Dagmar Eckel mit ihrem Vater Horst Eckel (2020) (Foto: IMAGO, IMAGO / Herbert Bucco)

Tochter Dagmar Eckel exklusiv im Interview

Familie versteigert Nachlass von Fußball-Legende Horst Eckel

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INTERVIEW
Jürgen Schmidt
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Sophie Salmen/SWR Sport

Am 03. Dezember 2021 starb Fußball-Weltmeister Horst Eckel. Seine Familie plant im November eine Auktion von Gegenständen aus dem Besitz der FCK-Legende. SWR Sport hat Tochter Dagmar Eckel exklusiv getroffen.

Horst Eckel war der letzte der "Helden von Bern" - Weltmeister 1954, zweimal Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern. Er gehörte zu den legendären Fußballern in Deutschland. Mit 89 Jahren verstarb er Ende 2021. Seine Frau Hannelore lebt noch und muss gepflegt werden.

Um diese Pflege zu finanzieren soll der Nachlass vom FCK-Ehrenspielführer bei einer Aktion am 9. November in einem Kasseler Auktionshaus angeboten werden. Nach dessen Angaben besteht die Sammlung aus über 500 Einzelstücken. Dazu gehören auch die vollständige Ausrüstung, die Horst Eckel beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 trug. Auch die Siegermedaille, von der insgesamt nur 13 Exemplare ausgegeben wurden, wird zur Versteigerungsmasse gehören.

SWR-Sportreporter Jürgen Schmidt hat die Tochter von Horst Eckel, Dagmar Eckel am Montag getroffen und mit ihr über die Gründe für die Auktion gesprochen.

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Erlös zur Finanzierung der Pflege von Hannelore Eckel

Im Gespräch macht Dagmar Eckel deutlich, dass der mögliche Erlös der Sammlung die Pflege von Horst Eckels schwer kranker Witwe Hannelore (85 Jahre) sichern soll. "Ich möchte meiner Mama, so lange sie da ist, ein Leben ermöglichen, das lebenswert ist und das sie sich gewünscht hat", sagt Dagmar Eckel. "Das hat sie sich verdient."

Es sei immer der Wunsch ihres Vaters gewesen, dass seine Frau, mit der er 64 Jahre verheiratet war, nie in ein Heim kommen muss. Das hätte sie ihrem Vater versprochen: "Ich allein kann das nicht stemmen. Das ist für mich schwer zuzugeben. Es ist auch eine Frage des Stolzes. Ich stelle meinen Stolz zurück für meine Mama, das es ihr gutgeht."

Wunsch: Nachlass in Gänze versteigern

"Es wäre schön, wenn es jemand kauft, mit Herz, der die Dinge achtet, der den Respekt für die Gegenstände hat", wünscht sich Dagmar Eckel. Außerdem hofft sie, dass sich ein Käufer findet, der die Sammlung komplett übernimmt und öffentlich zugänglich macht. 280.000 Euro sollen laut Mitteilung des Auktionshauses als Startpreis aufgerufen werden. Aller Erlös komme auf das Konto der Mutter, sie sei die Alleinerbin, sagt die Tochter.

Von bestimmten Gegenständen wolle sie sich dagegen nicht trennen, verrät sie. So bleiben beispielsweise der goldener Meisterring, die Box-Handschuhe und auch Liebesbriefe, die Horst Eckel an Hannelore geschrieben hatte, im Besitz der Familie.

Dagmar Eckel ist sich möglicher Kritik bewusst

Dagmar Eckel weiß, dass diese Versteigerung nicht allen gefällt. Eventuell droht ihr ein Shitstorm, weil Leute meinen, sie wolle an der Auktion verdienen. Es gehe ihr nicht ums Geld, betont sie.

Sie gibt mit belegter Stimme zu, dass es für sie "sehr schwer" sei. Aber sie werde kämpfen, im Sinne ihrer beider Eltern - in der Hoffnung, dass Vater Horst stolz auf sie sein kann.

Erste Reaktion des Deutschen Fußballmuseums und des FCK

Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußballmuseums, hatte am Montagabend überraschend durch ein Schreiben von Dagmar Eckel die Kündigung des Leihvertrags für das WM-Endspieltrikot von 1954 erhalten: "Wir prüfen derzeit den Sachverhalt. Unabhängig davon kann ich schon jetzt sagen, dass der Erwerb des gesamten Nachlasses für das Deutsche Fußballmuseum in Anbetracht des veranschlagten Startpreises der Auktion wohl nicht infrage kommt", so Neukirchner gegenüber dem Sport-Informationsdienst.

Anders als von Dagmar Eckel dargestellt, hat der FCK bisher nicht angeboten bekommen, einen Teil oder den gesamten Nachlass Eckels zu erwerben und bedauert diesen Schritt. Das hat der Verein dem SWR bestätigt. Und auch die Sepp-Herberger-Stiftung war nach SWR-Informationen nicht informiert über den geplanten Schritt Dagmar Eckels, den Nachlass mit Erinnerungsstücken ihres Vaters zur Finanzierung der Pflege ihrer Mutter, versteigern zu lassen.

Sollte das Erbe der Lauterer Ikone mit über 500 Einzelstücken bei dieser Auktion nicht wie gewünscht komplett an einen Bieter gehen, werden die Stücke zehn Tage später noch einmal einzeln angeboten.

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