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Vier Mal Deutscher Meister, zwei Mal Pokalsieger, unzählige tolle Europapokal-Abende. Der 1. FC Kaiserslautern blickt zurück auf eine große und bewegte Vergangenheit - doch die Zukunft des pfälzischen Traditionsklubs ist offen. Sportlich in die 3. Liga abgestürzt, plagen die Roten Teufel zudem massive finanzielle Probleme.

Sportlich verläuft das neue Jahr für den 1. FC Kaiserslautern bisher unbefriedigend. Vier Pflichtspiele, davon drei vor heimischer Kulisse, zwei Remis und zwei Niederlagen - so lautet die schwache Bilanz. Die Euphorie, die Ende des letzten Jahres nach 16 Punkten aus sechs Spielen in der 3. Liga rund um den FCK aufgekommen war, ist erst einmal gedämpft.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
23:35 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Stadionstreit sorgt für Schlagzeilen

Dazu haben auch die Geschehnisse abseits des Platzes beigetragen. Vor allem der Stadionstreit sorgt für Schlagzeilen. Das Fritz-Walter-Stadion gehört der Stadt. Von den einst zwischen Stadt und Verein ausgehandelten 3,2 Millionen Euro Miete pro Jahr ist man heute weit entfernt. Nach einer Mietreduzierung für die 2. Liga auf 2,4 Millionen Euro zahlen die Roten Teufel in der 3. Liga nur noch 425.000 Euro. Nun fordert die Stadt weitere Sicherheiten. Sie möchte Aktienanteile vom 1. FC Kaiserslautern haben, im Gegenzug für die Mietreduzierung. Darauf will sich der Verein nicht einlassen. Die Situation ist zerfahren.

Dieser Streit erschwert auch die Verhandlungen mit potenziellen Investoren. Dabei braucht der Klub dringend Geld von außen. Doch wer ist bereit, in einen seit Jahren sportlich absteigenden Verein, einzusteigen? Um den luxemburgischen Bauunternehmer Flavio Becca ist es erstaunlich ruhig geworden. Mehrere regionale Geldgeber könnten bereit sein einzusteigen, heißt es immer wieder aus dem Umfeld des Betzenbergs. Doch dazu müsste erst einmal Ruhe einkehren.

Kaiserslautern ohne den FCK - undenkbar?

Wegen all dieser Baustellen und der damit verbundenen offenen Zukunft des 1. FC Kaiserslautern bangen die Fans um ihren Herzensklub. Sollte der Verein Bankrott gehen, würde für viele Anhänger eine Welt zusammenbrechen. Kaiserslautern ohne den FCK - undenkbar, sagen viele Fans. Doch ist das wirklich undenkbar?

"Ein Mythos, tief im Herzen drin"

Dass die Roten Teufel in der pfälzischen Stadt eine unverzichtbare Institution sind, sagt etwa Martin Krummel, Konditor und FCK-Fan: "Ja, natürlich ist es nur Fußball. Auf keinen Fall ist Kaiserslautern denkbar ohne den FCK. Das ist teilweise eine Ersatzreligion. Ein Mythos, tief im Herzen drin."

"Einer, der unter 30 Jahren ist, der hat nur Misserfolg erlebt"

Tief im Herzen ist der Klub auch bei vielen jüngeren Fans - obwohl diese die besten Jahre des Klubs nicht miterlebt haben. "Einer, der unter 30 Jahren ist, der hat nur Misserfolg erlebt. Das ist eigentlich nur noch Scheitern. Die Älteren, die etwas erlebt haben mit dem Verein, die leiden wirklich. Da geht der Stadt etwas verloren, ein Identifikationsfaktor", befindet Gemeindediakon Jürgen Jäger.

Doch nicht alle jungen Anhänger aus der Region fiebern noch mit dem 1. FC Kaiserslautern. "Was ist der FCK? Ein Fußballklub. Ich bin Bayern-Fan. Mir ist es egal. Früher war ich Lautern-Fan, aber die machen nur Scheiße", sagt ein Mittzwanziger gegenüber SWR Sport.

"Angst, dass die Verbindung schwindet"

Deutliche Worte - und diese Abwendung von den Roten Teufeln könnte in der jüngeren Generation zum Trend werden, befürchtet auch Diakon Jäger: "Meine Angst ist wirklich, dass diese Verbindung verschwindet. Das man sich in 30 Jahren erzählt, dass es hier einen Verein gegeben hat, der groß war. Das ist meine Angst, dass diese Tradition nicht weitergegeben wird."

So ist derzeit vieles im Unklaren, was die Zukunft die 1. FC Kaiserslautern angeht. In der 3. Liga ist die Mannschaft gefordert, sportlich wieder in die Spur zu finden. Im Streit um die Stadionmiete wird am 2. März eine Entscheidung erwartet. Und je nachdem, wie diese ausfällt, könnten Gespräche mit Investoren aufgenommen werden. Und danach ist die Schreckensvision von einer Stadt Kaiserslautern ohne den FCK vielleicht schon wieder Geschichte.

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