Simon Skarlatidis und Philipp Hercher jubeln.  (Foto: Imago, imago images/Köhn)

Fußball | 3. Liga Teamcheck 1. FC Kaiserslautern: Wo steht der FCK?

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Fünf Siege und ein Unentschieden vor der Winterpause, die Stimmung bestens – der FCK schnuppert plötzlich wieder an den Aufstiegsplätzen. Doch zu viel Druck aufbauen und womöglich das große Ziel Aufstieg in den Mund nehmen, das will bei den Pfälzern keiner – noch nicht. Der SWR Sport Teamcheck.

So lief die Hinrunde

Was war das für ein furioses Jahresende beim 1. FC Kaiserslautern! 16 Punkte in den letzten sechs Spielen lassen den schlechten Saisonstart vergessen. Zu Beginn der Saison fehlte den Pfälzern die Konstanz. Beispiel: Nach dem unerwarteten Sieg im DFB-Pokal gegen den Rheinland-Pfalz-Rivalen Mainz 05 folgte ein 0:3-Klatsche auf dem Betzenberg gegen Braunschweig. So beschreibt es auch der aktuelle Kapitän Carlo Sickinger: „Die Saison war sehr durchwachsen. Nach jedem Hoch kam ein Tief.“

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Trainer Sascha Hildmann fand keine Mittel, seiner Mannschaft eine klar erkennbare Handschrift aufzudrücken. Auch wenn er versuchte einiges zu verändern, funktionierte das immer nur temporär. So wie beim Spiel in Zwickau, als er Timmy Thiele ins rechte Mittelfeld stellte. Thiele traf prompt doppelt und bereitete einen Treffer vor. Desaströs war dann die Leistung in Münster. Beim 1:6 sah es so aus, als würden die Mannschaft gegen den Trainer spielen. Das Aus für Hildmann nach acht Spieltagen.

Der Neue, ein für viele Unbekannter: Boris Schommers. Als guter Jugendcoach und Interimstrainer, der Nürnberg vor dem Abstieg nicht bewahren konnte, hatte er für etliche Lauterer Fans nicht genügend Erfahrung und kein Standing. Als auch die Ergebnisse zu Beginn fehlten – nur zwei Siege in den ersten sechs Partien – und der ruhmreiche FCK auf einem Abstiegsplatz der dritten Liga stand, wurden Stimmen nach einem erneuten Trainerwechsel laut. Doch dann griff Schommers durch, strich drei Spieler aus dem Kader. Unter anderem den damaligen Kapitän Christoph Hemlein. Eine Maßnahme, die Wirkung zeigte. Denn es folgte der schon erwähnte Jahresschlussspur, der die Pfälzer auf Platz neun und nur vier Punkte an den Relegationsplatz heran brachte.

Wer kommt, wer geht?

Der FCK vertraut größtenteils dem aktuellen Kader. Trotzdem hat sich der Club zwei Neue geleistet. Der türkisch u21 Nationalspieler Hikmet Ciftci (21) kommt ablösefrei vom Zweitligisten Aue. Der defensive Mittelfeldmann brachte es da nur zu einem Einsatz. Außerdem haben die Pfälzer Alexander Nandzik aus Regensburg ausgeliehen. Die Fußballerfahrung des 27-Jährigen: 48 Zweitliga- und 73 Drittligaspiele. Der Mann für die linke Abwehrseite bleibt mindestens bis Ende der Saison. Der FCK hat dann die Option, ihn fest zu verpflichten. Für ihn gehen musste in der Winterpause Flavius Botiseriu. Der 20-Jährige war ebenfalls ein Kandidat für die linke Verteidigerposition.

Cheftrainer Schommers hat die Neuzugänge in den Testspielen schon eingesetzt. Beide brauchen noch etwas Zeit, um sich zu integrieren und die Abläufe kennen zu lernen. Aber schon jetzt stellt er fest, dass der Konkurrenzkampf erhöht ist.

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Der Trainer

Boris Schommers hatte keinen einfachen Start im September. Aber die letzten Ergebnisse haben auch seine Kritiker verstummen lassen. Anscheinend hat die Mannschaft sein Konzept, seine Vorstellung von Drittligafußball verstanden - und kann es umsetzen. Im Trainingslager in Belek/Türkei hatte er erstmals die Möglichkeit und die Zeit, in Ruhe eine Vorbereitung mit der Mannschaft zu bestreiten. Und die scheint er gut genutzt zu haben. Zwei souveräne Testspielsiege in Belek, dazu der 3:0-Sieg im letzten Vorbereitungsspiel gegen den FK Pirmasens. Der Verein, gegen den sich die Lauterer Mitte November gerade so im Elfmeterschießen ins Halbfinale des Südwest-Pokals gemogelt hat.

Was auffällt, ist die gute Mischung aus Lockerheit und Konzentration, die Boris Schommers etabliert hat. Spaß wie bei der Demonstration von Florian Picks Golfkünsten oder Janik Bachmanns grandiosem Bauchklatscher in Belek gepaart mit den guten Auftritten gegen Aarau und Budapest.

Erwartungen an die Rückrunde

So sehr man auch bei Boris Schommers bohrt – er will sich zu konkreten Zielen nicht äußern. Klar, die riesige Lauterer Fanbasis hofft durch die positiven Ergebnisse natürlich, dass der FCK zumindest an den Aufstiegsplätzen schnuppert. Immerhin sind es nur noch 4 Punkte. Aber der Trainer wünscht sich, „dass wir anknüpfen an diese erfolgreichen Spiele vor der Winterpause, dass wir uns spielerisch weiter entwickeln wollen und möglichst noch viele Spiele in der Rückrunde gewinnen.“

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Etwas konkreter ist da der Kapitän Carlo Sickinger. Auch er spricht nicht von Aufstieg, glaubt aber, dass mit dem Rückenwind der letzten Wochen und mit der Unterstützung durch die Fans im Jahr 2020 noch einige möglich ist.

Die Einstellung stimmt beim 1. FC Kaiserslautern. Die Leistungen zuletzt auch. Mit einem guten Start ins Jahr könnte doch noch etwas aus dem großen Ziel Aufstieg werden. Auch, wenn es in Kaiserslautern keiner aussprechen will.

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