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Auf der Jahreshauptversammlung wurden die Weichen für die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern gestellt. Das favorisierte Team um Markus Merk wurde mit deutlicher Mehrheit in den Aufsichtsrat gewählt. Der letzte Neuanfang für die Roten Teufel, findet SWR-Sportredakteur Bernd Schmitt.

Es ist der x-te Neuanfang beim 1. FC Kaiserslautern. Und mutmaßlich ist es der Letzte. Denn es gibt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder der Verein findet Geldgeber, die viele Millionen in das Fußball-Kulturgut FCK pumpen, oder Fritz Walters Verein ist pleite.

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Herkulesaufgabe für Markus Merk und sein Team

Gleiches gilt für den neuen Hoffnungsträger Markus Merk. Die "letzte unverbrauchte Ikone des FCK" (Zitat Rainer Kessler, FCK-Aufsichtsratsmitglied) muss ziemlich schnell die Zukunft regeln, hat dafür aber gerade einmal ein paar Wochen Zeit. Entweder Merk und seine vier Mitstreiter schaffen das - oder jener Satz, den der dreifache Weltschiedsrichter auch auf der Jahreshauptversammlung den FCK-Mitgliedern sagte, holt ihn schneller ein, als mancher denkt. "Wer Transparenz fordert, muss auch mit der Wahrheit leben", hatte Merk gesagt. Und die könnte heißen: Insolvenz.

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Viele offene Fragen

Hat das "Team Merk" einen neuen Ankerinvestor? Oder andere Geldgeber? Oder zahlt der bisherige Scheininvestor Flavio Becca tatsächlich mal einen Teil der vollmundig angekündigten 25 Millionen Euro? Fragen, auf die es bisher keine Antworten gibt.

Nächstes Millionen-Defizit droht

Ab morgen wird ein Wirtschaftsprüfer in der FCK-Geschäftsstelle einrücken, denn der neue Aufsichtsrat will möglichst schnell wissen, wie die tatsächliche Finanzlage ist. Denn so viel steht fest: Den Roten Teufeln droht selbst bei weiterem günstigem sportlichen Verlauf für die kommende Drittliga-Saison ein neues, möglicherweise sogar zweistelliges Millionenloch.

Merk und seine Kollegen haben ja schon eines angekündigt: Sie wollen das 2018 bei der Ausgliederung der Fußball-Profi-Abteilung beschlossene Vier-Säulen-Konzept ohne "Wenn und Aber" umsetzen. Das hieße, dass auch die Fans sich Aktien und damit Anteile am Verein kaufen können. Das hieße aber auch, dass für einen Investor mit Alleinherrscheranspruch der Marke Becca kein Platz mehr wäre.

Kein Platz mehr für Selbstdarsteller

Der neue Aufsichtsrat hat nur eine Chance. Er muss alle hinter sich versammeln, denen es tatsächlich um den FCK geht. Für alle anderen ist in diesem Verein kein Platz mehr. Keine Möchtegerninvestoren, keine Spekulanten, keine Selbstdarsteller. Die müssen von Merk und Co. ohne Rücksicht auf Verluste aussortiert werden.

Der FCK braucht schnell ein neues Image: Weg vom Chaosverein, weg von Machtkämpfen, weg von einer amateurhaften Außendarstellung. Hin zu einer professionellen Ansprache an mögliche Investoren, hin zu einer besseren Pflege von Sponsoren, hin zu einem Verein, der auch als ausgegliederte Kapitalgesellschaft für Mitglieder und Fans noch Heimat ist.  Markus Merk kann das schaffen. Er ist das Gesicht, er ist offiziell der Sprecher des Aufsichtsrates. Alle anderen sollen nicht in der Öffentlichkeit erscheinen, sondern im Hintergrund die Weichen stellen. Damit der FCK überlebt.

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