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Aufsichtsrat Markus Merk und Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt sind die neuen starken Männer beim 1. FC Kaiserslautern. In der Sendung SWR Sport in Rheinland-Pfalz bezogen sie Stellung zu vielen wichtigen Themen rund um die Roten Teufel.

SWR Sport: Die Stadionfrage ist im Moment die zentrale Frage, wenn es um die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern geht. Wie ist der aktuelle Stand?

Markus Merk: Die Diskussion um das Stadion verhindert den Fortgang unserer Gespräche mit Investoren. Wir müssen jetzt akut die Situation lösen. Das ist die nahe Zukunft. Aber insgesamt, das haben wir immer wieder kommuniziert, lässt sich so ein Problem nicht in einer Woche lösen. Das Stadion wieder dorthin zu holen, wo es hingehört, zum FCK, das ist ein großes Ziel. Auch um das Problem, die Diskussion "FCK-Stadt-Bürger" gesamtgesellschaftlich zu lösen. Da gibt es viele Ansätze. Das lässt sich aber nicht innerhalb weniger Wochen lösen. Jetzt geht es erstmal um unsere Spielstätte für die nächsten zwei Jahre.

Eine wichtige Rolle dabei spielen mögliche Investoren. Was gibt es da für Modelle, die Investoren dazu bringen könnten, dem FCK zu helfen?

Soeren Oliver Voigt: Wir müssen erstmal einen Schritt nach dem anderen machen. Wir brauchen uns jetzt im Moment nicht über die Zurückführung des Stadions oder den Kauf des Stadions durch den FCK beziehungsweise durch Investoren, die am FCK dranhängen, zu unterhalten. Wichtig ist, dass wir die Situation klären, die in der ersten Liga geklärt ist, die in der 2. Liga geklärt ist, die für uns allerdings nicht in der 3. Liga geklärt ist: Die Angemessenheit der Pachtsumme. Und alles, was damit zu tun hat, schreckt am Ende einen Investor ab. Wenn die Pachtsumme 2,9 oder 3,2 Millionen Euro beträgt, dann sind wir nicht konkurrenzfähig. Das wird jeder Investor so sehen, das ist uns von jedem Investor so erklärt worden. Wir halten eine Pacht in Höhe von 425.000 Euro, plus zusätzlich möglicher Summen, für angemessen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
23:35 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Zwei Namen sind immer wieder im Gespräch: Die sogenannten "regionalen Investoren" und Flavio Becca. Zu welchem dieser Investoren neigen Sie mehr?

Markus Merk: Das sind die beiden Namen, die seit mehr als einem Jahr rund um den FCK kursieren. Mit der regionalen Investorengruppe sind wir in einem tollen Einvernehmen, das Lösen der Stadionfrage ist hier Zielpunkt Nummer eins. Wenn wir diese Situation gelöst haben, dann sehen wir uns in einer sehr positiven Zukunft. Name Nummer zwei: Flavio Becca. Wir sind im Gespräch. Und wir haben das immer wieder gesagt: Alle Türen sind offen. Wir verschließen keine Türen. Und im umgekehrten Fall kann ich sagen - auch nach diesen Wochen - es wurde uns von der anderen Seite auch noch keine Türe zugemacht. Das ist ein großes Puzzle, das wir da im Moment zusammenbauen. Und Puzzleteil eins heißt in dieser Woche: Die Stadionfrage lösen.

Wann haben Sie Flavio Becca zuletzt gesprochen?

Soeren Oliver Voigt: Das war in diesem Jahr noch.

Seither ist Ruhe eingekehrt, stimmt das?

Markus Merk: Es gibt immer wieder mal einen Kontakt. Aber es hat auch jeder das Recht zu sagen: Ich möchte abwarten, ich möchte im Moment nicht mit euch sprechen. Wenn sich die Situation ändert, wenn sich ein Sachverhalt wie das Stadion, ändert, dann bin ich sofort wieder dabei. Wir verschließen keine Türen. Das ist ein großes Puzzle, das erste Teil heißt im Moment, das Thema Stadionmiete zu klären. Wir sind mit allen im Gespräch.

Im Streit um eine angemessene Stadionpacht fordert die Stadt Kaiserslautern Aktien als Gegenleistung für einen möglichen Mietnachlass zu bekommen. Der FCK hat dieses Angebot abgelehnt. Warum?

Soeren Oliver Voigt: Es gibt zwei Aspekte. Der eine Aspekt ist der, dass die, mit denen wir im Moment am engsten zusammenarbeiten, die regionalen Investoren, uns ganz klar gesagt haben, dass die Hingabe von Aktien an der Stelle nicht toleriert wird: Sollte der FCK Aktien an die Stadt geben, in Höhe der Differenzsumme von 2,8 Millionen Euro, dann wäre eine Stadionpacht in Höhe von 3,2 Millionen Euro in Stein gehauen, das würde dann auch den Wert des Unternehmens FCK schmälern. Der zweite Punkt ist letztendlich eher einer für Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, die unisono gesagt haben, dass es ein sehr komplizierter und vor allem sehr risikobehafteter Prozess ist, der dann ausgelöst wird, wenn man einer solchen Systematik zustimmen würde. Daher ist es für uns letztendlich - mehrfach abgewogen - völlig indiskutabel, dieser Forderung zuzustimmen.

SWR Sport: Es gibt auch den Vorschlag, die Aktien erst in einem Jahr zu bekommen, in der Zeit eine Art Soli einzuführen: Ein Euro pro Zuschauerticket.

Markus Merk: Verschiebt die Problematik um ein Jahr. Die Meinung der Investoren bleibt die gleiche: Ein absolutes No-Go!

Was wird im Streit mit der Stadt Kaiserslautern von Ihrer Seite in den kommenden sechs Tagen noch passieren, was können Sie der Stadt anbieten? Kommt da noch was?

Soeren Oliver Voigt: Wir werden jetzt weiter daran arbeiten, einen Konsens zu erzielen. Wir haben aber auch in der Vergangenheit schon klar gemacht, dass der Spielraum, den wir haben, sehr gering ist. Das muss man ganz klar so sagen. Im Moment, jeder kennt den Zustand des Klubs. Wenn wir da anfangen über klassische Bewertungsmaßstäbe zu sprechen, dann werden wir alle nicht glücklich werden. Dementsprechend arbeiten wir sicherlich nochmal daran, unsere Überlegungen noch einmal sehr ausführlich darzustellen und es allen zur Verfügung zu stellen, den Ratsfrauen und Ratsherren, denn das sind diejenigen, die am Samstag abstimmen werden.

Ist die Lizenz für die kommende Saison gesichert? Und stimmt es, dass der FCK dafür zwölf Millionen Euro benötigt?

Soeren Oliver Voigt: Wir werden natürlich einen Betrag X brauchen, den will ich jetzt aber nicht öffentlich definieren. Wir sind in einer Situation, in der wir in der 3. Liga einen hohen Verlust machen. Das Eigenkapital wird aufgezehrt sein. Einfach gesagt: Wir haben nichts mehr auf dem Konto. Ab dem 1. Juli, mit dem Start der neuen Saison, haben wir aber neue Ausgaben, müssen die Mannschaft bezahlen, die wir perspektivisch konkurrenzfähig halten wollen, damit wir in der Lage sind, den Aufwärtstrend umzusetzen. Diese sportliche Perspektive ist übrigens auch ein ganz wichtiges Thema für die Investoren. Die werden wir in den Gesprächen brauchen. Und wenn wir keine Lizenz bekommen, dann werden wir auch keine Investoren haben. Die zentrale Frage bleibt die Stadionpacht. Entscheidend ist, dass wir hier eine angemessene Lösung finden. Dadurch werden alle weiteren Probleme, die in den nächsten Monaten auftreten, gelöst werden können. Wenn das gelingt (eine aus Sicht des FCK angemessene Stadionpacht), dann werden wir eine Lizenz bekommen. Im ersten Schritt sicherlich mit Bedingungen und Auflagen. Damit haben wir dann etwas mehr Zeit gewonnen, können diesen Fragenkatalog, der auf uns zukommen wird, beantworten. Wir haben außerdem Zeit Gespräche mit Investoren zu führen. Und wenn wir dieses Licht am Ende des Horizonts haben, dann wird es so sein, dass wir auch ordentlich weiterarbeiten können.  

Der FCK ist im Jahr 2020 immer noch ohne Sieg. War's das mit dem Ziel, dass es möglicherweise noch gab, Aufstieg 2020?

Markus Merk: Man muss sich immer Ziele setzen, aber nach den ersten Spielen nach der Winterpause ist uns allen klar, dass die Punktausbeute nicht reicht, da haben wir uns mehr erhofft. Aber die Mannschaft hat Potenzial und ist entwicklungsfähig. Darauf gilt es jetzt in den nächsten Wochen und Monaten aufzubauen, jeden einzelnen Spieler weiterzuentwickeln, damit wir unseren kurzfristigen Ziele erreichen können. Das heißt, dass wir planen, in den nächsten ein, zwei Jahren anzugreifen. Wir wollen und können nicht zufrieden mit der 3. Liga sein.

Vor allem die jungen, die eigenen Spieler wie Schad, Grill, Kühlwetter haben Begehrlichkeiten geweckt. Können denn bei Nichtaufstieg alle Leistungsträger gehalten werden?

Soeren Oliver Voigt: Das muss sich entwickeln. Wir wollen die begehrten Spieler auf jeden Fall halten. Die aktuelle Mannschaft ist die Truppe, mit der wir planen aufzusteigen. Das geht nicht von heute auf morgen, das erfordert Zeit, aber das Potenzial ist da. Vor dreieinhalb Monaten standen wir noch auf einem Abstiegsplatz - von daher braucht es Zeit für diese Entwicklung.

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