STAND
AUTOR/IN

Anfang des letzten Jahres wurde der FCK-Torhüter Jan-Ole Sievers in die zweite japanische Liga an den FC Gifu ausgeliehen. SWR Sport erzählt er, wie er die zehn Monate erlebt hat.

Wir treffen Jan-Ole Sievers nach seinem Training in einem gemütlichen Café in Kaiserslautern. Bei Kaffee und Kuchen erzählt er uns von seinen Erfahrungen in Japan.

Raus aus der Komfortzone

Dass ein junges Talent nach Asien wechselt, scheint doch eher ungewöhnlich. Auf die Frage, wie es zu dieser Entscheidung kam, entgegnet er: "Es ging alles relativ schnell. Ich hatte Lust auf ein Abenteuer, um mal aus meiner Komfortzone rauszukommen und diese Option hat sich dann einfach geboten." Am Anfang freut er sich auf die Herausforderung und die Möglichkeit, neue Menschen und eine andere Kultur kennenzulernen. Als er dann aber ganz alleine am Flughafen-Gate sitzt, wird ihm erst richtig bewusst, dass er die nächsten zehn Monate viele tausend Kilometer von seiner Heimat entfernt sein wird.

Trainingsalltag und Leben neben dem Platz

Angekommen am anderen Ende der Welt muss sich der FCK-Keeper erst mal umgewöhnen: Das Training beim japanischen Zweitligisten findet nur einmal täglich, dafür aber zweieinhalb Stunden oder sogar noch länger statt. Nach einer solchen Trainingseinheit bei teilweise schwer erträglichem Klima ist er oft fix und fertig. Auch abseits des Platzes ist es zunächst nicht einfach: Überraschend ehrlich spricht er von anfänglicher Einsamkeit, Schwierigkeiten beim Einkaufen und großen Sprachbarrieren. Lachend erzählt er, wie er mit seinem Handy durch den Supermarkt lief und verzweifelt versuchte, die japanischen Schriftzeichen auf den Produkten zu verstehen.

Familienbesuch und internationale Freundschaften

Regelmäßig hat er Besuch von seiner Familie, seiner Freundin und Bekannten. So vergeht die Zeit zunächst schneller, weil er sich immer auf den nächsten Besuch freuen kann. Trotzdem sind die ersten Monate auch hart: "Abends auf der Couch zu sitzen und zu wissen: Es sind immer noch acht Monate... das hat mich manchmal schon ein wenig verzweifeln lassen." Später trifft er sich regelmäßig mit einem Franzosen und einem Neuseeländer aus seinem Team, zum Beispiel zum gemeinsamen Monopoly spielen. Begeistert zeigt er uns außerdem Bilder von einem verlassenen türkis-blauen Fluss, an dem er mit seinen neuen Freunden Schildkröten beobachtet hat.

Vergleich mit Japan verdeutlicht Oberflächlichkeit im deutschen Fußball

Als wir ihn fragen, was Jan-Ole Sievers aus seiner Zeit in Japan mitnimmt, sind wir überrascht. Er erzählt uns, dass es in Japan verpönt sei, mit einer Rolex am Arm oder im Porsche am Trainingsgelände vorzufahren. Dadurch sei ihm aufgefallen, wie oberflächlich der Fußball in Deutschland ist. "Seit meiner Zeit dort weiß ich die Einfachheit und Bodenständigkeit mehr wertzuschätzen. Selbst wenn man dort sehr reich ist, muss man es nicht nach außen zeigen. Auch die erfahrenen, berühmten Nationalspieler waren super normal, sodass man sich ganz normal mit ihnen unterhalten konnte."

Verständnisvolle Fans machen Mut

Als er letztendlich mit dem FC Gifu absteigt, bewundert er die Reaktion der Fans, die sehr respektvoll mit dem Scheitern ihrer Mannschaft umgehen. "Sie sind nicht auf die Barrikaden gegangen oder haben versucht, uns dadurch runter zuziehen. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass die Fans dort vielleicht nicht so 'agressiv' sind wie hier." Insgesamt ist der 25-Jährige stolz auf seine persönliche Weiterentwicklung und kann sich weitere Auslandsaufenthalte in seiner Karriere gut vorstellen.

STAND
AUTOR/IN