Hier regiert der FCK (Foto: Imago, Imago / Jan Hübner)

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Wie die Party nach dem Derbysieg die FCK-Fangemeinde spaltet

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Lange haben sich die FCK-Fans nicht mehr so sehr über einen Sieg ihrer Mannschaft gefreut wie nach dem 2:0 gegen Waldhof Mannheim. Doch die anschließende Derby-Party sorgt für Diskussionen.

Man hat fast das Gefühl, dass der Sieg im Derby gegen Waldhof Mannheim die Ketten krachend gesprengt hat, die sich lange Zeit lähmend um die Emotionen der FCK-Fans gelegt hatten. Dementsprechend ließen es einige von ihnen nach dem Spiel und der Rückkehr ihrer Derbyhelden auch krachen - gemeinsam mit der Mannschaft und Pyrotechnik vor dem Stadion. Das könnte jetzt ein bitteres Nachspiel für die Roten Teufel haben. Sowohl der DFB als auch die Polizei ermitteln, weil offenbar Corona-Regeln nicht eingehalten wurden.

Die Meinungen über die "Party" vor dem Stadion gehen bei den FCK-Fans weit auseinander. Mehr noch, die Fans sind in zwei Lager gespalten. Die einen fordern Verständnis für die Freude nach so einem wichtigen Spiel. Die anderen schütteln verständnislos den Kopf und hoffen auf Strafen für die Beteiligten.

Freut sich über den Derbysieg des FCK: Christina Wohlgemuth (Foto: SWR)
Freut sich über den Derbysieg des FCK: Christina Wohlgemuth

Vor allem in den Sozialen Medien diskutieren beide Lager sehr kontrovers und zuweilen auch ohne gute Kinderstube. Diese Diskussion verfolgt auch FCK-Fan Christina Wohlgemuth. Sie ist gebürtige Saarländerin und arbeitet in Karlsruhe, dennoch schlägt ihr Herz für die Roten Teufel. "Schuld" daran ist, wie so oft, der Papa. Mit neun Jahren war sie zum ersten Mal auf dem Betze. Von Abstieg über Meisterschaft hat Christina mit dem FCK schon alles erlebt. "Auf stabile Gefühlslagen braucht man sich bei dem Verein nicht mehr einstellen", sagt die Rechtsanwältin in der neuen Folge von #nurderfck, dem SWR Sport Podcast.

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Kritik an Fan-Party nach Derbysieg auf dem Betze

Dass es nach einem Derbysieg zu "hochkochenden Emotionen" komme, sei naheliegend. Allein für die Tatsache, dass mit den Fans am Stadion gefeiert wurde, will Christina niemandem einen Vorwurf machen: "Die Idee, wir zeigen uns kurz den Fans und wertschätzen diese Unterstützung, gerade in diesen schweren Zeiten, finde ich per se noch nicht verwerflich." Die Fans einfach am Stadion stehenzulassen, sei aus ihrer Sicht keine Option gewesen. Dass bei dem ausgelassenen Jubel über den Derbysieg aber zum Teil keine Abstände eingehalten und keine Masken getragen wurden, geht auch ihr zu weit.

Jean zimmer ballt die Fäuste und jubelt auf dem Rasen nach dem Sieg gegen Waldhof Mannheim (Foto: Imago, IMAGO / HMB-Media)
Jean Zimmer hat den FCK in seinem ersten Spiel als Kapitän zum Derbysieg gegen Waldhof Mannheim geführt. Imago IMAGO / HMB-Media

Lob und Kritik für FCK-Kapitän Jean Zimmer

Sowohl kritisiert als auch gefeiert wird FCK-Kapitän Jean Zimmer von den Fans. Auf einem Video ist zu sehen, wie dieser sich aus dem Mannschaftsbus lehnt und mit wenig Abstand einen Fangesang anstimmt. Dazu sagt Christina Wohlgemuth: "Ja, es war eine unüberlegte Aktion und die Emotionen sind mit ihm durchgegangen. Kapitän einer Mannschaft zu sein, ist aber ein größerer Komplex. Ich bin mir sicher, dass ihm bewusst ist, dass das drüber war." Zimmer deshalb als Kapitän anzuzählen, sei ungerechtfertigt und schade der Mannschaft.

"Jeder ist aufgefordert, zu reflektieren, ob man im Stadion noch dasselbe wie vor 15 Jahren grölen muss, nur weil das schon immer so war."

Sexismus-Debatte wegen FCK-Fangesang gegen Waldhof

Auch über den Inhalt des Lieds, das Zimmer mit den Fans anstimmte, wird heiß diskutiert. Da es darin um große Oberweite bei Frauen und den Besuch eines Bordells geht, ist eine regelrechte Sexismus-Debatte entstanden. "Es ist die Frage, wie entwickelt sich eine Kurve, wie weiblich oder divers ist mittlerweile eine Kurve. Leider ist es notwendig, dass über Sexismus und frauenfeindliches Liedgut gesprochen wird. Es ist aber auch gut, dass das Aufmerksamkeit bekommt", sagt FCK-Fan Christina dazu.

Seit ihrer Kindheit Fan des 1.FC Kaiserslautern: Christina Wohlgemuth (Foto: SWR)
Seit ihrer Kindheit Fan des 1.FC Kaisersleutern: Christina Wohlgemuth.

Sie persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass es für viele offenbar weniger um die Diskussion über den Sexismus selbst gehe, sondern eher am Festklammern an etwas altem, traditionellem, das schon immer so war und an dem man festhalten möchte: "Jeder ist aufgefordert, zu reflektieren, ob man im Stadion noch dasselbe wie vor 15 Jahren grölen muss, nur weil das schon immer so war. Wenn das das einzige Argument ist, ist es mir zu dünn."

Kritik am FCK wegen Verbreitung eines Videos

Nach ihrer Ansicht wirft es ein schlechtes Bild auf den FCK, dass der Verein ein Video der Feier auf seinen Kanälen unkritisch verbreitet hat. Das Verständnis für Ausnahmeregelungen schwinde in der Bevölkerung, zumal der Fußball weitestgehend im Normalbetrieb weiterlaufe.

Hiermal ein kleiner Einblick in den wahnsinnigen Empfang, der unsere Mannschaft heute am Stadion erwartet hat - DERBYSIEGER 🔥Posted by 1. FC Kaiserslautern on Saturday, February 6, 2021

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