Wollen die Leistungen der Hinrunde auch in der Rückrunde bestätigen: Die Profis des 1. FC Kaiserslautern (Foto: IMAGO, Kirchner-Media)

Fußball | 2. Bundesliga

Teamcheck: FCK will Hinrunden-Höhenflug fortsetzen

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Florian WInkler

29 Punkte und Tabellenplatz vier - damit hat beim Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern keiner gerechnet. Jetzt muss der FCK beweisen, dass die Hinrunde kein Zufall war. 

So lief die Hinrunde:

Nach der erfolgreichen Relegation überzeugt der FCK auch bislang in der 2. Bundesliga. Die beiden Entscheidungsspiele gegen Dynamo Dresden um den Aufstieg brachten im Club aus der Pfalz einiges in Bewegung. Der Erfolg gegen die Sachsen war die Basis für die aktuell starke Hinrunde. "Wir haben durch die Relegation gemerkt, dass wir etwas bewegen können und auch gegen vermeintlich stärkere Gegner nicht chancenlos sind", erklärt FCK-Trainer Dirk Schuster. Der Startschuss für eine beachtliche Hinrunde mit 29 Punkten und Tabellenplatz vier war der Auftaktsieg gegen Hannover 96. Das Saisonziel Klassenerhalt ist nur noch elf Punkte entfernt. Dazu kassierten die Roten Teufel als Aufsteiger nur zwei Niederlagen, zeigten immer wieder Moral und Comebackqualitäten nach Rückständen.

Einsatzbereitschaft und Kampfgeist stimmen in der Mannschaft, die sich als geschlossene Einheit auf und neben dem Platz präsentiert und vor allem in der Offensive mit 29 Treffern zu überzeugen weiß. Ein weiterer Faktor ist der sehr stark gewachsene Zusammenhalt mit den Fans. Sie unterstützen ihr Team bedingungslos - im heimischen Fritz-Walter-Stadion, aber besonders auch auswärts.

 Wer kommt, wer geht:

Bislang zeigt sich der FCK in der Winter-Transferperiode eher zurückhaltend. Es gibt aufgrund der aktuellen sportlichen Situation auch wenig Gründe, in Hektik oder Aktionismus zu fallen. Geschäftsführer Thomas Hengen betont zurecht, dass "die Kaderhygiene stimmen muss." Zuletzt wurde daher der Fokus auf diverse Vertragsverlängerungen wichtiger Leistungsträger wie Marlon Ritter, Kenny Redondo oder Boris Tomiak gelegt. Dass die Pfälzer nach der Leihe von Nicolai Rapp von Werder Bremen nochmal auf dem Transfermarkt aktiv werden, will Lauterns Trainer Dirk Schuster aber auch nicht ausschließen: "Wir sind jetzt nicht massiv auf der Suche. Es müssen verschieden Komponenten passen, sozial und sportlich. Und wirtschaftlich muss es natürlich auch passen. Wintertransfers sind deutlich schwerer zu bewältigen als im Sommer. Wir sondieren den Markt, und wenn uns noch etwas vor die Flinte laufen sollte, werden wir darüber nachdenken."

Dazu freut man sich in der Pfalz über die Fortschritte von Offensivmann Ben Zollinski. Der 30-jährige Stürmer ist nach seinem Kniescheibenbruch zum Saisonauftakt wieder voll im Training. Dagegen spielen René Klingenburg, Maximilian Hippe, Anas Bakhat und Muhammed Kiprit in den Zukunftsplanungen des FCK keine Rolle mehr. Sie waren nicht mit dabei im Trainingslager in Belek und dürfen sich einen neuen Club suchen - bislang allerdings erfolglos.  Falls einer dieser Spieler Kaiserslautern noch verlässt, könnte man in der Pfalz eventuell doch noch auf dem Transfermarkt aktiv werden.

Der Trainer:

„Bodenständig bleiben“, so lautet die Devise von FCK-Trainer Dirk Schuster. Im emotional oft überladenen Kaiserslautern hilft und half diese Art den Roten Teufeln, wieder den Fokus auf das Sportliche zu legen und erfolgreich zu sein. Der 55-Jährige lässt sich aufgrund seiner Erfahrung (u.a. Trainer bei Darmstadt 98 und FC Augsburg) durch nichts aus der Ruhe bringen. Der ehemalige Profi fordert von seinen Spielern vor allem Fleiß und Disziplin. Fitness ist für Schuster die absolute Grundlage, um erfolgreich Fußball zu spielen. Das lebt er auch vor.

Laufeinheiten mit dem Trainer sind für die FCK-Profis eine Herausforderung. Der gebürtige Thüringer ist zudem nahbar, unterhält sich mit den Anhängern der Pfälzer, hört sich deren Themen an und spricht ihnen ein großes Lob aus: "Ich bin ein Fan der Fans geworden. Was hier abgeht, ist einfach fantastisch und habe ich in dieser Form fast noch nie erlebt." Solche Sätze hören sie gerne auf dem Betzenberg. Und trotz des guten Saisonstarts seiner Mannschaft ist eine mögliche Rückkehr in die Bundesliga kein Thema für ihn. "Von der Tradition her gehört der Verein in die Bundesliga. Aber die Zeit in der 3. Liga hat uns alle sehr demütig gemacht", erklärte Schuster vor einiger Zeit in der Sendung SWR Sport. "Auch wenn viele von höheren Zielen träumen, sollten wir bodenständig bleiben. Für uns geht es um den Klassenerhalt."

Erwartungen an die Rückrunde:

Nach der furiosen Zweitliga-Rückkehr des Traditionsclubs ist aber klar, dass die Rückrunde deutlich schwerer werden wird. "Keiner wird uns mehr unterschätzen, die Gegner werden nochmal eine Schippe drauflegen, und es gibt noch die ein oder andere offene Rechnung bei verschiedenen Vereinen", ist sich FCK-Coach Schuster sicher.

Nach dem 4:0-Sieg im Test gegen Regionalligist Rot-Weiß Erfurt zeigte er sich zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. Am Betzenberg wird vor dem Rückrundenstart noch an der Frische und Spritzigkeit gearbeitet. "Wir haben einen sehr ordentlichen Fitnesszustand. Die Mannschaft hat sehr gut gearbeitet, in intensiven, teils harten Einheiten.“ An einigen "taktischen Finessen im Spiel mit dem Ball" und "Automatismen im Spiel gegen den Ball" soll noch gearbeitet werden. Heißt im Klartext: Der FCK ist vor dem ersten Zweitligaspiel des Jahres bei Hannover 96 (Samstag, 28. Januar um 20.30 Uhr) schon gut aufgestellt, doch in der engen 2. Bundesliga gilt es nun, die letzten Prozentpunkte aus dem Team herauszukitzeln.

"Es wird ein ganz hartes Stück Arbeit. Wenn man bedenkt, dass die 2. Liga so brutal ausgeglichen ist, dass immer nur die Kleinigkeiten entscheiden und dass man von der ersten bis zur letzten Minute voll da sein muss. Darauf bereiten wir die Mannschaft weiterhin vor", sagte Schuster. Seine Profis können den Auftakt ins neue Jahr kaum erwarten, wollen unbedingt die starke Hinrunde bestätigen. "Sie sind gewillt, weiter diesen positiven Lauf fortzusetzen“, weiß der Trainer. Ein erfolgreicher Start in die Rückrunde könnte die große Euphorie und Energie rund um den Betzenberg weiter befeuern.

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Florian WInkler

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