Das Fritz-Walter-Stadion (Foto: Imago, imago images/Jan Huebner)

Fußball | 3. Liga Kauft FCK-Investor Flavio Becca das Fritz-Walter-Stadion?

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In der vergangenen Woche hat Kaiserslauterns Oberbürgermeister Klaus Weichel erneut mit dem Luxemburger Baulöwen Flavio Becca verhandelt. Der Verkauf des Fritz-Walter-Stadions an den potenziellen Investor des 1. FC Kaiserslautern wird offenbar konkreter.

Flavio Becca will das Fritz-Walter-Stadion und etwa 15 Hektar Gelände rund um das Stadion kaufen. Becca hat OB Weichel nach dessen Angaben ein Konzept vorgelegt, was er mit dem kompletten Areal am Stadion vorhat. Offenbar hat der Luxemburger schon konkrete Vorstellungen geäußert, wie er das gesamte Gelände bebauen will. Es soll eine Mischung aus Wohnhäusern und Gewerbeansiedlungen sein. Weichel hat bereits seine Verwaltung im Rathaus damit beauftragt, Beccas Vorstellungen zu überprüfen.

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Bebauung des Betzenbergs

Die Bebauung auf dem Betzenberg ist in einer sehr hohen Verdichtung vorgesehen. Nur so, sagt Oberbürgermeister Klaus Weichel, rechne sich der Stadionkauf und die Bebauung des Geländes in einer Mischkalkulation für den Investor. Kritische Medienberichte in Luxemburg über Flavio Becca beunruhigen Weichel nicht. Er sagte dem SWR: "Sie können davon ausgehen, dass bevor wir zum Notar gehen, natürlich eine Prüfung stattfindet, dass das Geld, was wir vereinbart haben, auch fließen wird."

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Hört sich so an, als sei der Stadionverkauf schon in trockenen Tüchern. Aber ganz so ist es nicht. Denn der Oberbürgermeister müsste möglicherweise sowohl den geplanten Stadionverkauf als auch die Vermarktung des Geländes am Stadion über eine europaweite Ausschreibung betreiben.  Und damit würde sich das Verfahren sehr lange hinziehen. Und: Der Ausgang wäre ungewiss, es könnten auch andere Investoren einsteigen.

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Verkauf der kompletten "Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern GmbH" als Option

Aber es gibt einen legalen Weg sich die europaweite Ausschreibung zu ersparen. Kauft Flavio Becca die komplette "Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern GmbH", dann müsste keine Ausschreibung erfolgen. Und Weichel könnte dem Luxemburger alles en bloc verkaufen. Die Stadiongesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Kaiserslautern. Sie betreibt das Stadion, hat auch den Kredit über 65 Millionen Euro Schulden übernommen, der beim Ausbau des Fritz-Walter-Stadions zur WM-Arena aufgenommen werden musste. Diese 65 Millionen Euro mussten allerdings beim Kreditgeber, der hessischen Landesbank, mit einer Bürgschaft der Stadt Kaiserslautern abgesichert werden. Und das, sagt OB Weichel, "ist das größte Problem, das wir haben."

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Es gäbe nämlich keinen Grund für die Hessische Landesbank ein Risiko eingehen, und auf diese Bürgschaft zur Absicherung des Kredites zu verzichten. An der städtischen Bürgschaft könnte der ganze Plan also doch noch scheitern. Oder, so lautet eine pure Spekulation, schafft es Becca in Luxemburg eine Bank zu finden, die für ihn bürgt, sollte er die 65 Millionen Euro Schulden der Fritz-Walter-Stadion GmbH tatsächlich übernehmen? Über den Kaufpreis, der für das Fritz-Walter-Stadion und das angrenzende Gelände erlöst werden soll, machte der Oberbürgermeister keine Angaben. Auch zum Zeitablauf des geplanten Stadionverkaufs wollte er nichts sagen.

FCK hat Antrag zur Mietsenkung gestellt

Aber der Druck auf die Stadt Kaiserslautern, das Stadion loszuwerden, steigt. Denn die Unterhaltungskosten und auch Sanierungskosten der WM-Arena werden immer höher. Angeblich liegt der Investitionsstau schon bei einer zweistelligen Millionensumme. Und der 1. FC Kaiserslautern hat erneut den Antrag gestellt, die Miete in der kommenden Drittliga-Saison auf 425.000 Euro zu senken. Und wie der SWR exklusiv erfahren hat, hat der Verein noch einen zweiten Antrag gestellt. Demnach beantragt der FCK, dass die Fritz-Walter-Stadion GmbH künftig auch auch einen Teil der Unterhaltungskosten übernimmt. Beispielsweise wenn irgendwo der Beton bröckelt oder am Dach etwas saniert werden muss. Das könnte Steuerzahler weitere Millionen kosten. Kaum vorstellbar, dass der Stadtrat das absegnet und die kommunale Finanzaufsicht das genehmigen würde.

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