nur in den beiden Relegationsspielen, kurz zuvor war Marco Antwerpen als Trainer entlassen worden. Fünf Spieltage vor Schluss war der FCK in Gedanken schon aufgestiegen, die Euphoriewelle war nicht mehr aufzuhalten. Dann folgte Niederlage auf Niederlage, der FCK hangelte sich in die Relegation. Vor genau dieser Euphoriewelle warnt Schuster nun.

Denn: So eine Euphoriewelle erinnert wirklich an eine Welle im Atlantischen Ozean. Wenn sie beginnt, ist sie noch harmlos, aber dann baut sie sich auf, wird immer höher und schneller, die Surfer schießen durch den Tunnel. Die perfekte Welle ist atemberaubend - aber auch gefährlich. Bevor die Welle bricht, muss der Surfer am Ziel sein. Entscheidend ist aber, dass der Surfer die Welle schon spürt, bevor sie überhaupt beginnt. Schuster lässt seine Spieler erstmal an kleinen Wellen üben. Wie das bei den Spielern ankommt? Terrence Boyd strahlte nach dem Sieg und sagte, die kleinen Fehler im Spiel würde man Schuster als Geschenk geben für das Training in der Woche.

Die Mannschaft will besser werden. Das ist ein gutes Signal. Manchmal warten Surfer tagelang auf die perfekte Welle. Schuster arbeitet so, dass er die Euphoriewelle frühzeitig erkennt. Und wenn sie dann kommt - wann auch immer das sein mag - will der Coach sicher sein, dass die Welle nicht über seinem Team zusammenbricht.

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