Jubelnde FCK-Fans nach dem geschafften Aufstieg (Foto: IMAGO, Jan Huebner)

Meinung

Der Aufstieg des FCK: Wie ein emotionaler Donnerhall

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Florian Winkler

Der 1. FC Kaiserslautern steigt in die 2. Liga auf und weckt die Hoffnung, dass es mit den Roten Teufeln wieder aufwärts geht. Wie sich nach Abpfiff alle Emotionen entladen, zeigt die Wucht aber auch die Wertigkeit des Vereins, meint SWR Sportreporter Florian Winkler.

Es ist kurz nach halb elf am Dienstagabend. Ich sehe jubelnde FCK-Profis, weinende Lauterer Fans, einen erlösten Sportchef Thomas Hengen. Geschafft! Und auch ich denke darüber nach, was für eine Reise diese Saison war, für diesen Club, den ich schon lange als Reporter begleite. Schon Wahnsinn. Die Bilder sind Emotion pur – durch den Bildschirm spürt man die Freude und vor allem die Erleichterung. Für den FCK, diesen großen Traditionsverein, endet eine vierjährige Leidenszeit in der Drittliga-Tristesse.

Dann klingelt mein Telefon. Mein guter Freund aus Kaiserslautern, Betze-Fan seit Kindesbeinen, ist dran. Glückselig und völlig euphorisiert. "Wir haben es geschafft... ist das geil! Isch kennt' groine" (pfälzisch für weinen), jubelt er ins Telefon. Jetzt habe auch ich ein wenig Gänsehaut.

Die Wucht des pfälzischen Traditionsclubs

Es sind diese Momente, in denen man merkt, welche Wucht dieser Verein aus der Pfalz entwickeln kann. Welche Verbundenheit, fast schon Abhängigkeit, seine Anhänger mit ihm haben. In den vergangenen Jahren war es für seine Fans eine Leidenszeit. Besonders in der Phase, in der der Verein fast Pleite ging und auch noch der Absturz in die Regionalliga drohte. Auch ich ertappte mich dabei, dieses pfälzische "Fußball-Ungetüm", dass dem Abgrund entgegentaumelte, fast abzuschreiben. Die tristen Geisterspiele, die man als Kommentator auf dem Betzenberg erlebte, verstärkten zeitweise dieses Empfinden.

Marco Antwerpen und Thomas Hengen ebneten den Weg

Umso bemerkenswerter, wie der FCK doch noch seine PS auf die Straße bekam, richtige Entscheidungen traf, mit Ex-Trainer Marco Antwerpen und Sportchef Hengen die personelle Neuaufstellung begann und sogar Stück für Stück Ruhe in den oft unruhigen Verein bekam. Die finanzielle Unterstützung der Investoren tat ihr Übriges. Sportlich erfolgreich und konstant, blühten die Roten Teufel, spätestens nach der Rückkehr der Fans, vollends auf.

Dann der verpatzte Saisonschlusspurt, der direkte Aufstieg wird verpasst, die Mannschaft wirkt verunsichert, Marco Antwerpen muss kurz vor der Relegation gehen. Eine "unpopuläre Entscheidung" nennt Thomas Hengen die Trennung. Die Fan-Seele kocht. Die Angst vor dem Scheitern wächst rund um den Betzenberg. Und doch ist es der richtige Schritt. Der neue Coach Dirk Schuster bringt die Saison doch noch ins Ziel. Spannend und dramatisch, so wie es nur wenige Vereine in Deutschland können. Der Aufstieg ist geschafft. Es spricht für die Profis und Anhänger, dass der große Anteil Antwerpens daran, immer wieder erwähnt wird.

Der FCK ist wieder da! 

Zehntausende singen diese Zeile, immer und immer wieder. Tränen in den Augen, Glückseligkeit im Gesicht, Erleichterung am ganzen Körper. Schon beim Relegations-Hinspiel gegen Dresden auf dem Betzenberg war dieser unbändige Aufstiegs-Wunsch spürbar. Aufgeladene Atmosphäre, extrem viel Energie im Fritz-Walter Stadion. Du sitzt auf deinem Reporter-Platz, blickst in die Westkurve, spürst das Kribbeln und denkst, ja, da steckt definitiv mehr drin als 3. Liga!

Vor dem Anpfiff zündeln die Fans. (Foto: IMAGO, IMAGO/Jan Huebner)
Die Atmosphäre vor dem Relegations-Rückspiel zwischen Dresden und dem FCK ist erstligareif. Beide Fanlager zeigen beeindruckende Choreos. Im Gäste-Block wird allerdings ordentlich gezündelt, so dass sich der Anpfiff um wenige Augenblicke verzögert. IMAGO/Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
Dem Anpfiff fiebern auch diese 7.500 FCK-Fans im Fritz-Walter-Stadion beim Public Viewing entgegen. Schon lange vor der Partie herrscht in Kaiserslautern Partystimmung. Die Anhänger der Roten Teufel sind durchweg optimistisch, dass es mit dem Aufstieg klappt. Bild in Detailansicht öffnen
In einer intensiv geführten ersten Halbzeit schenken sich beide Teams nichts. Wie hier Dresdens Yannick Stark und Lauterns Mike Wunderlich wird um jeden Ball gekämpft. Die besseren Chancen haben allerdings die Dresdner. IMAGO/ Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
In seinem erst zweiten Spiel für Kaiserslautern gibt Coach Dirk Schuster an der Seitenlinie Vollgas. Der 54- Jährige, der mit Darmstadt 2015 den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft hat, versucht sein Team nach vorne zu schreien. Mehr als ein 0:0 ist im ersten Durchgang aber nicht drin. IMAGO/ Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem Seitenwechsel beginnen die Roten Teufel aktiver, erarbeiten sich einige Torchancen. In der 59. Minute zieht Daniel Hanslik nach Vorarbeit von Marlon Ritter und Mike Wunderlich aus 14 Metern ab... IMAGO / Picture Point LE Bild in Detailansicht öffnen
...und trifft per Flachschuss ins kurze Eck zum 1:0 für Lautern! Der Jubel und die Erleichterung bei den Spielern sind riesig. IMAGO / Picture Point LE Bild in Detailansicht öffnen
Danach wird die Partie nickliger. Beide Mannschaften kämpfen weiter und erarbeiten sich Torchancen. Während Dresden diese nicht zum Ausgleich nutzen kann, verwertet Philipp Hercher die Hereingabe von Simon Stehle perfekt und trifft zum 2:0 (90.+2). Die FCK-Fans auf den Rängen rasten aus. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Die Dresdner Anhänger werfen nach dem Treffer Feuerwerkskörper aufs Feld und die Partie muss knapp sieben Minuten unterbrochen werden. Danach kann aber weitergespielt werden und für die Lauterer gibt es nach Abpfiff kein Halten mehr. Nach vier Jahren in der 3. Liga steigen die Roten Teufel in die 2. Bundesliga auf. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen

Umso verständlicher, dass die Freude nach dem Sieg in Dresden ins schiere Unermessliche steigt. Nach zehn Jahren Leidenszeit fällt viel Ballast von der Fan-Seele. Auf den extra angefertigten Aufstiegs-T-Shirts steht "Lautre is widder do". Man ist geneigt zu ergänzen: "Dort, wo ner hie geheern".

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