Michael Klarr, ehemaliger kaufmännischer Geschäftsführer des FCK (Foto: Imago, imago/Eibner)

Fußball | 3. Liga Klatt-Rücktritt – der FCK ohne Führung

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Der 1. FC Kaiserslautern kommt nicht zur Ruhe. Am Dienstagabend teilte der Verein mit, dass der kaufmännische Geschäftsführer Michael Klatt den FCK "auf eigenen Wunsch zum 31. Dezember 2019" verlassen werde. Die sportlich wie finanziell stark angeschlagenen Pfälzer müssen sich nun auf allen Führungspositionen neu aufstellen. Dafür bleibt nicht viel Zeit.

Offiziell sagt Michael Klatt, dass er für sich einen neuen beruflichen Schwerpunkt setzen will. Für ihn sei es nach vier "bewegenden Jahren", wie er in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert wird, nun ein guter Zeitpunkt, um Ende des Jahres aufzuhören.

Bewegende Jahre

Als Klatt das Amt als Finanzvorstand des FCK übernommen hatte, war das Feld alles andere als bestellt. Fast schon legendär sein Zitat aus dem Jahr 2016, als er der Öffentlichkeit die kritische wirtschaftliche Situation des FCK darlegte: "Ich habe einen sogenannten Kassensturz gemacht und bin, wenn sie so wollen, in den Keller gegangen und habe den Tresor aufgemacht" und dann habe er feststellen müssen, dass die Reste der Betze-Anleihe, eigentlich zum Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums gedacht, "nicht mehr vorhanden“ waren.

Kurzum: Die finanzielle Lage war schon damals angespannt. Und sie war es umso mehr, als Klatt 2018 die kaufmännische Geschäftsführung übernahm. Denn 2018 stieg der FCK von der zweiten in die dritte Liga ab. Der Abstieg in die dritte Liga hatte nicht nur den Fans, sondern auch dem Kaufmann Klatt weh getan. Der Umsatz der Kapitalgesellschaft hatte sich mehr als halbiert, sank von rund 40 Millionen Euro auf 17 Millionen Euro. Unter diesen Umständen Überschüsse zu erzielen, so sagen Fachleute, sei schwer bis unmöglich. Kein Problem, das der FCK exklusiv hat, die finanziellen Anforderungen der dritten Liga machen auch anderen Drittligisten zu schaffen. Das also waren Klatts Rahmenbedingungen und die waren nicht optimal, galt es doch, die millionenschwere Fan-Anleihe zurückzuzahlen, Investoren zu akquirieren, die Lizenz zu sichern.

Dauer

Klatts Erfolgsbilanz

All das ist Michael Klatt gelungen: Die Fan-Anleihe wurde ausgezahlt, der Investor gefunden, die Lizenz zweifach gesichert (in den Spielzeiten 18/19 und 19/20). Aber zu welchem Preis wurde all das erreicht? Darüber wurde in den vergangenen Monaten in den Fanclubs, in der Westkurve, in den diversen Vereinsgremien und auch in den Medien gestritten. Das waren kontroverse Diskussionen, mitunter negative Schlagzeilen. Das hat es für Klatt sicher nicht einfacher gemacht. Gut möglich, dass er es einfach leid war, das ständige Gezanke um den richtigen Weg. Das Hangeln von einem zum nächsten Burgfrieden.

Die Tatsache, dass der von Klatt ins Boot geholte mögliche Investor Flavio Becca bislang offenbar nicht einen einzigen Cent an den Verein überwiesen hat, machte Klatts Situation natürlich nicht komfortabler. Willkommenes Futter für Klatts Kritiker, die ihm vorwerfen, dass seine Erfolgsbilanz auf tönernen Füßen stehe: Schließlich wurde die Rückzahlung der Fan-Anleihe erst durch die Aufnahme einer erneuten Fananleihe möglich, schließlich wird 2020 die erste Rate in Höhe von 1,2 Millionen Euro eines insgesamt acht Millionen Euro schweren Kredits bei der nicht unumstrittenen Finanzfirma Quattrex fällig, und letztlich ist nicht ausgeschlossen, dass sich Flavio Becca doch noch aus dem Staub macht, die in Aussicht gestellten Millionen aus Luxemburg niemals fließen werden.

Der führungslose FCK

Wie geht es jetzt weiter? Da Ende des Jahres auch der Vertrag von Sport-Geschäftsführer Martin Bader ausläuft, ist die ausgegliederte Profiabteilung des 1. FC Kaiserslautern spätestens Anfang kommenden Jahres ohne Führung. Natürlich werden beide Posten neu besetzt werden. Der dringend erforderliche Neuaufbau aber kann frühestens Anfang Dezember erfolgen. In den vergangenen vier Wochen traten nach und nach infolge der monatelangen Unruhen rund um die Investoren-Suche der gesamte fünfköpfige Aufsichts- und Beirat zurück. Also das Gremium, dass für die Neubesetzung der Geschäftsleitung zuständig ist.

Stillstand auf dem Betzenberg

Der Aufsichtsrat wird erst auf der Mitgliederversammlung am 1. Dezember 2019 neu gewählt. Bis dahin ist nun erstmal Stillstand auf dem Betzenberg. Spielerberater werden mit Bader ebenso wenig über eventuelle Transfers verhandeln wollen wie mögliche Geldgeber mit Klatt. Immerhin: Die Nachlizensierung ist gerade erfolgreich abgeschlossen worden, das kommende Lizensierungsverfahren steht erst in vier Monaten an.

Was macht Flavio Becca?

Die Sache mit dem potenziellen Investor Flavio Becca wirkt wie eine Hängepartie. Vieles ist in Aussicht gestellt, wenig ist passiert. Zuletzt hatte der Luxemburger Geschäftsmann angekündigt, erstmal abwarten zu wollen, wer denn in den neuen Aufsichtsrat gewählt wird. Bis zur Aufsichtsrats-Wahl passiert in diese Richtung also nichts mehr. Klar ist, dass Becca mit Klatt einen kompetenten Ansprechpartner verliert.

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