Boris Schommers, Trainer des 1. FC Kaiserslautern (Foto: Imago, Aleksandar djorovic)

Fußball | 3. Liga Boris Schommers: "Wir haben einen weiteren Schritt nach vorne gemacht"

AUTOR/IN

Boris Schommers und der 1. FC Kaiserslautern haben sich im türkischen Belek auf die verbleibenden 18 Spiel in der 3. Liga vorbereitet. Dort zog der Cheftrainer der Roten Teufel ein Fazit seiner bisherigen Amtszeit und blickte auf das Fußballjahr 2020 voraus.

SWR Sport: Vier Monate ist es her, dass Sie beim 1. FC Kaiserslautern als neuer Cheftrainer vorgestellt wurden. Sind Sie schon heimisch geworden?

Boris Schommers: Ich wohne noch im Hotel. Es ist tatsächlich relativ schwierig, in Kaiserslautern eine gute Wohnung beziehungsweise eine möblierte Wohnung zu finden, aber das ist glaube ich eher sekundär. Ich verbringe sowieso die meiste Zeit oben am Betzenberg. Da bin ich heimisch, da ist mein Büro und von daher passt das prima.

Dauer

In der Winterpause hatten Sie erstmals Zeit, um in Ruhe mehrere Tage am Stück mit der Mannschaft zu arbeiten. Wie wichtig war das für Sie?

Es war sehr wichtig, was ich ja bereits vor Weihnachten schon angesprochen hatte. Es war natürlich ein sehr sehr erfolgreicher Weg in den letzten Spielen vor den Feiertagen, der nicht unbedingt in dieser positiven Ausprägung zu erwarten war (Der FCK holte 16 Punkten aus den letzten sechs Spielen vor der Winterpause, Anm. d. Redaktion). Aber mir war es eben auch wichtig, nach diesen Cut jetzt mal wirklich mit der Mannschaft drei Wochen am Stück in Ruhe arbeiten zu können. Sie vor allem weiterzuentwickeln, an den Stellschrauben zu drehen, Sachen verbessern, die wir vorher einfach noch nicht gut genug gemacht haben. Da war sicherlich noch nicht alles richtig, nur weil wir jetzt das ein oder andere Spiel gewonnen haben. In der Vorbereitung hatten wir jetzt die Möglichkeit, an den ein oder anderen Punkten, die wir aus der Hinrunde analysiert hatten, zu arbeiten und ich glaube, wir werden da ein Schritt nach vorne gemacht haben.

Dauer

Anfang November hatten Sie die Mannschaft stark verändert, haben drei Spieler aus dem Kader genommen, darunter auch den damaligen Mannschaftskapitän (Christoph Hemlein, Anm. d. Redaktion). Was hat sich seitdem getan?

Als ich gekommen bin am 19. September habe ich ja gesagt, ich werde mir hier erstmal alles anschauen, ich werde die Hierarchie auch nicht verändern, ich werde die Strukturen nicht verändern. Dann habe ich über die Zeit gemerkt, dass es in dieser Struktur, in dieser Hierarchie, auch innerhalb der Mannschaft, nicht funktionieren wird, sie aus dieser schwierigen Situation raus zu führen. Ich hatte aber sechs Wochen Zeit zu analysieren, wer mir vielleicht helfen kann und wen ich persönlich oder wir im Trainerteam als die Personen sehen, die auf diesem Weg vorneweg gehen können. Wir haben die Hierarchie verändert, und ja, die letzten Wochen haben sicherlich für sich gesprochen. Ich bin froh, diese Entwicklung zu sehen, sage aber auch, was sich da gefunden hat, was sich neu zusammengesetzt hat, das waren die ersten Schritte. Man hat im Trainingslager sehr, sehr deutlich gesehen, dass wir einen großen Schritten im Teamzusammenhalt gemacht haben, ohne dass wir irgendjemanden groß beeinflusst haben. Wir haben ein paar kleinere Vorgaben gemacht, wir haben ein paar kleinere Ideen reingeschmissen, aber für mich ist immer wichtig, dass sich auch ein Teamprozess aus der Mannschaft bildet und du nicht für viel Geld irgendwohin fährst und sagst, wir machen jetzt drei Stunden Teammaßnahme und dann gehen wir wieder ins Hotel. Ich glaube, wir haben hier ganz gute Ansatzpunkte gefunden.

Dauer

Carlo Sickinger ist einer der Spieler, dem zugetraut wird, voranzugehen. Er ist der neue Kapitän. Wie hat er die Rolle angenommen?

Also aus meiner Sicht füllt er sie sehr gut aus. Als wir die Entscheidung getroffen haben waren auch ein paar Fragezeichen in den Gesichtern: "Wie kannst du ein 22-Jährigen mit relativ wenig Drittligaspielen zum Kapitän in einer so schwierigen Situation machen?" Ich mir das damals genau angeschaut und in der entscheidenden Phase war er der, der eben auch in einer schwierigen Drucksituation ruhig geblieben ist und ein verlängerter Arm meiner Person auf dem Platz war. Das war für mich das Entscheidende. Da kommt es nicht auf Alter an oder wie viele Spiele du gemacht hast. Er hat die Mannschaft bis Weihnachten sehr gut geführt und ist auch daran gewachsen. Und auch Carlos Weg ist noch nicht zu Ende. Er wächst sehr schnell, er muss sehr schnell wachsen, aber ich traue ihm diesen Schritt durchaus zu. Bis jetzt hat er sich sehr, sehr gut gemacht.

Wie geht es weiter? Das Wort "Aufstieg" ist wahrscheinlich verboten, aber über die Ziele wird man reden dürfen. Sie sind noch in allen drei Wettbewerben drin. Was ist da noch zu holen in der Rückrunde?

Erstmal freut es uns natürlich, dass wir in allen drei Wettbewerben noch drin sind. Grundsätzlich haben natürlich auch wir unsere Ziele. Die werden aber intern bleiben. Aber Fakt ist natürlich, dass das oberste Ziel für uns im Trainerteam dieser  Mannschaft ist, diesen Weg, den wir jetzt mit der Mannschaft seit sechs bis sieben Wochen gehen, den wollen wir weitergehen. Da geht es um eine Entwicklung, da geht es um eine Handschrift, da geht es um eine Stabilisierung und eine Festigung der Struktur und darüber hinaus wollen wir uns auch im Spielerischen noch weiterentwickeln. Da sind wir auf einem sehr guten Weg und ich hoffe, dass wir von den Ergebnissen her anknüpfen können an das, was wir auch vor der Winterpause erreicht haben. Darüber hinaus wollen wir uns als Mannschaft so weiterentwickelt haben, dass wir eben auch noch im Spielerischen - gegen und mit dem Ball - einen Schritt nach vorne machen werden.

Dauer

Der FCK ist ein sehr emotionaler Verein. Es gibt nur Himmel oder Hölle. Wie erleben Sie diesen Verein und wie gehen Sie damit um?

Das kann man im Prinzip so ein bisschen unterschreiben. Als ich gekommen bin und gerade die ersten Wochen, wo die Ergebnisse nicht so waren, wie es sich die ganz ganz treuen Fans versprochen haben, da war es eher die Hölle, wobei ich mit der Hölle und dem Fegefeuer da eher kein Problem hatte, weil grundsätzlich ist auch da Emotion. Ich kann die Fans und die Menschen verstehen, die diesen tollen Traditionsverein unterstützen, dass die natürlich mit der Entwicklung der letzten sechs Jahre nicht zufrieden sind. Da lag es einfach daran mit der Mannschaft hart dafür zu arbeiten, dass man sich da wieder rauszieht. Ich habe immer gesagt: "Ihr müsst nicht jedes Spiel gewinnen. Aber ihr müsst einfach erstmal für die Fans, die euch immer noch supporten - ich glaube wir haben den besten Schnitt der 3. Liga, obwohl wir die Hälfte im unterem Drittel verbracht haben - ihr müsst den Fans einfach wiederspiegeln, dass ihr alles dafür tut, besser zu werden und dass ihr da rauskommen wollt und dann werden die auch wieder kommen und werden euch unterstützen." Diesen Weg sind sie gegangen, diesen harten Weg, und jetzt spürst du einfach diese Aufbruchstimmung, diese Freude und es gibt nichts Schöneres. Auch im Trainingslager in Belek: 100 mitgereiste Fans, für mich ein absoluter Wahnsinn, dass  Menschen als Familien mit kleinen Kinder eine Woche Urlaub auf sich nehmen, viel Geld bezahlen und hier nach Belek kommen, um uns zu unterstützen und wenn du mit denen jetzt sprichst, die sind richtig happy und freuen sich einfach, dass es in die richtige Richtung geht. Du spürst einfach diese tolle Stimmung und wir werden alles dafür tun, dass wir gemeinsam mit unseren Fans eine erfolgreiche Rückrunde spielen werden.

Dauer

Abschließende Frage: Wo wollen Sie hin mit dem FCK?

Wo möchte ich hin? Ich habe mein Ziel ganz klar formuliert, als ich gekommen bin und da habe ich gesagt, ich bin gekommen, um Betzenberg wieder zum Beben zu bringen und das ist immer noch das Ziel. Dieses tolle Stadion mit 50.000 Zuschauerplätzen eben wieder dahin zu bekommen, dass wir mit unserem Spiel, mit der Mannschaft, mit dem Herzstück des Vereins die Leute wieder so begeistern, dass sie ins Stadion kommen und wir alle gemeinsam ein tolles Fußballspiel erleben, mit dem richtigen Ausgang - und der ist dann hoffentlich für den FCK.

AUTOR/IN
STAND