Otto Rehhagel hat den 1. FC Kaiserslautern 1998 zum Titel geführt (Foto: Imago, imago sportfotodienst)

Fußball | Personalie Otto Rehhagel: Der Wundermacher

Der "König" wird 80. Otto Rehhagel feiert am 9. August seinen runden Geburtstag. An mehreren Orten holte er überraschende Titel. Seine Trainer-Karriere begann im pfälzischen Rockenhausen.

Vor Glückwünschen aus der Region wird Otto Rehhagel sich nicht retten können, er genießt in der Pfalz Legenden-Status. Nicht nur in Kaiserslautern. Und das zu Recht. "Dem Sport", wird Rehhagel, gelernter Maler und Anstreicher, in einer Vereinschronik von Rot-Weiß Essen zitiert, habe er alles zu verdanken. "Ich komme aus einer Arbeiter-Familie, habe mir alles erarbeitet, habe nicht auf allen Hochzeiten getanzt, war diszipliniert, denn ich musste immer Vorbild sein. Heute kann ich mir alles erster Klasse erlauben, habe die Welt gesehen, Menschen kennengelernt. Das ist mein Pfand, auf das ich zurückgreife."

Geboren in Essen in Nordrhein-Westfalen, kam Rehhagel über TuS Helene Altenessen, Rot-Weiß Essen und Hertha BSC 1966 zum FCK, verbrachte dort seine längste Zeit als Spieler und kickte bis zum Karriereende auf dem Betzenberg. Was danach begann, ist den meisten Menschen heute in Erinnerung, nämlich die Ära des Trainers Otto Rehhagel.

Karriere-Start in Rockenhausen

Seine erste Trainerstation war der Amateurverein SV Rockenhausen aus der Nord-Pfalz, 5. Liga. Als abgeschlagener Tabellenletzter übernahm er die Rockenhausener,  am Saisonende stand das Team im gesicherten Mittelfeld. Ein "Wunder". Nicht das letzte in Otto Rehhagels Trainerkarriere.

Nach diversen Trainerstationen, unter anderem in Bremen, Dortmund und Düsseldorf, kehrte er 1981 zu Werder Bremen zurück. Diesmal blieb er 14 Jahre, formte das Team vom Aufsteiger zur Spitzenmannschaft, holte je zwei Meisterschaften und DFB-Pokalsiege. Eine Ära.

Dann rief Bayern München, und Otto Rehhagel konnte endgültig in den Kreis der größten deutschen Trainer vorstoßen. Doch Mannschaft und Trainer fanden keinen Zugang zueinander. Im Lauf der Saison entwickelte sich ein handfester Streit, der meist auch über die Medien ausgetragen wurde. Spieler schossen gegen Rehhagel, irgendwann war auch die Rückendeckung der Vereinsführung weg. Wenige Wochen vor Saisonende 1996 wurde der Coach schließlich entlassen.

Vom geschassten Bayern-Trainer zum "König der Pfalz"

Vom unruhigen Posten in München ging es weiter nach Kaiserslautern. Der FCK, gerade abgestiegen, entließ kurz vor Saisonbeginn Eckard Krautzun und holte Rehhagel für die Zweitligasaison. Dazu trat auch das Präsidium im Sommer zurück. Wahrlich keine perfekten Voraussetzungen für einen neuen Trainer. Doch Otto Rehhagel schaffte es, mit der Mannschaft das Ziel Wiederaufstieg souverän zu erreichen, mit zehn Punkten Vorsprung wurden dei Roten Teufel Zweitligameister.

Und in der Bundesliga macht das Team einfach genau so weiter. Am ersten Spieltag gewannen sie bei Bayern München, eine Genugtuung für Rehhagel. Von Sieg zu Sieg eilte seine Mannschaft, ließ die Konkurrenz immer mehr verzweifeln und schafft etwas bis heute Einzigartiges: Die Meisterschaft als Aufsteiger. Das nächste "Wunder" des Otto Rehhagel. Was ihm bei Bayern München verwehrt blieb, klappte in der Pfalz: Rehhagel festigte seinen Status als einer der erfolgreichsten deutschen Trainer.

"König Otto" wird zu "Herakles"

Der noch nicht genug hat. Nach seiner Zeit in Kaiserslautern übernahm Rehhagel 2001 die Nationalmannschaft Griechenlands und führt diese zur EM 2004. Vollkommener Außenseiter, mehr als die Gruppenphase wird nicht drin sein, so die Erwartungen an seine Mannschaft damals. Es folgte eine riesige Überraschung. Die Griechen stürmten bis ins Finale und schlugen dort auch noch Favorit Portugal mit 1:0. Ekstase in ganz Griechenland. Otto Rehhagel wurde von den Medien zu "Rehakles" erhoben. Fast konnte man denken: So überraschend war der griechische Titelgewinn nicht, es saß schließlich Otto Rehhagel auf der Bank.

Doch trotz der vielen Meisterschaften, Pokale unter internationalen Titel. Rehhagels "Karriere-Highlight" hatte nichts mit Fußball zu tun: "Der größte Erfolg, den ich jemals hatte, ist der, dass ich mit Beate 54 Jahre verheiratet bin", sagte Rehhagel kürzlich bei einer Gala in Bremen. Ein König in der Pfalz und in Bremen, ein Gott in Griechenland. Der nun seinen 80. Geburtstag feiert. Sicherlich das kleinste "Wunder" in Otto Rehhagels Leben.

STAND