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Nach der Entscheidung für das Angebot der regionalen Investoren und gegen die Offerte der sogenannten "Dubai-Gruppe", gehen die Diskussionen beim 1.FC Kaiserslautern weiter. Auf der einen Seite der Aufsichtsratsvorsitzende der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA, Jörg E. Wilhelm, auf der anderen dessen Aufsichtsratkollegen und die FCK-Vereinsführung. Ein Kommentar von SWR Sportreporter Stephan Mai

Seid ihr eigentlich noch zu retten?

Der 1. FC Kaiserslautern steht vor dem Abgrund. Bildlich gesprochen: Es ist wie eine Klettertour im Hochgebirge. Das Hauptseil ist längst gerissen. Die Masse hängt nur noch an einem dünnen Rettungsseil. Und anstatt sich abzusichern und gemeinsam an diesem einen Strang zu ziehen, um den wuchtigen Körper in Sicherheit zu bringen, streiten sich die selbsternannten Helfer bis aufs Messer darüber, wer jetzt ziehen darf. Die Rettung gibt es aber nur, wenn alle gemeinsam ziehen.

Es ist absurdes Theater - wieder einmal. Die Außenwirkung: eine Vollkatastrophe. Selbst wenn ein Fußballverrückter mit zu viel Geld am maroden Betzenberg einsteigen möchte, bei diesem Bild, dass der FCK derzeit abgibt, muss er schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er es wirklich tut.

Da sitzt der Aufsichtsratsboss Senator h.c. Prof. Dr. Jörg E. Wilhelm, dem die anderen Entscheidungsträger ganz offensichtlich nicht mehr vertrauen können, in der Schweiz und twittert sich einen Trump. Konterkariert alle Prozesse, die die Kollegen um Markus Merk und Geschäftsführer Soeren Oliver Vogt gemeinsam mit dem vom Gericht bestellten, unabhängigen Sachwalter und dem Gläubigerausschuss in Gang zu setzen versuchen, weil er sich ausgebootet fühlt und ihnen eine Hinterzimmer-Diplomatie vorwirft. Und nun schlägt der Verein zurück und droht mit Anwalt und Rausschmiss.

Merk und Co. haben am Mittwoch eine Entscheidung verkündet, dass eine Gruppe regionaler Investoren beim FCK einsteigen soll. Einen vertragsreifen Abschluss gibt es nicht. Nur eines scheint sicher: Mit dem dubiosen Investor aus Dubai möchten sie nicht zusammenarbeiten. Sie wissen so gut wie nichts über ihn und wollen einem Unbekannten keine 75 Prozent der Anteile verkaufen. Wie viel Geld geboten wurde ist zudem unklar. Kolportiert werden Beträge zwischen 20 und 35 Millionen Euro.

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Der potentielle Investor, es soll sich um einen deutschen Geschäftsmann handeln, wolle zudem Einfluss nehmen auf die sportliche Ausgestaltung beim Traditionsverein. Es gäbe sogar ein Team von erstklassigen Experten, die von heute auf morgen einsteigen könnten, heißt es. Da erstklassige Experten in der Regel in Lohn und Brot stehen ist diese Version zumindest zweifelhaft. Dies könnte aber auch ein Grund für die Verweigerungshaltung sein, mit diesem Mann zu verhandeln. Wer erzählt da die Wahrheit? Ich weiß es nicht. Die Fans jedenfalls hat diese Diskussion gespalten. In die Einen, die auf der Seite von Markus Merk stehen, diejenigen, die den Aufsichtsrat und seine Pläne für den neuen Messias halten und die, die von den ganzen Streitereien die Nase mehr als voll haben. Der FCK 2020: Pleite, gespalten und zerstritten.  

Letztendlich ist es immer wieder das gleiche schlechte Spiel am Betzenberg. Eine neue Führungscrew kommt mit viel Tamtam und Getöse ins Amt und wird dann von einigen Kräften in und um den Verein im Laufe der Zeit demontiert. Diesmal zerlegt man sich sogar innerhalb des eigenen Teams. Wenn sich das nicht ändert, dann ist der FCK wirklich nicht zu retten.

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