FCK-Trainer Dirk Schuster klatscht seiner Mannschaft Beifall (Foto: IMAGO, IMAGO / Kirchner-Media)

Fußball | Meinung

Der 1. FC Kaiserslautern und das Glück der Tüchtigen

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Désirée Krause

Tabellenplatz vier, 29 Punkte - nur noch elf Zähler fehlen zum selbstgesetzten Saisonziel des 1. FC Kaiserslautern. Eine richtig starke Hinrunde für den Aufsteiger. Das nötige Glück dabei hat sich der Verein hart erarbeitet, findet SWR-Sportreporterin Désirée Krause.

Was der 1. FC Kaiserslautern in diesen 17 Spielen der Hinrunde abgeliefert hat, ist wirklich beachtlich. Und wenn man als Aufsteiger, der vor rund 18 Monaten noch kurz vor dem Abstieg in die Regionalliga stand, zur Winterpause so weit oben in der Zweitliga-Tabelle steht, dann hat man einiges richtig gemacht. Nur zwei Niederlagen in 17 Partien sprechen für sich. Allen Beteiligten und Fans muss aber auch klar sein: Da war auch ab und zu eine ordentliche Portion Glück dabei, da lief einiges einfach gut für die Roten Teufel. Aber das kommt nicht von ungefähr. Wie schon der berühmte Hermann Gerland sagte: "Immer Glück ist Können."

Hart, härter, Schuster

Schon im Trainingslager vor Saisonbeginn ließ Trainer Dirk Schuster seine Mannschaft spüren, was in dieser Saison wichtig sein wird, verlangte seinem Team richtig viel ab. Körperlich dagegen halten, immer 100 Prozent geben, nie nachlassen. Nur so könne der FCK als Aufsteiger mithalten - und Schuster sollte Recht behalten. Wie seine Mannschaft in dieser Hinrunde immer wieder Rückstände aufgeholt und Spiele nie aufgegeben hat, das hat mich beeindruckt.

"Wir haben Moral gezeigt" wurde der Standardsatz in Interviews, aber er traf eben auch sehr oft zu. Rückständen gegen Kiel, Greuther Fürth, Magdeburg, Darmstadt, Heidenheim, Braunschweig, Hamburg und Düsseldorf wurde getrotzt - bei keiner dieser Partien ging Kaiserslautern als Verlierer vom Platz.

Nicht schön, aber erfolgreich

Oft habe ich mich aber auch gefragt, warum die Lauterer immer wieder in Rückstand gerieten, immer wieder zurückkommen mussten. Oft wird aber auch vergessen, dass diese Mannschaft eigentlich "nur" ein Aufsteiger ist. Dass bis auf wenige Ausnahme meist eine Truppe auf dem Feld steht, die so auch schon in der 3. Liga gespielt hat. Da kann man keinen "schönen" und dauerhaft erfolgreichen Fußball erwarten. Da ist einfach Kampf, Einsatz und Leidenschaft gefragt. Das wusste Coach Schuster von Beginn an, hat genau das immer wieder betont. Und das kostet Kraft. Diese Hinrunde hat dem FCK-Team und auch den Fans viel abverlangt, aber es auch zusammengeschweißt.

Teamwork makes the dream work

Ich habe mich sehr viel mit dem FCK beschäftigt in den letzten Jahren - und ich habe das Gefühl, dass da richtig was zusammengewachsen ist. Dass das auch anders ist als in den Jahren zuvor. Dass es vielleicht diese wirklich schlechten Zeiten gebraucht hat, um diese Mannschaft näher zusammenzubringen.

Elf Spieler aus dem aktuellen Kader waren dabei, als es im Kampf gegen die mögliche Viertklassigkeit um die Existenz des Vereins ging. Fast der komplette Kader erlebte den Aufstieg im Mai mit. Die hochkarätigen Neuzugänge für diese Saison, wie beispielsweise Andreas Luthe, Philipp Klement oder Erik Durm, haben ihre neuen Aufgaben richtig gut angenommen. Viel mehr: Sie haben richtig Bock auf Kaiserslautern. Vorher Bundesliga-Profis, jetzt mittendrin im Rennen um den Zweitliga-Klassenerhalt.

Eitelkeiten? Fehlanzeige!

Scheinbar gibt es in dieser Mannschaft keine Eitelkeiten, es geht einzig und allein um den FCK. Und ich glaube, dass auch deswegen die Verbindung mit den Fans so besonders ist. Wie die Anhänger ihre Mannschaft zu Hause, aber vor allem auch auswärts unterstützen, das beeindruckt die komplette zweite Liga. Und ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass der Verein jetzt dort steht, wo er steht.

Das nötige Glück erarbeitet

Und ja, zur Wahrheit gehört auch, dass der FCK auf einem ganz anderen Tabellenplatz stehen könnte. Eine Leistung wie beispielsweise in der ersten Halbzeit gegen Düsseldorf kann auch anders bestraft werden. Stattdessen ging der FCK mit einem schmeichelhaften 0:1 in die Pause - und gewann dank einem Elfer in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Kein Einzelfall in dieser Saison, aber meiner Meinung nach auch das Glück der Tüchtigen. Wer so auftritt, immer und immer wieder, der hat es sich auch verdient.

40 Punkte bleiben das Ziel

Bei aller Euphorie von Mannschaft und Fans nach dieser Hinrunde - eins sollte klar sein: Mehr als der Klassenerhalt, mehr als die angestrebte 40 Punkte-Marke, darf nicht das Ziel sein.

Auch wenn es nach diesen 29 Punkten kein weiter Weg mehr ist, ist der 1. FC Kaiserslautern noch lange nicht im Ziel. Es ist jetzt viel Zeit für alle Mannschaften, sich neu aufzustellen, Dinge zu verändern, besser zu werden. Und das muss auch der FCK. Aber so wie sich Mannschaft und Verantwortliche äußern und verhalten, habe ich keine Sorge, dass auf dem Betzenberg irgendjemand anders denkt.

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Désirée Krause

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