Fragen und Antworten zur Situation beim 1. FC Kaiserslautern (Foto: Imago, Jan Huebner)

Fußball | 3. Liga Fragen und Antworten zur Situation beim 1. FC Kaiserslautern

Es vergeht fast keine Woche mehr ohne Unruhe beim 1. FC Kaiserslautern. Nun sind die drei Aufsichtsratsmitglieder Patrick Banf, Jochen Grotepaß und Bruno Otter von ihren Ämtern zurückgetreten. Gleichzeitig hat der FCK die für den 20. Oktober geplante Jahreshauptversammlung abgesagt. SWR-Sportredakteur Bernd Schmitt beantwortet Fragen zur Situation der Roten Teufel.

Nach den ganzen jüngsten Turbulenzen beim 1. FC Kaiserslautern: Ist der Klub überhaupt noch handlungsfähig?

Das ist er auf jeden Fall. Die Satzung sieht vor, dass Aufsichtsratsmitglieder im Falle eines Rücktritts das Amt solange kommissarisch weiterführen müssen, bis ein Nachfolger gewählt ist. Damit sind sowohl der Verein als auch die ausgegliederte Kapitalgesellschaft handlungs- und beschlussfähig. Und das operative Tages-Geschäft liegt ja ohnehin in den Händen der beiden Geschäftsführer Michael Klatt und Martin Bader. Das heißt konkret: Vorerst ändert sich gar nichts. Offiziell im Amt ist ja noch das erst vor ein paar Tagen nachgerückte Aufsichtsratsmitglied Fritz-Fuchs. Momentan ist rechtlich noch unklar, ob Fritz Fuchs auch noch zurücktreten müsste, damit es eine komplette Neuwahl des Aufsichtsrates gibt, oder nur eine Nachwahl für vier neue Aufsichtsratsmitglieder. Fritz Fuchs sagte mir, er werde sich heute mit seinem Anwalt beraten, und er werde dann das tun, was für den FCK am besten ist. 

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Warum sind die drei Aufsichtsratsmitglieder Patrick Banf, Jochen Grotepaß und Bruno Otter denn überhaupt zurückgetreten?

Offiziell heißt es in der Pressemitteilung des FCK, man wolle im Interesse des Klubs den Weg freimachen für einen neu legitimierten Aufsichtsrat. Persönliche Anfragen des SWR an die zurückgetretenen Funktionäre blieben unbeantwortet. Aber da gibt es ganz sicher andere Hintergründe. Die Negativstimmung gegen den Aufsichtsrat ist auf dem Höhepunkt. Ich rede täglich mit FCK-Fans und Mitgliedern, ich kenne niemanden mehr, der diesen Aufsichtsrat noch entlastet hätte. Nach SWR-Informationen haben auch die ganzen Ultra-Gruppen, die sich bisher in der Investorenfrage überraschend ruhig verhalten hatten, entschieden, dass sie den kompletten Aufsichtsrat nicht entlasten wollen. Damit hatten die drei Aufsichtsräte praktisch keine Chance mehr. Ich glaube, dass die drei Aufsichtsräte ihrer Nichtentlastung und Abwahl damit zuvorkommen wollen, dass Sie auch Bedenken haben, dass bei der Jahreshauptversammlung gewisse Ungereimtheiten  aufgedeckt werden, die im Zusammenhang mit dem potenziellen Investor Flavio Becca stehen.

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Der Luxemburger Investor hat ja gerade bekannt gegeben, dass er die fertigen Verträge noch nicht unterschreiben will. Und er begründet es damit, dass er wissen wolle, mit welchen Personen er zusammenarbeite. Kann es sein, dass Flavio Becca jetzt ganz aussteigt?

Diese Frage ist nur schwer zu beantworten, da Herr Becca und sein Management grundsätzlich auf Anfragen des SWR überhaupt nicht reagieren. Aber: Wenn man als Investor einsteigen will, und das ja in einer angeblichen Größenordnung von bis zu 25 Millionen Euro, dann unterstelle ich, dass man ein Ziel hat, eine langfristige Strategie. Und die kann nicht davon abhängen, welche Personen grade beim FCK irgendwelche Ämter bekleiden. Das ist aus meiner Sicht nur ein Vorwand, das ist lächerlich. Spannend wird aber jetzt die Frage sein, ob Becca für den neuen Aufsichtsrat eine eigene Mannschaft aufstellen wird, die den FCK dann nach seinen Vorgaben führt. Genau diese Strategie soll er nach SWR-Recherchen schon häufig bei anderen Engagements verfolgt haben.

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