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Der Insolvenz-Antrag des 1. FC Kaiserslautern ist keine große Überraschung. Er ist die bittere - aber logische - Konsequenz aus jahrzehntelanger Misswirtschaft, fatalen sportlichen Fehleinschätzungen, Intrigen und Grabenkämpfen. Ein Kommentar von SWR-Sport-Redakteur Bernd Schmitt.

Fritz Walters Erben haben versagt. Der stolze Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern hat sich selbst demontiert. Er ist dabei Spekulanten, Selbstdarstellern und Blendern zum Opfer gefallen. Der FCK ist pleite. Der Verein erlebt seine schwersten Stunden in seiner langen wie ruhmreichen Geschichte. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Roten Teufel ihren 120. Geburtstag feiern, den 100. Geburtstag ihrer Ikone Fritz Walter zelebrieren und auch das nach ihm benannte Stadion 100 Jahre alt wird.

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Die Insolvenz als historische Chance

In dem jetzt beantragten Insolvenzverfahren liegt eine historische Chance. Der 1. FC Kaiserslautern kann sich mit einem Schlag von allen Schulden befreien, kann tatsächlich wieder bei Null anfangen Und das - die Corona-Krise macht es möglich - ohne sportliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Jetzt gilt es mit eisernem Besen auskehren. In allen Bereichen. Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und sein Beiratsvorsitzender Markus Merk dürfen auf nichts mehr Rücksicht nehmen. Wer sportlich versagt hat oder nicht genug Einsatz gezeigt hat, muss gehen. Und sie müssen genau überlegen, wie sie die in langen Bundesliga-Jahren aufgeblähten Strukturen des Vereins besser an die Realität 3. Liga anpassen können. Jede einzelne Position muss auf den Prüfstand.

Seilschaften zerschlagen

Voigt und Merk müssen aber auch die Kraft, den Mut und die Entschlossenheit aufbringen, die Seilschaften im FCK-Dunstkreis zu zerschlagen, die diesen Traditions-Verein seit Jahrzehnten fernsteuern - und damit lähmen. Klein-Investoren oder Klein-Sponsoren etwa, die sich mit ihrer Unterstützung Einfluss und Macht erkaufen, ihren Geltungsdrang befriedigen, Medien instrumentalisieren, die Stimmung vergiften, den Verein spalten.

Die Machtkämpfe im Aufsichtsrat im Jahr 2019, die den FCK bundesweit sehr viel Reputation gekostet und der Lächerlichkeit preisgegeben haben, waren der traurige Höhepunkt dieses Zustandes. Sie waren der direkte Weg in die Insolvenz, der letzte Sargnagel. Die neue FCK-Führung muss den Mut haben auf das Geld dieser Leute zu verzichten, auch mit dem Risiko einer langsameren sportlichen Entwicklung. Sonst wird es keinen Frieden mehr geben in diesem gespaltenen Verein.

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Aufbruch in bessere Zeiten

Stattdessen müssen die Bosse das gigantische Fanpotenzial des Traditionsklubs wieder aktivieren, engagierte Menschen einbinden, denen es um die Sache und weniger um Einfluss und Macht geht. Es gibt sie. Viele stehen bereit. Einige auch mit dem nötigen Geld. Nur so kann der Neuanfang, kann der Aufbruch in bessere Zeiten gelingen. Ein "Weiter so" kann es nach dem Insolvenzantrag nicht mehr geben.

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