Mitten im Abstiegskampf der 3. Fußball-Liga hat sich der 1. FC Kaiserslautern mit sofortiger Wirkung von Sportdirektor Boris Notzon getrennt (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | Meinung

FCK-Sportdirektor Boris Notzon: Der Sündenbock ist weg!

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Das Großreinemachen beim 1. FC Kaiserslautern geht weiter. Am Mittwoch hat der Verein seinen Sportdirektor Boris Notzon mit sofortiger Wirkung freigestellt. Nicht wirklich überraschend, nachdem sich der FCK schon von seinem Athletiktrainer Bastian Becker getrennt hatte. Damit ist der Sündenbock weg, findet SWR-Sportredakteur Bernd Schmitt.

Na endlich! Dieser Rausschmiss kommt doch viel zu spät. Boris Notzon ist schließlich an allem schuld. Seitdem er vor sieben (!) Jahren beim FCK anfing, geht es doch nur noch bergab. Notzon hat wirklich alles falsch gemacht. Schlechte Spieler geholt, unfähige Trainer verpflichtet, jedes Jahr einen Millionenetat sinnlos versenkt. Dieser Versager.  Der Abstieg in die 3. Liga: alleine sein Werk! Und sollte es tatsächlich in der Regionalliga enden, dann ist daran auch nur er ganz alleine schuld. Schluss, aus, fertig. Danke und Tschüss.

Keiner hat sich vor ihn gestellt

So ähnlich jedenfalls ist es, wirklich nur kurz zusammengefasst, in den sozialen Netzwerken zu lesen. Seit Wochen, nein seit Monaten, ist der geschasste FCK-Sportdirektor für alles der Sündenbock. Keiner hat sich vor ihn gestellt, aber mancher hat sich hinter ihm versteckt. Und andere haben sogar hinter seinem Rücken als sportlich Verantwortliche agiert. In seinem ureigensten Zuständigkeitsbereich, ohne ihn zu informieren. Notzon war die Zielscheibe der Fans, alle Kritik machte sich an seiner Person fest, nach jedem nicht gewonnenen Spiel war er der Blitzableiter.

Nicht nur Täter, sondern auch Opfer

Nein, so einfach funktioniert Fußball nicht, so einfach funktioniert der ganze Profisport nicht. Boris Notzon ist nicht nur Täter, er ist auch Opfer. Denn häufig genug war er nur ausführendes Organ, Befehlsempfänger, hatte nichts zu entscheiden. Jahrelang musste der FCK seine besten Spieler nach jeder Saison verkaufen, weil das Geld nicht reichte, der finanzielle Zusammenbruch drohte.

Natürlich hat Boris Notzon Fehler gemacht, das gibt er sogar freimütig zu. Er ist ganz sicher für einen hohen Millionenschaden mitverantwortlich, weil kaum ein FCK-Profi nach dem Zweitligaabstieg einen Vertrag für die 3. Liga hatte, und alle guten Spieler ohne Ablöse gehen konnten. Und natürlich hat er auch Spieler, die er für viel Geld geholt hat, falsch eingeschätzt. Keine Frage.

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Viele Fehler - nicht nur von Notzon

Aber: Wer hat denn vor dem Zweitligaabstieg die Trainer Norbert Meier und Michael Frontzeck verpflichtet? Notzon nicht. Das waren Sportdirektor Uwe Stöver und Sport-Geschäftsführer Martin Bader. Und wer hat den Kader für die erste Drittliga-Saison zusammengestellt? Notzon nicht, auch das war Bader. Und wer war für den teuersten Flop im Kader, Lucas Röser, verantwortlich? Notzon? Nein, auch Bader!

Und wer ist für diese Katastrophensaison verantwortlich? Hat Notzon tatsächlich diesen Kader zusammengestellt, oder hat er nur die Wünsche von Trainer Schommers umgesetzt? Hat Notzon entschieden, dass Schommers trotz bekannter Probleme mit der Mannschaft bleibt? Hat er entschieden, ihn dann schon nach zwei Spieltagen doch zu entlassen? Hat Notzon Jeff Saibene verpflichtet? Hat er in der Winterpause zwei Spieler geholt, die bis jetzt im Prinzip Null in Erscheinung treten?

Die Antwort auf diese vielen Fragen lautet schlicht: Nein, hat er nicht! Viele sportliche Entscheidungen beim FCK fallen mittlerweile auf anderen Ebenen, teilweise sogar außerhalb des Vereines, im Bereich der Investoren.

Trotz allem die richtige Entscheidung

Trotzdem: Ich meine, es ist eine richtige Entscheidung, dass der 1. FC Kaiserslautern und Boris Notzon getrennte Wege gehen. Zu viel ist schief gelaufen, zu toxisch ist die Stimmung intern. Für beide ist ein Abschied das Beste. Auch weil es sich der 1. FC Kaiserslautern tatsächlich nicht leisten kann, in der 3. Liga zwei hochbezahlte hauptamtliche Sportfunktionäre zu bezahlen. Und in der drohenden Regionalliga schon gar nicht. Die Verantwortung liegt nun auf den Schultern des neuen Sportgeschäftsführers Thomas Hengen. Der muss es richten. Ganz alleine. Die Sündenböcke sind jetzt alle weg.

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