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Der 1. FC Kaiserslautern hat die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Boris Schommers sowie Co-Trainer Kevin McKenna beendet. Das gab der Verein in einer Pressemitteilung am Dienstagmittag bekannt.

Der Saisonstart lief alles andere als optimal: Schwache Spiele im Verbandspokal, DFB-Pokal-Aus, 0:1 Drittligaauftakt gegen Dynamo Dresden und ein ernüchterndes 0:3 gegen Aufsteiger Türkgücü München. Dennoch kommt die Beurlaubung nach gerade mal zwei Spieltagen überraschend, offenbar auch für Boris Schommers, der sich Sonntagabend gegenüber SWR Sport noch optimistisch zu seiner Zukunft am Betze geäußert hatte: "Ich glaube, dass wir intern Ruhe bewahren werden. In der letzten Woche hat man es ja auch deutlich gesehen. Da gab es eine Äußerung, eine vermeintliche Äußerung und alle anderen in den Gremien haben ja die Ruhe gewahrt. Und ich wüsste natürlich jetzt nicht, warum wir das jetzt ändern sollten. Wir sind drei Tage weiter, wir haben ein Spiel mehr verloren, richtig. Aber das ändert ja nichts an der Arbeit."

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"Sind nicht auf einen Nenner gekommen"

Die Entscheidung gegen Schommers sei den Verantwortlichen sehr schwer gefallen, so FCK-Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt in einer Pressemitteilung. Insbesondere "da Boris Schommers und Kevin McKenna in den vergangenen Monaten enorme Energie und Kraft in ihre Arbeit und den FCK gesteckt haben. Das Spiel in München hat uns alle hart getroffen und wir haben im Anschluss eine umgehende Analyse der Situation vorgenommen", so Voigt weiter. Die Mannschaft habe sich durch die Themen der letzten Woche beeinflussen lassen und habe auf dem Platz nicht die gewünschte Reaktion gezeigt. "Wir haben viele interne Gespräche geführt, über die Ausrichtung des FCK im sportlichen Bereich, insbesondere die Art und Weise wie wir in der 3. Liga Fußball spielen wollen. Wir sind an dieser Stelle zwischen allen Beteiligten nicht auf den gemeinsamen Nenner gekommen, so dass der Verein einheitlich entschieden hat, in dieser Situation eine Veränderung herbei zu führen“, erklärte Voigt.

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Nach nur zwei Spieltagen hat sich der 1. FC Kaiserslautern von Trainer Boris Schommers getrennt. Die Verantwortlichen des finanziell stark angeschlagenen Drittligisten gestehen damit eigene Versäumnisse ein, kommentiert SWR-Sportredakteur Johann Schicklinski.  mehr...

Boris Schommers war im September 2019 als Nachfolger von Sascha Hildmann zum Betzenberg gekommen. Während seiner Amtszeit erlebte der Verein sowohl erfolgreiche Phasen als auch längere sieglose Serien. Meist blieb der FCK abstiegsgefährdet. Beim Neustart nach der Corona-Zwangspause sicherte sich der FCK unter Schommers mit sechs Siegen in den letzten elf Spielen immerhin noch Tabellenplatz 10. Bei Teilen der Fans hatte Schommers aber einen schweren Stand, erst recht nachdem Vereins-Ikone Gerry Ehrmann nach einem Streit mit dem Trainer gehen musste.

Fussball | 3. Liga Zwölf in einem Jahrzehnt: Die Trainer des 1. FC Kaiserslautern

Marco Kurz: Juni 2009 bis März 2012 (Foto: Imago, Contrast)
Marco Kurz - Juni 2009 bis März 2012: Kurz übernahm die Roten Teufel in der 2. Liga und schaffte gleich in der ersten Saison den Aufstieg. Er konnte weiter auf der Euphoriewelle schwimmen und holte bei seiner Bundesliga-Premiere Tabellenplatz sieben. Nach 16 sieglosen Spielen am Stück wurde Marco Kurz eine Saison später beurlaubt. Trotzdem steht sein Name für die letzte erfolgreiche Zeit des FCK. Imago Contrast Bild in Detailansicht öffnen
Krassimir Balakov - März 2012 bis Mai 2012: Seine Mission bei Amtsantritt war, den drohenden Abstieg zu verhindern. Er galt als Hoffnungsträger, man sicherte ihm zu, auch bleiben zu können, wenn der FCK absteigt. Die Chance bekam er nicht, weil sein angekündigter Neuaufbau der Mannschaft scheiterte: Nach nur 57 Tagen wurde Balakov gefeuert. Der FCK stieg als Tabellenletzter sang und klanglos ab. Imago Heuberger Bild in Detailansicht öffnen
Franco Foda - Mai 2012 bis August 2013: Für die anschließende Saison 2012/13 kam Foda und übernahm die Lauterner in Liga zwei. Das Motto der FCK-Verantwortlichen: "Erste Liga, wir kommen." Das schaffte der frühere FCK-Profi nicht ganz, denn er verlor die Relegation gegen die TSG Hoffenheim. Stehen blieb für ihn am Ende Rang drei. Nach nur fünf Spielen in der nächsten Spielzeit wurde er entlassen, Grund: Das Verhältnis zur Mannschaft habe nicht mehr gestimmt. Imago GEPA Pictures Bild in Detailansicht öffnen
Kosta Runjaic - September 2013 bis September 2015: Als Co-Trainer hatte er bereits am Betzenberg gearbeitet, als Runjaic übernahm, war der FCK im Tabellenmittelfeld der zweiten Liga. Runjaic ist der letzte Trainer, der mehr als zwei Spielzeiten an der Seitenlinie stand, den Aufstieg schaffte aber auch er nicht. Nach nur einem Punkt aus vier Spielen in seiner letzten Saison 2015/16 musste auch Runjaic den Platz räumen. Imago Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Konrad Fünfstück - September 2015 bis Mai 2016: Der Trainer der Lauterner U23 wurde sofort nach Runjaics Entlassung zu den Profis hochgezogen. Ein Regionalliga-Trainer war nun Coach in der zweiten Bundesliga. Allerdings für nicht einmal eine Saison. Nach einer Serie von fünf verlorenen Pflichtspielen in der Rückrunde und schlussendlich Platz zehn, wurde Fünfstück entlassen. Die FCK-Verantwortlichen erhofften sich frischen Wind für die kommende Saison. Imago Zink Bild in Detailansicht öffnen
Tayfun Korkut - Juli 2016 bis Dezember 2016: Er hatte nach seiner Übernahme im Gegenteil zu vielen folgenden Trainern die Chance, mit der Mannschaft die Saison 2016/17 vorzubereiten. Der gebürtige Stuttgarter war die erste Wahl der Verantwortlichen, er sah den Verein eigentlich in der Bundesliga. Nach einem schlechten Saisonauftakt führte Korkut die Lauterner zur Winterpause wieder aus der Abstiegszone – und kündigte dann völlig überraschend kurz nach Weihnachten seinen Vertrag. Imago Martin Hoffmann Bild in Detailansicht öffnen
Norbert Meier - Januar 2017 bis September 2017: Der Routinier war der vierte Trainer beim FCK innerhalb von 18 Monaten, als er im Jahr 2017 den Betzenberg betrat. Meier galt als ein gestandener Coach mit viel Erfahrung. Seine erste Spielzeit beendete er im Tabellenmittelfeld, danach erging es ihm wie vielen seiner Vorgänger: Katastrophaler Saisonstart mit nur zwei Punkten aus sieben Partien. Es folgte: die Entlassung. Imago Thomas Frey Bild in Detailansicht öffnen
Jeff Strasser - September 2017 bis Januar 2018: Schon als Spieler lief der Luxemburger für den FCK auf, nun sollte er die Lauterner vor dem Abstieg bewahren. Aber die Gesundheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Beim Spiel gegen Darmstadt musste er behandelt werden, die Schock-Diagnose: Herzrhythmus-Störungen. Strasser musste mehrere Wochen pausieren und legte schlussendlich sein Amt im Januar nieder. Imago Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
Michael Frontzeck - Februar 2018 bis Dezember 2018: Frontzeck sollte mit Ruhe und Souveränität am Betzenberg punkten. Erfolgreich war er nicht, die Saison beendete der FCK auf dem letzten Platz - der Abstieg in die 3. Liga war besiegelt. Trotzdem hielten die Verantwortlichen an ihm fest, er sollte den Wiederaufstieg schaffen. Nach drei Niederlagen in vier Spielen der folgenden Saison musste aber auch Frontzeck gehen – das "schwierige Umfeld" wie Frontzeck es nannte, wurde ihm zum Verhängnis. Imago Karina Hessland Bild in Detailansicht öffnen
Sascha Hildmann - Dezember 2018 bis September 2019: In Kaiserslautern aufgewachsen, für die Roten Teufel in den Nachwuchsmannschaften aufgelaufen: Hildmann kannte den Verein, er sollte Emotionalität in die Mannschaft bringen. Nach einer Saison in der 3. Liga, die er auf Rang neun abschloss, war aber auch bei ihm Schluss. Wie so oft hinkte der FCK beim Auftakt der neuen Spielzeit den Erwartungen hinterher und Hildmann musste nach neun Punkten aus acht Spielen gehen. Imago Picture Point Bild in Detailansicht öffnen
Boris Schommers - September 2019 bis September 2020: Schommers übernahm als weitgehend Unbekannter den Job am Betzenberg, obwohl er zuvor für vier Monate Interimstrainer beim 1. FC Nürnberg war. Er schreckte auch vor System-Umstellungen und unangenehmen Personalentscheidungen nicht zurück, machte sich mit dem Rausschmiss von Gerry Ehrmann bei den Fans unbeliebt. Nach der gescheiterten Mission Wiederaufstieg und einem schlechten Saisonstart wurde er entlassen. Imago Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
Jeff Saibene - von Oktober 2020 an: Der Luxemburger ist neuer Trainer auf dem Betzenberg und soll den FCK an die Spitze der 3. Liga führen. Der 52-Jährige hat Zweitliga-Erfahrung, er coachte in den vergangenen Jahren unter anderem Arminia Bielefeld und in der vergangenen Saison den FC Ingolstadt. Imago VIADATA Bild in Detailansicht öffnen

Trares als Nachfolger im Gespräch

Als möglicher Nachfolger des glücklosen Schommers könnte Bernhard Trares bei den Roten Teufeln übernehmen. Der 55-Jährige war zuletzt Trainer von Waldhof Mannheim, den er in die dritte Liga zurückführte. Im Juni 2020 endete sein Vertrag - in "beiderseitigem Einverständnis".

Fußball | 3. Liga FCK-Coach Boris Schommers trotzt den "Giftpfeilen in Richtung Betzenberg"

Der 1. FC Kaiserslautern will den Fehlstart unbedingt vermeiden: Nach dem Aus im DFB-Pokal gegen Zweitligist Jahn Regensburg und der Drittliga-Auftaktniederlage gegen Dynamo Dresden stehen die Roten Teufel bei Türkgücü München (Sonntag, 14 Uhr) unter Erfolgsdruck. Das bekommt auch Trainer Boris Schommers zu spüren, der genervt von einer vermeintlichen Diskussion um seine Person ist.  mehr...

Fußball | 3. Liga FCK zu schwach für Aufsteiger Türkgücü

Der 1. FC Kaiserslautern hat den Saisonstart vermasselt. Nach der Niederlage gegen Dynamo Dresden musste sich der FCK auch Aufsteiger Türkgücü München geschlagen geben.  mehr...

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