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Der 1. FC Kaiserslautern wird beim Amtsgericht Kaiserslautern einen Insolvenzantrag stellen. Entgangene Zuschauereinnahmen durch die Corona-Krise haben die finanzielle Lage des pfälzischen Traditionsvereins dramatisch verschärft. Die Hintergründe und wie es jetzt weitergeht.

Nach Informationen von SWR Sport ist der Schuldenstand des FCK auf aktuell rund 24 Millionen Euro angestiegen. Für die kommende Saison hat sich das Finanzloch von ursprünglich 11 auf rund 15 Millionen Euro erhöht. In den vergangenen Tagen und Wochen wurden mit den aktuellen Kreditgebern intensive Gespräche über einen möglichen Schuldenschnitt geführt. Da diese Gespräche ohne Ergebnis geblieben sind und sich unter der enormen finanziellen Schieflage kein neuer Investor finden konnte, beschloss die FCK-Aktiengesellschaft den bitteren Gang in die Insolvenz.

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Insolvenzverwaltung in Eigenverantwortung

Der 1. FC Kaiserslautern strebt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Damit kann Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt im Amt bleiben und die FCK Kapitalgesellschaft weiterhin führen. Allerdings wird er dabei unterstützt von einem vom Verein gewählten Insolvenzfachmann sowie einem vom Gericht bestellten Sachwalter. Ziel dieses häufig als "Planinsolvenz" bezeichneten Verfahrens ist eine Sanierung und der Erhalt des in Schieflage geratenen Unternehmens.

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Die Arbeitsverträge von Trainern und Spielern bleiben bestehen, kein Profi kann den FCK vorzeitig verlassen. Deren Gehälter werden zunächst für drei Monate von der Agentur für Arbeit übernommen. Allerdings nur bis zur Beitragsbemessungrenze von derzeit 6.900 Euro pro Monat. Der FCK hätte somit auch in der kommenden Saison eine Mannschaft, könnte - den Klassenerhalt vorausgesetzt - weiterhin in der 3. Liga spielen. Vor dem Sportgericht hat diese Insolvenz keine Konsequenzen. Dazu später mehr.

Gläubiger müssen zustimmen

Für ein Planinsolvenz-Verfahren sind bestimmte Voraussetzungen notwendig. Es muss ein Insolvenzplan erstellt werden, dem mindestens die Hälfte aller Gläubiger zustimmen, und den das Gericht bestätigt. In diesem Plan muss detailliert dargelegt werden, wie der Betrieb in Zukunft weitergeführt werden kann. Nach Informationen von SWR Sport hat der FCK laut einem Gutachten eine "positive Fortführungsprognose". Auf Grundlage dieses Gutachtens will der Klub vor dem Insolvenzgericht nachweisen, dass er künftig wieder in der Lage sein wird, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen und Gewinne einzufahren.

Bei einer Planinsolvenz erhalten die Gläubiger häufig nur Bruchteile ihrer Forderungen, in den meisten Fällen weniger als zehn Prozent. Im Fall des FCK wäre das Stuttgarter Finanzunternehmen Quattrex Sports AG am stärksten betroffen, würde die höchsten Verluste einfahren. Bei dieser Firma steht der FCK mit mindestens acht Millionen Euro in der Kreide. Auch der FCK-Vermarkter Lagardere und der Luxemburger Geschäftsmann Flavio Becca haben millionenschwere Forderungen. Allerdings soll Becca seine Bürgschaft von 2,6 Millionen Euro durch einen Zugriff auf künftige Ticket- und Transfer-Einnahmen des FCK vertraglich abgesichert haben. Ob eine solche Vertragsklausel ein Planinsolvenzverfahren tatsächlich überstehen wird, ist eine von vielen spannenden juristischen Fragen, die es jetzt für die Verantwortlichen zu klären gibt.

Was passiert mit dem Geld der Fans?

Neben sieben Kleininvestoren, die jeweils rund 100.000 Euro in den Pfälzer Fußball-Verein gesteckt haben, könnten auch viele Fans des FCK zu den großen Verlierern des Insolvenzverfahrens gehören.

Unter dem Motto "Deine Unterstützung für die Zukunft des FCK" hatten Anhänger der Roten Teufel 2019 rund drei Millionen Euro über die Internetplattform Kapilendo und die sogenannte Betze-Anleihe II ihrem Lieblingsverein geliehen. Statt die in Aussicht gestellten Zinsen in Höhe von fünf Prozent im Jahr, könnte dieses Geld nun größtenteils weg sein. Ob es Möglichkeiten gibt, den Fans zur Entschädigung Aktienpakete des FCK zu überlassen, wird derzeit rechtlich geprüft.

Auch Gerry Ehrmann von Insolvenz betroffen

Pikanterweise könnte es noch einen Verlierer geben: Gerald Ehrmann. Der fristlos entlassene Torwarttrainer hat sich bisher nicht mit seinem ehemaligen Arbeitgeber 1. FC Kaiserslautern auf eine Abfindung einigen können, fordert nach Informationen von SWR Sport eine hohe sechsstellige Summe. Und ganz sicher steht Ehrmann mit seinen Ansprüchen in der Reihe der Gläubiger ziemlich weit hinten. Läuft es schlecht bekommt er gar nichts.

Wie geht es jetzt weiter?

Mit dem Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hat der FCK den Druck auf seine Geldgeber Quattrex, Becca und Lagardere erhöht. Drei Monate bleiben nun Zeit, um in Verhandlungen mit diesen Gläubigern doch noch eine Einigung über einen Schuldenschnitt zu erzielen und den Verein zu sanieren. Nach Ablauf dieser drei Monate muss das Gericht die Entscheidung treffen, ob das Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet wird.

Fest steht: Der 1. FC Kaiserslautern wird ohne frisches Kapital von Investoren nicht überleben können. Bisher gibt es aber keinen Geldgeber, der fest zugesagt hat, in den FCK zu investieren. Nach Informationen von SWR Sport soll es zumindest Interessenten geben. Aber die wollen keine Schulden tilgen und Millionenlöcher stopfen, sondern ihr Geld erst dann zur Verfügung stellen, wenn der Verein komplett saniert ist. Das kann sich ein paar Monate lang hinziehen, und könnte zum Problem werden. Denn der FCK muss seine Mannschaft dringend verstärken, um tatsächlich im nächsten Jahr um den Aufstieg mitspielen zu können. Mit dem jetzigen Kader, das wird gerade wieder in jedem Spiel eindrucksvoll bestätigt, ist die Rückkehr in die 2. Liga kaum zu machen.

Die Corona-Krise als Chance

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